Montag mit... Emilien Claude

Emilien Claudes Bandscheiben-OP im September 2025 hätte ihn seine Saison und auch seine Biathlon-Karriere kosten können, doch drei Monate später stand er zur Saisoneröffnung in Östersund schmerzfrei im Starthäuschen. Auch wenn die Olympia-Saison nicht so verlief wie erträumt schaffte es der 27-Jährige immerhin in der Single-Mixed-Staffel von Nove Mesto aufs Podest und fuhr als Ersatzmann mit nach Mailand/Cortina.

Vor dem Start der neuen Saison freut sich der jüngste Claude-Bruder nun auf einen soliden Winter 2026/27. An einem heißen Sommernachmittag erzählte uns der dreifache IBU-Juniorenweltmeister von seiner Montags-Routine und davon, wie es ist, Freundin Anna Gandler als Trainingspartnerin zu haben.

Biathlonworld: Wann stehst du montags auf und was machst du als Erstes nach dem Aufwachen?

Emilien Claude: Meistens um halb acht, weil ich zum Training muss. Als erstes schaue ich aufs Handy, ob ich neue Nachrichten habe – vor allem in diesem Sommer, weil mein Bruder Fabien in Neuseeland war und immer viele Nachrichten und Videos geschickt hat.

BW: Was ist die erste App, die du auf deinem Handy aufmachst?

EC: WhatsApp für Nachrichten von der Familie, Sponsoren und Freunden. Das ist für mich die wichtigste App. Danach öffne ich... Instagram!

BW: Wie sieht ein perfektes Frühstück für dich aus?

EC: Eier mit Speck oder Schinken sind der absolute Favorit. Platz zwei belegt das Porridge mit Joghurt, Obst und Marmelade, das Anna macht.

BW: Kaffee, Tee oder...?

EC: Kaffee. Ich habe mal sechs Monate nur Espresso oder Cappuccino getrunken, das wurde dann langweilig, aber es ist immer Kaffee.

BW: Gehören Dehnübungen, Yoga, Joggen oder mentale Vorbereitung zu deiner Morgenroutine?

EC: Ich würde sagen ja, seit der Rücken-OP. Ich dehne mich jetzt morgens meistens ein bisschen, damit ich bereit bin fürs Training.

BW: Siehst du dich als Perfektionisten, wenn es ums Training geht?

EC: Ich glaube, jeder Spitzensportler ist irgendwie ein Perfektionist. Ich bin kein absoluter Perfektionist, aber nah dran. Mir ist der Ausgleich wichtig: Perfektion in manchen Dingen, Trainingseinheit beenden und dann ein paar Stunden abschalten, den Nachmittag ohne diesen Stress genießen.

BW: Bist du furchtlos?

EC: Nein, nach allem, was passiert ist, habe ich Angst vor Verletzungen. Ich habe Angst, wenn ich so trainieren muss, wie ich es nicht will. Seit meinen Verletzungen mache ich Dinge gern auf meine Art, spreche mit den Trainern, und mag es wirklich nicht, Sachen zu machen, die ich machen muss, aber nicht machen will.

BW: Was machst du abends, um dich zu entspannen?

EC: Das kommt darauf an, ob ich den Abend mit meiner Freundin oder meiner Familie verbringe. Ich mag es, mal abzuschalten und nicht über Biathlon zu reden, auch wenn das in meiner „Biathlon-Familie“ (mit den Brüdern Fabien und Florent) nicht einfach ist. Ich habe da keine besonderen Gewohnheiten. Wenn ich Zeit mit Freunden verbringe, fahren wir vielleicht mit dem Boot raus oder gehen Golfen. Im Trainingslager lege ich mich kurz hin, aber dann unternehme ich auch gern noch was.

BW: Was ist das Härteste am Leben als Profi-Biathlet?

