Schweizer Mannschaft: „Da ist viel drin“

Wie bei vielen anderen Nationen gab es auch bei den Schweizer Frauen und Männern nach den Olympischen Winterspielen 2022 Veränderungen in den Mannschaften, darunter Rücktritte und Trainerwechsel. Vor der neuen BMW IBU Weltcupsaison 2022/23 haben jetzt aber beide Teams einen guten Sommer hinter sich, neue Ziele gesteckt und mit einer guten Mischung aus Routiniers und jungen Talenten den Erfolg fest im Blick.

Krug übernimmt Männermannschaft

Bei den Männern gab es die größte Veränderung. Der Biathlon-Veteran Remo Krug übernahm als Cheftrainer von Andi Wolff, der auf seinen vorherigen Trainerposten in Deutschland zurückkehrte. Krug dazu: „Nach sechs Monaten intensiver Arbeit mit meinem neuen Team weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war. Es war eine Herausforderung, sich bei Swiss-Ski und im Schweizer Biathlon einzuarbeiten. Aber es ist eine positive Erfahrung gewesen, mit guter Unterstützung von meinen Kolleginnen und Kollegen wie auch von den hochmotivierten Athleten. Es macht großen Spaß, mit ihnen zu arbeiten.“

Spannende Zeiten

Sandra Flunger, seit fünf Jahren Cheftrainerin der Frauen, ist ähnlich enthusiastisch. „Das ist jetzt meine fünfte Saison, und ich arbeite wirklich gern hier. Ich glaube, das ist mein bislang bestes Jahr. Unser Trainerteam arbeitet eng zusammen. Die Stimmung ist gut, wir haben ehrgeizige Ziele für die Mannschaft und viele Großereignisse, auf die wir uns vorfreuen können, wie die IBU Weltmeisterschaften 2025. Es ist eine spannende Zeit für uns.“

Rücktritte: Selina Gasparin und Benjamin Weger

Beide Mannschaften hatten Rücktritte zu verarbeiten: Die Olympia-Bronzemedaillengewinnerin 2014 Selina Gasparin und der langjährige Mannschaftsführer der Männer Benjamin Weger gingen in den Ruhestand. Krug erklärte: „Weger reißt ein großes Loch, aber das ist auch eine Chance für die Nachwuchsathleten, die Lücke zu schließen und in seine Fußstapfen zu treten.“ Auch Gasparin, die 15 Jahre Teil der Mannschaft war, wird laut Flunger vermisst: „Aber es ist trotzdem alles gut. Jetzt haben wir eine gute Mischung aus jüngeren Veteraninnen: Aita, Elisa, Lena Häcki-Groß und die jüngeren zwei, Amy Baserga und Lea Meier.“

Guter Sommer

Beide Trainer sind zufrieden mit dem Sommertraining und vor allem mit den Ergebnissen bei der IBU SBWM. Flunger gesteht: „Wir sind nach der anspruchsvollen olympischen Saison etwas langsamer eingestiegen. Der Mai war schon hart; wir haben gut trainiert, aber nicht zu viel. Danach ist es jede Woche besser geworden. Jetzt bin ich ziemlich zufrieden.“ Krug, der mit einer für ihn neuen Gruppe von Athleten arbeitet, hat sein eigenes Schießprogramm aufgesetzt. „Wir haben uns zunächst darauf konzentriert, die technischen Elemente zu stabilisieren: Atmung, Anschlag, Anvisieren, Abziehen. Dann haben wir bei bleibender Stabilität die Intensität gesteigert. Außerdem haben wir das Trainingsvolumen hoch angesetzt, damit wir auf hohem Niveau durch die lange Saison kommen.“

