Der malerische Austragungsort in Bayern gehört zu den Vorreitern des modernen Biathlon. Schon 1978 fanden in derChiemgau Arena die ersten internationalen Biathlon-Rennen statt, und inzwischen ist Biathlon aus Ruhpolding nicht mehr wegzudenken. Knapp vierzig Jahre später ist der hiesige Weltcup Ende Januar immer noch ein Traditions-Highlight im Biathlon-Kalender, und er bleibt es mindestens bis 2030. Dann feiert Ruhpolding die Austragung des 50. Weltcups in an diesem Ort, ein respektables Jubiläum, das nicht viele Veranstalter in diesem Sport erreichen.
Die Chiemgau Arena liegt 710 Meter über dem Meeresspiegel auf etwa 19.000 Quadratmetern und ist Bundesstützpunkt, Landesstützpunkt und Olympiastützpunkt. Das Trainingszentrum wird für Biathlon, Langlauf, Nordische Kombination und Skispringen genutzt und fördert auch systematisch den Nachwuchs. Doch Zahlen sind nicht alles. Was Ruhpolding für Sportlerinnen und Sportler wie auch für Fans so besonders macht, ist der kompakte Aufbau der Anlage.
Strecken, Schießstand, Aufwärmbereich und Servicebereich liegen dicht beieinander. Der Schießstand – meist ruhig und windgeschützt – ist einer der leichtesten im Weltcup, sodass Rennen über Treffsicherheit entschieden werden. Für Fans bedeutet der kompakte Aufbau, dass sie praktisch hautnah dran sind. Die Haupttribüne liegt nur weniger Meter hinter dem Schießstand, und auch an der Strecke haben die Zuschauer von vielen Stellen aus einen perfekten Blick auf das Renngeschehen. Das abwechslungsreiche Rahmenprogramm und der unermüdliche Einsatz von etwa 800 Freiwilligen sorgen dafür, dass dieser Ort viel mehr ist als nur eine Wettkampfstätte.
Die Anfänge des Biathlon in Ruhpolding waren eher bescheiden. In den frühen 1970ern waren die Scheiben wenig mehr als Ballons auf Holzbrettern, und Rennen wurden immer dann ausgetragen, wenn genug Schnee lag. Das änderte sich 1977 - 1978, als am Zirmberg ein festes Trainingszentrum gebaut wurde, mit Schneesicherheit und einem professionellen Stützpunkt.
1979 richtete Ruhpolding die ersten Biathlon-Weltmeisterschaften mit 283 Teilnehmern aus 26 Nationen und 4.000 Zuschauern aus und machte sich als Wettkampfstätte einen Namen. Bei den zweiten Weltmeisterschaften 1985 entstand eine weitere Tradition, die bis heute besteht: Beppo, das Langlauf-Maskottchen, gab seinen Biathlon-Einstand und ist seitdem bei jedem Weltcup und jeder Weltmeisterschaft dabei gewesen.
Ruhpolding hat inzwischen noch zwei weitere Weltmeisterschaften ausgerichtet: 1996 und 2012. Während der letzten WM kamen insgesamt ganze 240.000 Zuschauer auf die Anlage und wurden dort Zeugen unvergesslicher Momente – darunter auch der Abschied der deutschen Star-Biathletin Magdalena Neuner. Neuner, deren Ausnahme-Karriere in der Saison 2005/06 in Ruhpolding ihren Lauf genommen hatte, gewann insgesamt vier Medaillen bei dieser WM und setzte auf heimischem Boden einen würdigen Schlusspunkt hinter dieses Kapitel.
Ruhpolding hat Generationen von Champions geprägt. Olympiasieger Fritz Fischer und Michael Greis trainierten als Jugendliche auf dieser Anlage und meisterten die Strecken, die sie an die Spitze dieses Sports führen sollten. Internationale Stars wie Ole Einar Bjørndalen und Liv Grete Poirée sind als erfolgreichste Biathleten auf diesen Strecken untrennbar mit dem Ort verbunden.
Bei den Staffeln ist allerdings Deutschland das Team, das es zu schlagen gilt. Seit der Saison 1977/78 haben die Heimmannschaften 25 erste Plätze abgeräumt, zuletzt 2025, als die Frauenstaffel Gold und die Männer Bronze gewannen und die Tradition der Erfolge auf heimischem Boden fortsetzten.
Im Winter wirkt Ruhpolding wie ein Märchenland. Verschneite Dächer, Weihnachtsmarkt, Kerzenlicht und klare Bergluft bieten viele Möglichkeiten für Abenteuer und Tradition gleichermaßen. Nur einen Katzensprung vom Ort entfernt liegt der Mittersee wie ein verstecktes Juwel in seinem Naturschutzgebiet. Im Sommer glitzert er als Badeparadies, im Winter schlängelt sich ein ruhiger Rundweg um den zugefrorenen See, auf dem Langläufer vorbeigleiten und Winterwanderer auf präparierten Wegen die Winterluft genießen.
Von verschneiten Loipen bis hin zu ruhigen Seen kann hier im Herzen Bayerns jeder ein bisschen Winterzauber finden.
Fotos: Manzoni/IBU, Skiclub Ruhpolding e.V.