EC: Der Job verlangt 100 % von dir. Es ist kein Job, bei dem man morgens um neun zur Arbeit geht und abends um sechs Feierabend hat. Im Biathlon beginnt die Arbeit früh am Morgen und endet spätabends. Und wenn man schläft, muss man gut schlafen. Man ist ständig damit beschäftigt, die Strategie für diese Saison und für die nächste zu planen, und im April hat man dann gerade mal drei Wochen Zeit, etwas anderes zu tun. Biathlon ist ein Vollzeitjob.

BW: Was ist die wichtigste Lektion, die du bei den Winterspielen gelernt hast?

EC: Bei den Winterspielen ist dabei sein nicht alles, nicht für mich. Ich träume von Medaillen, nicht von einem 5. oder 6. Platz, weil sich daran niemand erinnert. Eine Bronzemedaille ist gut, aber eigentlich zählt nur Gold. In vier Jahren kämpfe ich um Gold.

BW: Was ist beim Essen deine größte Schwäche, ohne was kannst du absolut nicht überleben?

EC: Reis. Ich esse viel Reis, vor allem im Winter, aber eigentlich immer. Der gibt mir viel Kraft. Ich esse übers Jahr mehr Reis als Pasta.

BW: Welchen Rat würdest du jungen Biathleten mitgeben, die gerade erst anfangen?

EC: Dem eigenen Körper nicht zu viel abzuverlangen, nicht an die Grenzen zu gehen, auch wenn man keine Probleme hat. Das hat man mir mitgegeben, als ich jünger war. Biathlon ist nicht alles im Leben. Wenn man mit sich mit 25 einer Rücken-OP unterziehen muss, denkt man, okay, vier oder acht Jahre Biathlon sind vielleicht noch drin. Und danach will man ja noch 40 oder 50 Jahre leben. Eine tolle Karriere macht nur 10 Jahre deines Lebens aus. Wenn dein Körper dann komplett hinüber ist, wird das restliche Leben hart. Das Wichtigste ist nicht der Erfolg, sondern wie dein Körper sich anfühlt. Man muss intelligent trainieren, darum geht es.

BW: Deine Bandscheiben-OP war für dich die bislang größte Herausforderung. Hast du befürchtet, das könnte das Karriere-Ende sein?

EC: Darüber habe ich gar nicht so viel nachgedacht. Es war eine so große Veränderung und ich habe den Menschen um mich herum vertraut. Deswegen hat das so gut funktioniert. Ich wusste, ich brauchte ein bisschen Glück und alles musste perfekt laufen. Für eine olympische Medaille hat es nicht gereicht, aber es war unglaublich, dass ich drei Monate nach dem Eingriff am Start stehen konnte. Das hätten nicht viele Athleten geschafft. Das Resultat war vielleicht nicht besonders beeindruckend, aber für die Menschen in meinem Umfeld war es das. Mit einem guten Januar habe ich mich dann für den Olympia-Kader in einer der besten Mannschaften qualifiziert.

BW: Wie ist es, mit Anna eine Biathletin zur Freundin zu haben?

EC: Das ist einfach so cool. Wenn wir zusammen sind, dann verbringen wir wirklich den ganzen Tag zusammen. Wir trainieren zusammen und machen fast immer die gleichen Sachen: Krafttraining oder Intensität an den gleichen Tagen. Ich bin das gewohnt, weil ich mit zwei Biathlon-Brüdern aufgewachsen bin. Das ist perfekt, weil man so viel miteinander teilt. Auch emotional machen wir einiges zusammen durch, auch schwierige Momente im Winter. Das macht unsere Beziehung stärker.

BW: Was war das Highlight eures Urlaubs in Kenia im Frühjahr?

EC: Die Safari. Das sollte jeder in seinem Leben einmal gemacht haben. Einem Löwen auf fünf Meter Abstand in die Augen zu schauen, diese Nähe zur Natur, das haben wir in Europa gar nicht. Ich würde jedem empfehlen, mal eine Safari zu machen!

Fotos: IBU/Dmytro Yevenko, Emilien Claude. Nordic Focus/Manzoni, Authamayou

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