Wichtige Medaillen bei der IBU SBWM

Niklas Hartweg und Häcki-Groß gewannen in Ruhpolding Bronzemedaillen, ein Indikator für solides Sommertraining. Krug warnt allerdings: „Hartwegs Sprintmedaille plus Platz 9 im Massenstart und Sebastian Stalders 4. Platz im Massenstart waren gute Überraschungen, das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber wir wollen diese Ergebnisse nicht überschätzen, denn wir wissen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben, wenn wir stabil in den Top 20 mitlaufen wollen.“

Die Frauentrainerin sagt, Häcki-Groß‘ Medaille sei „ziemlich wichtig. Wir waren angetreten, um unser Schießen unter Wettkampfbedingungen auf die Probe zu stellen und uns Selbstvertrauen beim Schießen und beim Laufen abzuholen.“

Trainingslager in Ramsau

Beide Mannschaften absolvierten letzte Woche ihr vorletztes Trainingslager in Ramsau. Flunger sagt, die „Bedingungen waren perfekt, vielleicht die besten Bedingungen der letzten Jahre auf dem Gletscher, auch wenn wir nur zwei Einheiten auf dem Dachstein gemacht haben. ... Der Schießstand in Ramsau ist nicht einfach, wegen der letzten Meter vom Schießstand-Anlauf. Genau deswegen haben wir ihn ausgewählt, um ein bisschen Intensität zu trainieren, und mit dem Ergebnis waren wir sehr zufrieden.“

Davos und Tests

Die Trainingslager auf Asphalt sind nun durch, und der Fokus liegt auf Schneetraining, Intensität und Tests, um die Startplätze im Weltcup und IBU Cup zu vergeben. Die Männer und Frauen absolvieren bis Kontiolahti weiter ein ähnliches Programm. Krug erläutert: „Ende Oktober und Anfang November bereiten wir uns in Davos (Schneetraining) und Lenzerheide (Intervalle/Intensität) weiter vor. Am 12. und 13. November haben wir zwei Sprintwettkämpfe geplant, um eine Auswahl zu treffen. In der dritten Novemberwoche haben wir dann ein Trainingslager in Obertilliach für das Weltcup-Team.“

Aita, Elisa und Lena

Der Männerkader für den Weltcup steht noch nicht und wird erst nach den Testwettkämpfen Mitte November festgelegt. Bei den Frauen gibt es hingegen nur noch zwei freie Plätze. „Wir haben Glück, dass wir dieses Jahr fünf Startplätze haben. Aus unserem A-Kader sind Aita, Elisa und Lena vorqualifiziert, und die beiden letzten Positionen werden nach den Sprintrennen im November vergeben.“

Ziele: Nationencup und Staffeln

Kurz vor Beginn der Saison verrieten beide Trainer ihre Ziele. Krugs Ziele bei den Männern drehen sich gemäß seiner Trainingsphilosophie alle um Verbesserungen. „Unser langfristiges Ziel ist, uns in den Top 10 der Nationencup-Wertung zu etablieren. Wir wollen die Wettkämpfe offensiv und selbstsicher angehen. Das gibt uns die Chance, in den Einzelrennen zu überraschen. Gleichzeitig haben wir die besten Podestchancen in den gemischten Staffeln.“

Die Frauen hoffen, die Staffelform von 2019/20 wieder zu erreichen, als sie in der Weltcup-Staffelwertung nach drei Podestplätzen Zweite wurden. „Wir wollen in Sachen Podestplätze mit der Staffel wieder dorthin, wo wir vor drei Jahren waren. Die Staffeln der letzten zwei Saison waren nicht zufriedenstellend. Für ein kleines Land wie uns sind die gemischten Staffeln das große Ziel. Natürlich haben Athletinnen auch individuelle Ziele. Wir wollen einfach gute Ergebnisse, um zu zeigen, dass wir Fortschritte machen...“

Optimismus

Im Schweizer Biathlon bleibt man optimistisch, wie auch Flunger sagt: „Da ist viel drin, und mit einem perfekten Rennen könnte es jeder in die Top Ten schaffen.“

Fotos: IBU/Christian Manzoni

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