Olympische Spurensuche: legendäre Biathlon-Geschichte

Von den verschneiten skandinavischen Wäldern des 18. Jahrhunderts bis zur großen Bühne der Olympischen Winterspiele kann Biathlon auf eine ereignisreiche Geschichte zurückblicken. Seit den ersten offiziellen Wettkämpfen 1912 kombiniert der Sport Ausdauer, Präzision und Nerven wie Drahtseile – und erlebt in diesem Winter seinen 18. Olympia-Auftritt. Im Laufe der Jahrzehnte hat Biathlon mit den Winterspielen drei Kontinente besucht und kehrt nun zum neunten Mal nach Europa zurück, um Fans und Zuschauer überall auf der Welt zu begeistern.

Und wenn wir schon von der unglaublichen Ausdauer der Biathletinnen und Biathleten sprechen, sollen zwei Namen nicht unerwähnt bleiben: Der Norweger Ole Einar Björndalen, olympischer Rekordhalter mit 13 Medaillen, und die Weißrussin Dariya Domracheva, die mit ihren sechs olympischen Medaillen ein wahres Biathlon-Idol darstellt.

Von den Anfängen bis zu den ersten Olympischen Winterspielen

Seinerzeit hieß die Sportart zwar noch nicht Biathlon, aber in Grundzügen war der Sport schon bei den ersten Olympischen Winterspielen 1924 im französischen Chamonix zu erkennen. Im sogenannten Militärpatrouillenlauf, dem direkten Vorläufer des heutigen Biathlon, wurden Rennen auf Schnee ausgetragen, bei denen die Sportler unterwegs immer wieder auf Scheiben schießen mussten. Zwar wurde der Militärpatrouillenlauf ins St. Moritz (1928 und 1948) und Garmisch-Partenkirchen (1936) nur als Demonstrationssportart ausgetragen, doch war die Komplexleistung aus Ausdauer und Schießen damit als Konzept etabliert.

Es sollte noch Jahre dauern, bis Biathlon fest zum olympischen Programm gehörte. Mit dem 20 km Einzel der Männerwar es 1960 im US-amerikanischen Squaw Valley endlich so weit – das erste olympische Einzelrennen. Die Athleten mussten über vier Distanzen schießen – 200 m, 250 m, 150 m und 100 m – die ersten drei im Liegendanschlag und die letzte im Stehendanschlag. Für jeden Fehler wurden zwei Strafminuten zur Laufzeit addiert, sodass man Schwächen in der Laufleistung mit guter Treffsicherheit ausgleichen konnte. In Innsbruck wurde die Wertung vier Jahre später leicht angepasst: Für Treffer im inneren Kreis gab es keine Strafminuten, für den äußeren Ring eine Strafminute und für Schüsse, die die Scheibe verfehlten zwei Strafminuten. Die Athleten verwendeten damals leistungsstarke Gewehre mit Zentralfeuermunition, üblicherweise Kaliber 7,62 mm, die sich von den heutigen Kleinkalibergewehren deutlich unterscheiden.

Ein Name, der für alle Zeiten in die Annalen der Biathlongeschichte eingegangen ist, ist der des Schweden Klas Lestander, der erste Olympiasieger im Biathlon. Obwohl er es bei den Laufzeiten der 30 Starter in Squaw Valley nur auf Platz 15 schaffte, traf er als Einziger an diesem Tag alle 20 Scheiben und sicherte sich damit die Goldmedaille.

