Kampf ums Blaue Trikot: Sturla und Sebastian

Das Blaue (U25-) Trikot ist seit seiner Einführung zu einer begehrten und hart umkämpften Trophäe geworden. Elvira Oeberg krallte es sich von Beginn an in der letzten Saison und ließ es nicht mehr los. Doch bei den Herren lief der Kampf ums Blaue Trikot bis zum letzten Rennen. Sebastian Samuelsson führte fast die gesamte Saison hindurch, doch dann schaffte es Sturla Hoolm Laegreid noch, ihn zu übertrumpfen und einen 19-Punkte-Vorsprung herauszuholen.

Obwohl sich diese beiden Athleten in der vergangenen Saison den Hauptkampf lieferten, war der erste Träger des Blauen Trikots der 23-jährige Sivert Guttorm Bakken mit seinen Plätzen 6 und 8 bei den ersten Rennen in Östersund. Samuelsson hätte von Anfang an in Führung gehen können, aber Rang 40 im Saisoneröffnungsrennen über 20 km warf ihn weit zurück.

Erstes Trimester: Samuelsson am Steuer

Dann sicherte sich Samuelsson zwei Sprintsiege sowie Platz zwei in der ersten Saisonverfolgung und sprang hinters Steuer. Von diesem Moment an kontrollierte er den Kampf ums Blaue Trikot, während Laegreid mit Krankheitsausfällen, seiner Laufleistung und seiner Schießquote zu kämpfen hatte. Nachdem der Norweger krank geworden war und die Verfolgung in Östersund auslassen musste, war er froh, Schweden endlich hinter sich lassen zu können.

Laegreid war wieder gut genug hergestellt, um in Hochfilzen anzutreten, doch seine Gesundheitsprobleme hatten ihm auch seine Form genommen. Samuelssons dritter Platz in der Verfolgung von Hochfilzen verschaffte ihm 95 Punkte und gleichzeitig auch das Gelbe Trikot.

Samuelssons schneller Start kam in Le Grand Bornand ins Stottern. Er verlor das Gelbe Trikot, während Laegreid wieder besser in Form kam und seinen schwedischen Konkurrenten in zwei von drei Rennen schlug.

Fokus auf Peking: Laegreid kommt in Fahrt

Im zweiten Trimester zu Beginn von 2022 konzentrierten sich die jungen Stars auf eine Sache: die Olympischen Winterspiele in Peking. Trikots bedeuteten plötzlich nichts mehr, denn die sich nur einmal alle vier Jahre bietende Gelegenheit, eine olympische Medaille zu gewinnen, kann das Athletenleben verändern. Laegreid sagte nach seinem Urlaub: „Ich habe meine Waffe kein einziges Mal angefasst.“ Doch er war zweifellos mental und gesundheitlich besser aufgestellt als zuvor und kam mit seinem dritten Platz im Sprint besser in Fahrt als sein Konkurrent. „Ich musste mich etwas ausruhen. Ich war wirklich müde. In Östetrsund war ich krank und bin danach nicht wieder 100%ig in Form gekommen. Ich habe die Weihnachtstage genutzt, um auszuspannen und dann hart zu trainieren. Das hat sich ausgezahlt.“

Die norwegischen Herren ließen Ruhpolding für eine Woche Höhentraining ausfallen. Samuelsson verpasste mit den Rängen 18 und 7 seine Chance, in Laegreids Abwesenheit viele Punkte einzufahren, bevor auch er ins Höhentraining ging.

Laegreid zeigte auch in Antholz mit Rang drei im Massenstart aufsteigende Leistungen und sicherte sich 39 Punkte mehr als sein Konkurrent im zweiten Trimester. Im ersten Trimester hatten sie einen Unterschied von 91 Punkten.

Neustart nach Olympia

Bei den Olympischen Spielen gewannen weder Laegreid noch Samuelsson eine Einzelmedaille. Laegreid konnte sich allerdings Staffelgold sichern. Danach begann der Kampf ums U25-Trikot erneut.

Im Sprint von Otepää zeigte Laegreid fehlerfreie Schießeinlagen und holte sich Rang zwei. Beim Massenstart ging es heiß her und der Abstand zwischen den beiden jungen Stars verringerte sich auf 22 Punkte. Nun standen nur noch drei Rennen aus.

„Harter Kampf“

In Oslo waren beide müde, aber keiner wollte das Handtuch werfen. Laegreid gewann den Sprint und sagte: „(hier) zu gewinnen, ist wie eine Meisterschaftsmedaille – einfach unglaublich… Ich habe heute mein Bestes gegeben und ein perfektes Rennen gezeigt.“ Samuelsson schwächelte ebenfalls nicht und kam auf Platz drei, ebenfalls mit einer weißen Schießweste. Seine Gedanken an den Kampf um die Top 3 in der Gesamtweltcupwertung überlagerten sein Duell mit Laegreid. „Ich muss mich darauf konzentrieren, sowohl läuferisch als auch am Schießstand mein Bestes zu geben. Ich weiß, wenn ich das schaffe, wird es schwer für sie, mich zu überholen. Es wird ein harter Kampf.“

Laegreid hätte den Gewinn des Blauen Trikots bereits mit einem Verfolgungssieg besiegeln können, doch nachdem er als Führender zum letzten Stehendschießen kam, verfehlte er zwei Scheiben und wurde am Ende Dritter – ein Platz vor Samuelsson.

Showdown am Schlusstag

Am Finaltag der Saison entschied der Massenstart über den Gewinn des Blauen Trikots und die Top 3 in der Weltcupgesamtwertung. Laegreid dominierte die Liegendanschläge, blieb fehlerfrei und setzte sich an die Spitze des Felds. Samuelsson schenkte ihm nichts und folgte fünf Sekunden hinter Laegreid. Dann räumte er beim ersten Stehendschießen alle Scheiben ab, während sein norwegischer Rivale einmal in die Strafrunde musste. Alles hing vom letzten Stehendschießen ab. Die beiden standen nebeneinander. Der Norweger blies die Scheiben um, ließ nur eine stehen und war weg. Samuelsson verfehlte die letzten drei Ziele und besiegelte sein Schicksal. Laegreid verpasste nur knapp den Sieg und wurde Zweiter. Samuelsson landete auf Rang 11.

Endergebnis: 736 Punkte, Blaues Trikot und Rang zwei in der Weltcupgesamtwertung für Sturla. 717 Punkte und Platz drei in der Weltcupgesamtwertung für Samuelsson, der damit als erster Schwede seit Mikael Lofgrens Sieg 1993 in den Top 3 der Gesamtwertung war.

Zweites Blaues Trikot für Sturla

Der Norweger sicherte sich das Blaue Trikot für den besten U25-Athleten zum zweiten Mal in Folge, trotz seines langsamen Starts. „Dieses Jahr hat es sich noch besser angefühlt, da ich in der Mitte der Saison ziemlich weit unten in der Gesamtwertung stand. Ich hatte Probleme mit meiner Form vor Weihnachten und meiner Schießleistung nach den Feiertagen… Das war nicht die Saison, die ich mir erträumt hatte… Nach Olympia habe ich meine Möglichkeit erkannt, einige gute Plätze einzufahren… Und heute war es ein Kampf zwischen mir und Samuelsson um die U25-Trophäe.“

Beide sind nun 25 Jahre alt geworden. Neues Jahr werden wir also definitiv einen anderen Athleten im Blauen Trikot sehen. Aber der Kampf zwischen Laegreid und Samuelsson ist noch lange nicht zu Ende. Wir bleiben gespannt!

Fotos: IBU/ Christian Manzoni, Vianney Thibaut

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