Masters Reaches Historic Milestone with Tenth Paralympic Gold
Nach vier Jahren Vorbereitung fanden bei den Paralympischen Winterspielen Milano Cortina endlich die ersten Wettkämpfe im Para Biathlon statt. In Val di Fiemme gingen alle Klassen im Sprint über 7,5 km mit zwei Liegendeinlagen an den Start. Die Strafrunde für die sitzende Klasse war 100 m lang, die stehende Klasse und die der Frauen und Männer mit Sehbeeinträchtigung mussten 50 m mehr zurücklegen. Am ersten Tag gewann die Ukraine dreimal Gold, China durfte sich über zwei Siege freuen. Die sechste Goldmedaille sorgte jedoch für die größte Begeisterung.
Der Auftakt der Wettkämpfe im Para Biathlon fiel in der sitzenden Klasse. Bei den Frauen waren alle Augen auf Oksana Masters gerichtet, die ihre zehnte paralympische Goldmedaille und ihr 20. Edelmetall bei Paralympischen Spielen (Sommer wie Winter) anstrebte. Dieses Ziel erreichte sie, auch wenn ihre Landsfrau Kendall Gretsch ihr das Leben gehörig schwermachte. Beide Athletinnen blieben am Schießstand fehlerfrei und lagen vor der Schlussrunde nur eine Sekunde auseinander. Auf der Strecke war Masters jedoch deutlich schneller und sicherte sich am Ende mit 16 Sekunden Vorsprung den Sieg. Vor der Saison hätte die 36-Jährige nicht gedacht, dass ihre Rückkehr zum Para Biathlon nach einjähriger Verletzungspause so erfolgreich verlaufen würde.
„Ich hatte in der letzten Zeit einige gesundheitliche Probleme. Daher wusste ich vor dem Start heute ehrlich gesagt nicht, wie gut ich in Form bin. Das Ergebnis ist eine große Überraschung für mich“, so Masters. „Jede einzelne meiner 20 Medaillen ist etwas ganz Besonders. Jede einzelne hat ihren eigenen Weg genommen und erzählt eine eigene Geschichte. Jede Ausgabe der Paralympics ist anders.“
„Letzte Saison habe ich die Rennen gegen Oksana sehr vermisst. Sie pusht mich enorm und hilft mir, eine bessere Athletin zu sein. Am liebsten würde ich immer gegen sie antreten, auch wenn das bedeutet, dass ich nicht gewinne“, so Silbermedaillengewinnerin Gretsch, die bei den letztjährigen Weltmeisterschaften mit allen drei Titeln die dominierende Athletin war.
„Die Amerikanerinnen waren heute unglaublich stark. Ich habe zweimal danebengeschossen, daher hatte ich im Kampf um Gold oder Silber keine Chance. Selbst mit einer fehlerfreien Schießleistung wäre es sehr schwer geworden“, so Anja Wicker, die sich gegen Yunji Kim im Duell um Bronze durchsetzte. Die Koreanerin leistete sich im ersten Anschlag gleich vier Schießfehler, kämpfte trotzdem ums Podest und hatte am Ende um gerade einmal acht Sekunden das Nachsehen.
Der Wettkampf der Männer war auf sehr hohem Niveau. Ein einziger Fehlschuss konnte hier über Wohl und Wehe entscheiden. Die ersten sechs Athleten blieben allesamt ohne jeden Schießfehler und machten den Kampf ums Podest damit unter sich aus. Taras Rad setzte dabei seine Erfolgssträhne aus dem Weltcup fort und gewann vor Mengtao Liu und Titelverteidiger Zixu Liu. Die Chinesen schossen zwar schneller, doch der Ukrainer war auf der Strecke der Bessere. Im Ziel hatte er zehn Sekunden Vorsprung auf Silber und 17 Sekunden Vorsprung auf den Dritten.
In der stehenden Klasse der Frauen lieferten sich die erfahrene und mit vielen Titeln dekorierte Oleksandra Kononova sowie Nathalie Wilkie, die von ihrer ersten paralympischen Biathlon-Medaille träumte, einen harten Kampf um Gold. Nach dem ersten Schießen lag die Ukrainerin zwei Sekunden vor der Kanadierin. Nach dem zweiten Anschlag wuchs der Vorsprung auf fünf Sekunden an. Trotz starker Schlussrunde sollte Wilkie der große Coup nicht gelingen. Stattdessen gewann Kononova das dritte paralympische Biathlon-Gold ihrer Karriere, nachdem sie bereits vor 16 bzw. 12 Jahren die Beste war. Komplettiert wurde das Podium von Liudmyla Liashenko, die damit zum fünften Mal bei ihren letzten sechs Paralympics-Starts das Podest erreichte. Die 32-Jährige war die einzige Medaillengewinnerin, die sich einen Fehlschuss leistete, und hatte im Ziel 32 Sekunden Rückstand auf die Siegerin.
In der stehenden Klasse der Männer feierte China einen Doppelerfolg. Der 25-Jährige Jiayun Cai holte sich den ersten Sieg seiner Karriere, sein Landsmann Xiaobin Liu gewann Silber. Damit feierten beide den jeweils größten Erfolg ihrer Laufbahn. Die beiden Chinesen blieben am Schießstand ohne Fehler und lagen im Ziel 22 Sekunden auseinander. Im Kampf um Bronze entspann sich ein harter Fight zwischen Grygorii Vovchynskyi und Marco Maier. Bei der letzten Zwischenzeit lag der Ukrainer knapp in Front, doch im Ziel war es der Deutsche, der sich mit 0,2 Sekunden Vorsprung seine zweite paralympische Medaille sicherte. Vor vier Jahren in Peking holte er ebenfalls im Sprint Silber.
In der Klasse der Frauen mit Sehbeeinträchtigung setzte China die Siegesserie fort: Yue Wang erwies sich am heutigen Tag als unschlagbar. Trotz einer Strafrunde lag die Chinesin im Ziel 28 Sekunden vor der Zweitplatzierten. Die 26-Jährige wurde bei den letzten Paralympischen Spielen sowie bei den Weltmeisterschaften jeweils Dritte und feierte mit der heutigen Goldmedaille den größten Erfolg ihrer Karriere. Ähnlich groß war die Freude bei Carina Edlingerová, die schon zahlreiche Medaillen im Para Langlauf gewann und seit einiger Zeit im Para Biathlon an den Start geht. Mit Silber bescherte sie der Tschechischen Republik die erste Biathlon-Medaille bei Paralympischen Spielen überhaupt. Bronze ging an Leonie Marie Walter, die damit das gleiche Resultat wie vor vier Jahren erzielte.
Bei den Männern zeigte das ukrainische Team wie schon in den letzten vier Jahren einmal mehr seine unglaubliche Stärke. Oleksandr Kazik gewann seine fünfte paralympische Medaille und sein zweites Gold. Im Ziel lag er über eine Minute vor seinen Teamkollegen Iaroslav Reshetynskyi und Anatolii Kovalevskyi. Alle drei Ukrainer blieben ohne Schießfehler. Der Chinese Hesong Dang verpasste das Podium am Ende nur knapp um 0,7 Sekunden.
Den Athletinnen und Athleten bleibt nur wenig Zeit, um ihre Siege zu feiern oder ihre Enttäuschung wegzustecken. Am Sonntag steht mit dem Einzel über 12,5 km bereits der nächste Wettbewerb auf dem Programm.
Fotos: IBU | Barbieri