Von Tradition zu Innovation

In den nächsten Jahrzehnten entwickelte der Sport sich weiter. Neue Formate kamen hinzu, die Regeln wurden modernisiert, und so erreichte man schließlich einen der größten Meilensteine: die Erweiterung des Olympia-Programms um Frauenrennen 1992. Das Programm für die Männer wurde parallel kontinuierlich ausgebaut – in Grenoble kam 1968 die 4 x 7,5 km Staffel dazu, die die Sowjetunion gewann, und in Lake Placid führte man 1980 den schnellen, taktisch zu laufenden 10 km Sprint ein, mit dem Biathlon deutlich an Dynamik gewann. Auch die technischen Standards wurden weiterentwickelt: 1978 führte Biathlon die .22 LR Kleinkaliberwaffen ein und legte 50 Meter als einheitliche Schießdistanz fest, was als Format auch heute noch Bestand hat. 1984 in Sarajevo klappten Scheiben bei Treffern selbständig von Schwarz auf Weiß um – eine klare Anzeige für sowohl Athleten als auch Fans.

1992: Der Beginn einer neuen Ära

Die Winterspiele 1992 in Albertville waren ein Wendepunkt für die Sportart: Zum ersten Mal traten Frauen im olympischen Biathlon an, nach fast zehn Jahren im Weltcup und regelmäßigen Auftritten bei Weltmeisterschaften seit 1984. Die Disziplinen – Einzel, Sprint und Staffel – waren dieselben wie bei den Männern, mit angepassten Laufdistanzen von jeweils 15 km, 7,5 km und 3 x 7,5 km (zwei Jahre später erweitert auf 4 x 7,5 km).

Beim ersten olympischen Frauen-Biathlonrennen – ein Sprint – wurde ein historischer Olympiasieg verzeichnet. Anfissa Reszowa aus dem Vereinten Team hatte bereits zwei olympische Medaillen im Langlauf gewonnen und stürmte trotz drei Fehlern davon zum Sieg, auf der Strecke absolut uneinholbar. Im Einzel war Präzision ausschlaggebend für den Sieg: Die Deutsche Antje Misersky ließ nur eine Scheibe stehen und holte Gold.

In der Staffel kam es zu einer der größten Überraschungen von Albertville. Lange hatte die sowjetische Mannschaft die Staffeln dominiert, und auch bei den Frauen schien es darauf hinauszulaufen, bis die Französin Anne Briand-Bothiaux eine überragende letzte Runde in den Schnee zauberte und dem Gastgeberland einen emotionalen und unerwarteten Olympiasieg einbrachte.

Die Teilnahme der Frauen bedeutete nicht nur einen Ausbau des Sports, sondern trug auch zum Erfolg des Biathlon weltweit bei und ebnete den Weg für viele spätere Idole des Sports.

Das letzte Puzzleteil: der moderne olympische Biathlon entsteht

Das 21. Jahrhundert brachte neue Spannung in den olympischen Biathlonsport, mit neuen Disziplinen, die Athletinnen und Athleten auf packende und einzigartige Weise auf die Probe stellten. 2002 gab in Salt Lake City der Verfolger sein Debüt, für den die Startreihenfolge durch die Ergebnisse des Sprints festgelegt wurde, die 60 Besten aus dem Sprint die Startnummer 1 jagen durften und jeder Fehler eine Strafrunde bedeutete. 2006 wurde in Turin das Programm um denMassenstart erweitert, ein nervenaufreibendes Format, bei dem jeweils die 30 besten Männer und Frauen Kopf-an-Kopf und Schulter an Schulter antraten.

Acht Jahre später wurde in Sotschi 2014 mit der gemischten Staffel, bei der Männer und Frauen im selben Team antreten, das vorerst letzte Puzzleteil hinzugefügt und so einer der überraschendsten und packendsten Wettkämpfe des olympischen Programms geschaffen.

Mit diesen Erweiterungen entstand das Biathlon-Programm, wie wir es heute kennen – 11 Wettbewerbe voller Tempo, Leidenschaft und eiskalter Präzision, die auch bei den bevorstehenden Olympischen Winterspielen Mailand Cortina 2026 wieder Fans begeistern werden, wenn die schnellsten Ski, absolute Treffsicherheit und erbitterte Rivalität über Glanz und Gloria entscheiden – und das nächste unvergessliche Kapitel olympischer Biathlongeschichte schreiben.

Fotos: IBU Archive, Manzoni/IBU

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