„Ausreißer nach unten dürfen nicht mehr passieren“ – Philipp Horn will in die Top 15 des Weltcups

Philipp Horn hat sich in der vergangenen Saison zwei Träume erfüllt: einen Podestplatz im Weltcup und die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen. Im Interview mit Biathlonworld erklärt er, warum er gemischte Gefühle bezüglich des olympischen Massenstarts hat, und dass er bereits Pläne für das Leben nach seiner Karriere schmiedet.

Biathlonworld: Philipp, du hast gerade die erfolgreichste Saison deiner Biathlon-Karriere hinter dir. Dein dritter Platz beim Sprint in Hochfilzen war dein erster Podestplatz im Weltcup. Darüber hinaus hast du an den Olympischen Winterspielen teilgenommen. Was hast du in dieser Saison gelernt?

Philipp Horn: Ich habe gelernt, dass im Biathlon nie alles perfekt läuft. Die Olympischen Spiele und ein Podestplatz im Weltcup waren große Ziele, die ich erreichen konnte. Darauf hatte ich lange hingearbeitet, und umso glücklicher bin ich, dass es jetzt geklappt hat. Aber nicht alles lief nach Plan – das gehört einfach dazu.

BW: Wie hast du die Olympischen Winterspiele in Antholz erlebt?

PH: Ich war von Anfang an begeistert. Als ich am ersten Tag das Stadion betrat und die olympischen Ringe sah, war das mein ganz persönlicher magischer Moment. Ich habe mich jeden Tag auf die Rennen gefreut. Allerdings kann ich die Spiele in Italien nicht mit anderen vergleichen, da es bisher meine einzigen sind.

BW: Wie oft denkst du noch an deinen vierten Platz im Massenstart zurück?

PH: In den Wochen danach habe ich oft über das Rennen nachgedacht – mit gemischten Gefühlen. Ich bin stolz auf meinen vierten Platz – es war eines meiner besten Ergebnisse der Saison. Andererseits ärgert es mich, dass ich in meiner Spezialdisziplin geschlagen wurde. Quentin Fillon Maillet war an diesem Tag einfach der bessere Skiläufer.

BW: Am Ende eines Olympiazyklus beenden viele Sportler ihre Karriere. Warum hast du dich entschieden, weiterzumachen?

PH: Vor der letzten Saison hätte ich nicht sagen können, dass ich weitermachen würde. Aber mir ist klar geworden, wie viel Spaß mir der Biathlon immer noch macht und wie gerne ich zum Training gehe. Es ist einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt, mein Gewehr an den Nagel zu hängen – spätestens im Mai war mir das klar. Außerdem sind wir eine wirklich gute Truppe, sowohl in der Trainingsgruppe in Oberhof als auch in der Nationalmannschaft. Wir motivieren uns gegenseitig, und das beflügelt das gesamte Team.

BW: Mit 31 gehörst du zu den erfahreneren Athleten. Wie fühlst du dich in dieser Rolle?

PH: Sie passt perfekt zu mir. Ich übernehme gerne Verantwortung, habe aber selbst noch viel zu lernen.

BW: Du hast dir bereits deinen Weltcup-Platz für den Saisonstart gesichert. Wie fühlst du dich dabei?

PH: Für mich persönlich bedeutet das, dass ich mich gelassener vorbereiten kann. Ich spüre das Vertrauen der Trainer in mich. Die Qualifikationsrennen im November waren für mich immer mit enormem Druck verbunden. Leider hat sich das oft auf meine Schießleistung ausgewirkt, sodass ich mich nicht qualifizieren konnte. Natürlich weiß ich auch, dass es ein paar Wochen später im Weltcup genauso darauf ankommt.

BW: Was sind deine sportlichen Ziele für den kommenden Winter?

PH: Ich möchte wieder aufs Podest, weiß aber auch, dass ein gutes Rennen allein nicht ausreicht – es muss einfach alles zusammenpassen. Außerdem möchte ich über die gesamte Saison hinweg konstantere Ergebnisse erzielen – ich kann mir keine Formtiefs mehr leisten. Wenn mir das gelingt, ist ein Platz unter den Top 15 in der Gesamtwertung realistisch.

BW: Zusammen mit deiner Frau Antonia willst du in Oberhof ein Hotel für Sportler eröffnen. In den letzten zwei Jahren habt ihr viel Zeit auf der Baustelle verbracht. Wie bringst du das mit dem Leistungssport unter einen Hut?

PH: Unser Hotel hat uns viel Zeit, Energie und Geld gekostet. Trotzdem sind wir stolz darauf, wie viel wir bereits erreicht haben, und freuen uns auf das fertige Ergebnis. Wir wollen noch vor Ende dieses Jahres eröffnen. Die praktische Arbeit macht mir Spaß, aber ich muss zugeben, dass es nicht immer einfach war, sie mit meinen sportlichen Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen. Rückblickend waren die letzten zwei Jahre sportlich gesehen meine bisher besten. Vielleicht tut es mir also gut, auch mal an etwas anderes als Biathlon zu denken.

BW: Inwiefern wirst du selbst im Hotel mitwirken?

PH: Leider kann ich mich nicht um den täglichen Hotelbetrieb kümmern, wenn ich im Winter bei Wettkämpfen antrete – das übernehmen meine Frau und meine Schwiegermutter. In Zukunft, insbesondere nach meiner Sportkarriere, werde ich aber selbst mit anpacken. Darauf freue ich mich schon sehr.

Foto: IBU Photopool

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