Oberhof: Deutschlands Wintersport-Hochburg
Schon mal vom berühmten Oberhofer Nebel gehört? Dieses kleine Dorf in Thüringen liegt nicht nur oft im Nebel – das Wetter prägt jedes Rennen und sorgt seit Jahrzehnten immer wieder für Dramen bei Biathlon-Weltcups, Langlauf-Rennen und Bobsport-Bravourstücken. Hier werden Helden geboren, Fans feuern furios an und Jahr um Jahr wird neue Wintersportgeschichte geschrieben.
Europas ruhmreiche Wettkampfstätte im Wald
Tief im Thüringer Wald liegt die Arena am Rennsteig, eine der stimmungsvollsten und traditionsreichsten Austragungsstätten im Biathlon. Das Stadion mit Strecken zwischen 774 und 839 Metern über Normalnull bietet Platz für bis zu 20.500 Zuschauer – 13.500 in der Arena und weitere 7.000 entlang der Strecke – und ist ein legendärer Hexenkessel mit begeisterten und absolut wetterfesten Fans.
Ihren Anfang nimmt die Geschichte der Biathlon-Anlage in den frühen 1980ern. Nach dem Olympiasieg des DDR-Biathleten Frank Ullrich in Lake Placid entsteht die Idee, am Grenzadler ein Biathlon-Stadion zu bauen. Schon 1982 sind die ersten Teile der Anlage fertiggestellt, darunter eine Neuheit in der Biathlongeschichte: eine feste Blendenanlage, die den Sport revolutionierte. Schon 1983 wurden die ersten großen Rennen hier ausgetragen.
Vor den ersten Weltmeisterschaften 2004 wurde die Anlage umfassend modernisiert und zu einer riesigen Biathlon-Arena ausgebaut, von deren 105 Meter langer Haupttribüne die Zuschauer freien Blick auf den Schießstand hatten. Die größte Veränderung erlebte die Arena von 2020 bis 2022 mit den Umbauten vor den Weltmeisterschaften 2023. Trotz pandemiebedingten Herausforderungen wurde der gesamte Komplex umgestaltet und ist nun rund ums Jahr ein nachhaltiges Zentrum für erstklassigen Wintersport.
Immer dabei ist Schneemann Flocke, das Maskottchen von Oberhof. Flocke ist in Oberhof allgegenwärtige und ist bei Weltcup-Rennen im Biathlon-Dress mit von der Partie, unterhält und begeistert die Fans und verkörpert den großen Oberhofer Sportsgeist.
Kulisse für Champions: Oberhof auf der Weltbühne
Seit 1984 werden hier Biathlon-Weltcuprennen ausgetragen inzwischen schon über 30, darunter zwei Weltmeisterschaften. Im Januar 2026 steht der 34. Weltcup in Oberhof auf dem Programm. Die ersten Weltmeisterschaften 2004 verzeichneten 206.000 Zuschauer und sorgten bei heimischen Fans für bleibende Erinnerungen. Die deutschen Legenden Sven Fischer, Ricco Groß, Frank Luck und Michael Greis holten Gold mit der Männerstaffel, Groß gewann außerdem Einzelgold in der Verfolgung.
Im Laufe der Jahre hat sich Oberhof immer mehr zum Biathlon-Mekka entwickelt. Der berüchtigte Nebel und die oft kniffligen Bedingungen sorgten allerdings immer wieder für Schwierigkeiten, und in 2016 musste der Weltcup wegen milder Temperaturen gar abgesagt werden. Bei den Weltmeisterschaften 2023 erlebten 160.000 Fans neue Highlights, als der norwegische Star Johannes Thingnes Bö in jedem Rennen, bei dem er antrat, eine Medaille gewann und Denise Herrmann-Wick vor heimischem Publikum Weltmeisterin im Sprint wurde.
Schaut man in die Statistik, dominiert die Heimmannschaft hier traditionell die Staffeln und holte im Laufe der Jahre bei 32 der 52 Wettkämpfe eine Medaille. Bei den Einzelrennen führen Ole Einar Bjørndalen und Magdalena Forsberg die ewige Wertung an.
Oberhof hat auch eigene Talente hervorgebracht. Erik Lesser ist in Oberhof zwar nur einmal im Weltcup in einem Einzelrennen aufs Podest gekommen, im Massenstart 2017, ist dem Ort aber seit vielen Jahren eng verbunden. Arnd Peiffer schaffte es hier mehrfach aufs Treppchen und sagt über sein besonderes Verhältnis zu Oberhof:
„Ich habe zu Oberhof immer ein besonderes Verhältnis gehabt. Ich bin hier mit 12 Jahren zum ersten Mal ein Rennen gelaufen und hatte hier später mein Weltcup-Debüt in der Staffel. Die Erleichterung nach dem fehlerfreien Schießen und die Energie vom Publikum werde ich nie vergessen – dieser Ort hat mich als Athlet geprägt.“
Auch Vanessa Voigt und Philipp Horn haben hier im Weltcup beachtliche Ergebnisse erzielt und dürften dieses Jahr wieder antreten.
Die Arena ist bis 2030 fest als Weltcup-Austragungsort gesetzt, wechselt aber vom traditionellen Wochenende Anfang Januar ins dritte Trimester, um mehr Schneesicherheit zu haben.
Natur, Kultur und Wintersport
Oberhof liegt im Herzen des weitläufigen Thüringer Waldes, innerhalb eines 33.700 Hektar großen UNESCO-Biosphärenreservats, in dem über 2.500 Tierarten in tiefen Tälern, auf Bergrücken und in alten Fichtenwäldern leben. Oberhalb der Stadt verläuft der legendäre Rennsteig, Deutschlands ältester Fernwanderweg: eine 169 Kilometer lange Route, die seit Jahrhunderten Quell vieler Sagen und Mythen ist. Nur einen Katzensprung entfernt erhebt sich die Wartburg, ein 900 Jahre altes UNESCO-Weltkulturerbe, das die Geschichte der Region prägt.
Die Stadt selbst ist ein Paradies für Wintersportler. Mit der LOTTO Thüringen Eisarena verfügt Oberhof über eine erstklassige Bobbahn, die für Bobsport und Skeleton als Trainingsanlage dient. Dazu kommt die Skisport-Halle mit 1,7 km Streckenlänge für ganzjähriges Biathlon- und Langlauftraining, außerdem Skischanzen für die nächste Generation Topsportler aus Thüringen. Oberhof ist weit mehr als ein Weltcup-Austragungsort – es ist eine Hochburg des deutschen Wintersports.
Fotos: Manzoni/IBU