Olympische Quoten, wachsender Druck

Da bei den Olympischen Winterspielen Milano–Cortina 2026 in den Einzelbewerben in der historischen Biathlon-Kathedrale von Antholz–Anterselva nur 92 Athletinnen und Athleten startberechtigt sind, steigt für viele der Druck, sich einen Startplatz zu sichern.

Zwanzig nationale Verbände haben sich über den Nations Cup 2024/2025 jeweils vier Startplätze pro Einzelbewerb gesichert und sind zudem startberechtigt für die Staffelbewerbe. Die drei besten Nationen des Nations Cups dürfen sechs Athletinnen bzw. Athleten melden, die Nationen auf den Plätzen 4 bis 10 fünf und die Verbände auf den Rängen 11 bis 20 vier, was unterschiedliche Möglichkeiten bei der Zusammenstellung der Aufstellungen erlaubt. Zusätzlich können sich jeweils zwölf Frauen und zwölf Männer aus Verbänden außerhalb der Top 20 über die IBU-Qualifikationspunkte der Saison 2025/2026 qualifizieren, wobei maximal zwei Wildcards pro Verband vergeben werden.

Der Kampf um die Olympiatickets ist vor allem in den drei stärksten Frauen- und Männerteams in vollem Gange.

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Ruhe bei den französischen Frauen

Trotz aller Unruhe rund um die französischen Frauen scheinen die sechs Olympiatickets fest vergeben, da Paula Botets Chancen nach ihren durchwachsenen Leistungen in Annecy-Le Grand Bornand geschwunden sind. Lou Jeanmonnot, Justine Braisaz-Bouchet, Julia Simon, Camille Bened, Océane Michelon und Jeanne Richard dürften ihr Ticket nach Italien sicher haben.

Anna Magnusson, Hanna und Elvira Oeberg sowie Ella Halvarsson lagen vor der Rückkehr des Weltcups nach Oberhof allesamt unter den Top 15 der Gesamtwertung und haben ihre Olympia-Tickets bereits sicher. Schweden entschied sich, nur fünf Athletinnen nach Italien mitzunehmen (die Option, eine sechste Athletin nachzunominieren, bleibt jedoch bestehen). Anna-Karin Heijdenberg nutzte den Dezember im IBU Cup, um ihr Selbstvertrauen wieder aufzubauen, kehrte in den Weltcup zurück und belegte im Sprint von Oberhof den zehnten Platz. Ihre Olympia-Chancen erscheinen vor der finalen Deadline am 15. Januar 2025 sehr aussichtsreich.

Deutschland hatte mit einigen Herausforderungen zu kämpfen: Eine Handverletzung, COVID-19 und die Grippe beeinträchtigten Franziska Preuß im ersten Trimester erheblich. Dennoch zeigte sie in Frankreich eine starke Woche und präsentierte sich im Sprint von Oberhof nahe an ihrer Bestform. Vanessa Voigt und die überraschend überzeugende Anna Weidel agierten konstant genug, um als sichere Kandidatinnen für die Olympia-Nominierung zu gelten. Rückkehrerin Janina Hettich-Walz sowie die noch junge Julia Tannheimer überzeugten vor allem läuferisch – Tannheimer zählt zu den schnellsten Athletinnen im Weltcup – und bestätigten ihre Startplätze für Milano–Cortina 2026 mit Rang sechs (Hettich-Walz) und Platz 17 (Tannheimer) im Sprint von Oberhof. Auch Deutschland entschied sich, mit fünf Athletinnen nach Italien zu reisen, behält sich jedoch die Option vor, eine sechste Athletin zu nominieren.

Norwegen, mit fünf Registrierungsplätzen, scheint plötzlich auf eine herausragende Athletin in Maren Kirkeeide, die konstant starke Karoline Offigstad Knotten und die etwas fragile Ingrid Landmark Tandrevold reduziert zu sein. Tandrevold liegt aktuell nur auf dem 36. Platz der Weltcup-Gesamtwertung, fünf Plätze hinter Marthe Krakstad Johansen. Marit Øygard zeigte gerade genug, um optimistisch auf ihre Chancen zu blicken, während Åsne Skrede nur noch Außenseiterchancen hat.

Italien, Österreich und Tschechien werden sich gut überlegen, wen sie als fünfte Athletin mitnehmen, da sich alle drei Nationen leise Hoffnungen auf eine Staffelmedaille machen dürfen.

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Nicht viele freie Plätze bei den Männern

Der unerwartete und tragische Tod von Sivert Guttorm Bakken erschütterte die gesamte Biathlon-Familie bis ins Mark, doch kein Team war stärker betroffen als die norwegische Männermannschaft, in der der Konkurrenzkampf zugleich der härteste und dennoch außergewöhnlich fair ist. Bakken war auf bestem Weg, nach Milano–Cortina zu reisen, und hätte sich im Einzel sogar realistische Medaillenchancen ausrechnen dürfen.

Unterdessen scheinen der Gesamtweltcup-Führende Johan Olav Botn, Vetle Sjaastad Christiansen, Sturla Holm Laegreid und der zunehmend konstante Johannes Dale-Skjevdal für die Wettbewerbe in Antholz–Anterselva gesetzt zu sein. Martin Uldal begann die Saison so stark, dass er als ernsthafter Anwärter auf den Gesamtweltcup galt, doch ein Virus raubte ihm anschließend die Kräfte: Er konnte den Verfolgungswettkampf in Hochfilzen nicht beenden und verpasste die gesamte Woche in Annecy. In Oberhof fand er jedoch zurück zu seiner Form. Auch Isak Frey hatte mit einem kurzen Virus und der harten Realität des Weltcups zu kämpfen – sein Lauftempo reicht derzeit noch nicht aus, um die Besten ernsthaft herauszufordern. Dennoch könnte es gerade genug sein, um ihm ein Ticket nach Italien zu sichern.

Der Aufstieg von Valentin Lejeune hat zusätzliche Dynamik in das französische Team gebracht, in dem Éric Perrot, Quentin Fillon Maillet, Émilien Jacquelin und Fabien Claude ihre olympische Teilnahme nie infrage gestellt sahen. Lejeune und Oscar Lombardot, die beide in der Saison im IBU Cup begonnen haben, sowie Émilien Claude (der in dieser Woche im IBU Cup startet) kämpfen um die verbleibenden zwei Plätze.

Sebastian Samuelsson, Martin Ponsiluoma und Jesper Nelin sind feste Größen im schwedischen Team, zudem ist auch Viktor Brandts Olympia-Teilnahme bestätigt. Da Schweden beschlossen hat, nur fünf Männer nach Italien mitzunehmen, sehen die Chancen von Mattias Stefansson gut aus – er ist jederzeit in der Lage, starke Staffelläufe zu zeigen.

Für Deutschland stehen Philipp Nawrath (Zweiter im Sprint von Oberhof), Justus Strelow und Philipp Horn – frisch von seinem ersten Weltcup-Podium im Sprint von Hochfilzen – vor der Reise nach Italien. David Zobel und Lucas Fratzscher nutzten den Sprint in Oberhof gut und verbesserten damit ihre Chancen, sich für die Staffelplätze zu empfehlen und Teil der olympischen Mission in Italien zu werden.

Foto: P. Danielsson, C. Heilwagen: IBU Photo Pool

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