Otepää bietet ersten Vorgeschmack auf die Weltmeisterschaften

Im Sprint der Estnischen Meisterschaften im Sommerbiathlon stand Johan-Olav Smørdal Botn beim norwegischen Dreifach-Triumph ganz oben auf dem Treppchen. Stattgefunden hat das Ganze in Otepää, wo im kommenden Winter die LaVita IBU-Weltmeisterschaften stattfinden. Die Norweger wählten Otepää gezielt für ihr Trainingscamp aus, nachdem sie in den Vorjahren meist im Höhentrainingslager waren. So hatten die Skandinavier die Möglichkeit, sich bereits frühzeitig an das einzigartige Streckenprofil und den Schießstand zu gewöhnen, an dem im kommenden Winter um WM-Edelmetall geschossen wird.

Das norwegische Team trat bei den Estnischen Meisterschaften nur im Sprint am Samstag an. Dabei sorgte heftiger Regen für besonders schwierige Bedingungen auf der Strecke. Ungeachtet dessen bewiesen die Norweger ihre ganze Klasse und sicherten sich alle drei Podestplätze. Ganz oben stand dabei Botn, gefolgt von Einar Hedegard und Vetle Sjåstad Christiansen.

Es war ein gutes Rennen, vor allem auf dieser Strecke“, so der Sieger, der am Schießstand zwei Scheiben verfehlte. „Das gilt umso mehr, da wir zuvor hart trainiert haben. Ich weiß, dass ich ziemlich gut mit Erschöpfung umgehen kann, das hat mir in die Karten gespielt. Es ist natürlich schön, dass die Form wieder da ist, vor allem, da ich im Sommer einige gesundheitliche Probleme hatte. Am Schießstand lief es zwar nicht so gut, so weiß ich aber, was ich vor der neuen Saison noch verbessern muss.

Auch die Gastgeber freuten sich über die Teilnahme der Norweger an den eigenen Landesmeisterschaften. So hatten die Esten die Möglichkeit, mit einigen der weltbesten Biathleten zu trainieren und sich im Wettkampf zu messen. Mark-Markos Kehva, eines der aufstrebenden estnischen Talente, gewann im Massenstart am Sonntag die Silbermedaille. An diesem Rennen nahmen die Norweger nicht teil. Der 22-Jährige zeigte sich von der Präsenz der Norweger aber begeistert:

Es war super, gemeinsam mit ihnen zu trainieren. Für die meisten von uns sind sie seit Kindheitstagen große Vorbilder. Sie haben das, wovon wir alle träumen – enorme Qualität und viele Erfolge. Es war ein großes Privileg, mit ihnen zu trainieren und ihnen Fragen zu ihrer Vorbereitung zu stellen. Sie waren sehr offen, überaus freundlich und sind uns auf Augenhöhe begegnet.

Kehva hatte zwar keine Gelegenheit, im Massenstart gegen seine Idole anzutreten, darf aber dennoch stolz darauf sein, mit Andrejs Rastorgujevs einen WM-Medaillengewinner hinter sich gelassen zu haben.

Es war ein harter Fight mit Rastorgujevs und Henning Sjökvist. Ein Wettkampf zu Hause macht natürlich immer viel Spaß, vor allem auf einer WM-Strecke. Das ist schon cool und auch das Ergebnis ist für mich super.

Für Botn waren die Sprint-Ergebnisse eine angenehme Bestätigung der Arbeit seines Teams. Am wichtigsten war für ihn jedoch die Trainingsqualität in Estland.

„Es war ein fantastischer Trainingsort mit einer sehr langen Runde, einem schönen Schießstand und gutem Service. Wir konnten in Otepää gut trainieren und den Grundstein für die kommende Saison legen, nicht nur für die Weltmeisterschaften. Darüber hinaus konnten wir viele Wiederholungen am Schießstand absolvieren. Die letzten 300 m vor den Scheiben sind ziemlich leicht. Es ist eine lange Gerade, die leicht bergab geht, aber hier darf man nicht zu viel Zeit verlieren.

Der lange, flache Abschnitt vor dem Schießstand ist eine Besonderheit von Otepää, wo unmittelbar neben einem Fußballstadion geschossen wird. Dabei bietet der Austragungsort im Sommer interessante Möglichkeiten für andere sportliche Wettkämpfe und Teambuilding.

Leider konnte ich nicht mit Fußball spielen, weil meine Beine aus Pappe sind und ich kein Verletzungsrisiko eingehen wollte. Daher bin ich lieber an der Seitenlinie geblieben“, schmunzelte Botn. Trotzdem wusste der Norweger die Gastfreundschaft der Esten sehr zu schätzen: „Sie hatten eine gute Zeit auf dem Platz. Es macht immer Spaß, Zeit mit den Esten zu verbringen.“

Kehva konnte auch nicht am Spiel teilnehmen, was er ebenfalls bedauerte:

Als ich die anderen kicken sah, hatte ich richtig FOMO. Die Norweger waren unglaublich freundlich. Sie haben uns wie gute alte Freunde behandelt, das ist wirklich toll. Wir hatten eine wunderbare Zeit zusammen und ich habe gespürt, dass es ihnen genauso ging.“

Beim nächsten Abstecher nach Otepää ist der Fußballplatz hoffentlich unter einer dicken weißen Schneeschicht begraben. Und die Gastfreundschaft der Esten wird mit Sicherheit auch im Winter für eine warmherzige Atmosphäre sorgen.

Photos: Biathlon Otepaa - Reiko Kolatsk - Martin Vesberg - Greta Kulvet - Rene Zahkna IG

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