Den Schalter umgelegt: Vobornikova gelingt der Durchbruch
Als wir 2022 zuletzt mit Tereza Vobornikova über ihre Karriere sprachen, war sie gerade zu den Senioren aufgestiegen – eine junge Athletin, die Erfahrungen sammeln, dazulernen und ihren Platz in der Weltelite des Biathlon finden wollte. Vier Jahre später hängte eine olympische Medaille im Trophäenschrank.
„Wenn ich meinem jüngeren Ich etwas mitgeben könnte, würde ich sagen: ‚Hab Geduld, gib nicht auf. Das wird alles‘“, sagt sie mit einem Lächeln.
Diese Geduld zahlte sich in der Saison 2025/2026 aus. Vobornikova gewann bei den Winterspielen eine Bronzemedaille im Massenstart und lieferte zum Ende der Weltcupsaison einer Reihe starker Leistungen ab, darunter vier Top-10-Platzierungen und einen weiteren Podestplatz in Oslo.
Ein Rückschlag, der alles veränderte
Die Grundlage für diesen Durchbruch legte sie ausgerechnet in einer sehr schwierigen Zeit. Vobornikova sagt, im Vorjahr sei sie sogar in noch besserer Form gewesen, bis sie im Oktober an einer Lungenentzündung erkrankte und zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt in der Vorbereitung ausfiel. Mit den Nachwirkungen hatte sie monatelang zu kämpfen, nicht nur körperlich, sondern auch mental.
„Bei jedem Infekt habe ich befürchtet, dass das ein Rückfall ist“, sagt sie über ihre Unsicherheit nach der Krankheit. Rückblickend zeigt sich, dass dieser Rückschlag ein Wendepunkt war und ihren Fokus auf Themen lenkte, die sonst vielleicht übersehen worden wären. „Ich musste an Dingen arbeiten, die ich sonst vielleicht links liegen gelassen hätte – wie zum Beispiel Atemtraining. Am Ende hat schon alles einen Sinn.“
Selbstvertrauen aufbauen
Für Vobornikova war in dieser Saison nicht nur die Leistungssteigerung entscheidend, sondern vor allem die veränderte innere Einstellung. Am Schießstand war sie stabil wie eh und je, die Laufzeiten aber deutlich besser – und auch mental war sie gereift. „Am Schießstand hatte ich immer das Selbstvertrauen, aber auf der Strecke fehlte es mir wohl“, gesteht Vobornikova.
Diese Selbstzweifel bremsten sie oft aus, bis in dieser Saison endlich alles zusammenpasste und sie sich auch auf der Strecke mehr zuhause fühlte. Es war nicht nur ein körperlicher, sondern auch ein mentaler Durchbruch. „Mir ist klar geworden, wie viel die innere Einstellung ausmacht – bei großen Erfolge, aber eben auch bei verpatzten Rennen“, sagt sie.
Für sie war es entscheidend, sich von ihren Erwartungen zu verabschieden. Diese Veränderung wurde vor allem zum Saisonende sichtbar, als sie wie befreit lief und einige ihrer besten Resultate einfuhr.
In die Rolle hineingewachsen
Parallel ist Vobornikova auch in ihre neue Rolle in der tschechischen Mannschaft hineingewachsen. War sie anfangs die Jüngste im Team, steht sie jetzt zwischen den Generationen – nicht mehr das Nesthäkchen, aber auch noch nicht bei den ganz erfahrenen Biathletinnen. „Ich glaube, ich habe meinen Platz in der Mannschaft gefunden“, sagt sie vor allem mit Blick auf die Staffeln.
Trotz der Erfolge in dieser Saison hat sie die Bodenhaftung nicht verloren und konzentriert sich auf die nächsten Schritte. Statt Medaillen hinterherzujagen liegt ihr Fokus auf Stabilität. „Ich würde mir wünschen, dass meine Ergebnisse konstanter wären – statt in einem Rennen in den Top 10 zu landen und im nächsten weit zurückzufallen.“
Abseits der Strecke kümmert sie sich um ihr Leben jenseits des Sports, darunter ihre Abschlussprüfungen an der Universität. Und doch ist die größte Veränderung wohl die neue innere Einstellung. „Ich hoffe wirklich, dass ich in dieser Saison einen Schalter umgelegt habe“, sagt sie. „Jetzt habe ich mir ja bewiesen, dass alles möglich ist.“
Mehr als nur Biathlon
Es ist nicht immer einfach, Biathlon mit dem restlichen Leben unter einen Hut zu bekommen. Wie viele Athletinnen genießt Vobornikova in den Erholungsphasen ganz alltägliche Aktivitäten, die während der Saison eher die Ausnahme sind. „Ins Kino gehen oder im Einkaufszentrum herumschlendern – wir haben nur selten Zeit für Dinge, die für andere Leute normal sind.
Nach Saisonende traute sie sich auch endlich wieder auf die Skipiste, worauf sie jahrelang aus Angst vor Verletzungen verzichtet hatte. Jetzt genießt sie die Abwechslung – und doch dreht sich im Kern immer noch alles um Biathlon.
Abseits der Loipe
Fotos: Nordnes & Wizor/IBU, Tereza Vobornikova