Neue Saison beginnt mit Neuausrichtung in Norwegen, Polen und Schweden

Kaum ist der Olympiazyklus abgeschlossen, schon nimmt die neue Trainingssaison Fahrt auf. Norwegen, Polen und Schweden sprechen über ihre Neuausrichtung und neue Prioritäten für die Jahre bis zu den Winterspielen 2030 in den Französischen Alpen.

Weniger Höhentraining

In den letzten vier Jahren ging es mit Blick auf Mailand/Cortina und Lenzerheide vor allem um Höhentraining. Dieser Aspekt tritt nun mehr in den Hintergrund, so der norwegische Trainer Patrick Oberegger: „Wir werden das ein- oder zweimal im Jahr machen, es fällt nicht komplett weg, hat aber auch keine Priorität.“

Als neuer Trainer der herausragenden norwegischen Männermannschaft will Oberegger vor, an bisherige Erfolge anknüpfen.

Oslo 2029

Die neue Aufgabe, die Oberegger zusammen mit Disziplintrainer Anders Overby in dieser Saison angeht, sieht er als „neue Herausforderung. Wir wissen, dass man jedes Jahr Großes von uns erwartet, aber das ist in Ordnung. Ich kenne die Jungs seit einigen Jahren aus dem Weltcup und Anders bringt neue Ideen und frischen Wind rein. Wir haben eine gute Vision und einen Plan mit den Weltmeisterschaften 2029 in Oslo als Fernziel.

Die nächste Generation vorbereiten

Mit den Routiniers Sturla Holm Lägreid, Johannes Dale-Skjevdal und Vetle Sjaastad Christiansen trainieren die Youngsters Johan-Olav Smoerdal Botn, Martin Uldal und Isak Leknes Frey sowie das Megatalent Einar Hedegart. „Sie (die nächste Generation) vorzubereiten ist ein großer Teil unseres Plans. Wir brauchen eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Athleten. Die jüngeren Athleten trainieren immer mit den anderen und manchmal werden wir auch den B-Kader dazuholen.“

Oberegger freut sich darauf, mit diesen talentierten Top-Sportlern zusammenzuarbeiten. „Mich motiviert die neue Aufgabe. Die Stimmung im Team ist sehr gut. Ich fühle mich, als hätte ich aufgetankt!“

Jung, dynamisch, Polen

Anders als Oberegger startet Uros Velepec in Polen mit einem sehr jungen, unerfahrenen Team in die nächsten vier Jahre, für die Podestplätze noch weit weg sind. In Mailand/Cortina gingen Konrad Badacz, Marcin Zawol, Jan Gunka und Grzegorz Galica mit 23, 23, 24 und 19 Jahre für Polen ins Rennen. Velepec erklärt: „Bei den nächsten Winterspielen werden wir vermutlich die zweitjüngste Mannschaft haben. Nicht leicht, aber wir haben auch tolle Talente in der Mannschaft. In den nächsten zwei Saisons wird es vor allem um Entwicklung gehen. Wir werden versuchen, eine gute Grundlage zu legen und dann Resultate einzufahren. Badacz und Gunka können das angehen, die anderen bleiben im Entwicklungsmodus.“

Nachdem er die Mannschaft ein knappes Jahr vor Mailand/Cortina hatte, räumt Velepec ein: „Wir haben das Gegenteil von dem gemacht, was es braucht, um gut zu sein; Intensität und Volumen hochgeschraubt, an Technik und schnellem Schießen gearbeitet. Aber das war wichtig für spätere Erfolge.“

Entwicklung hat Priorität

„Diese Athleten einschließlich (dem Silbermedaillengewinner bei der Junioren-WM 2026) Galica in den nächsten Jahren zu entwickeln ist wichtig. Wir machen das Schritt für Schritt. Die Athleten arbeiten zuhause in ihrem eigenen Tempo und in den Trainingslagern geht es um spezielle Themen. Die Entwicklung zählt. Sie haben alle noch ein Stück Arbeit vor sich, bevor sie stabil im Weltcup laufen können.“

Es braucht Geduld

Der erfahrene slowenische Trainer vergleicht die Mannschaft mit seinen Anfängen in Slowenien. Ich habe angefangen, mit Jakov Fak, Klemen Bauer und Peter Dokl zu arbeiten, als sie noch sehr jung waren, und die Geschichte ist gut ausgegangen. So funktioniert das. Das ist die Arbeit, die ich liebe. Es braucht vor allem Geduld. In drei Jahren wollen wir mehr vorzuweisen haben als jetzt.“

Schwedens Rekordsaison

In Schweden kommt Johannes Lukas vom anderen Ende der Erfolgsskala. Zu seiner etablierten Mannschaft gehören Olympiasieger Martin Ponsiluoma, die Bronze-Staffel mit Sebastian Samuelsson, Jesper Nelin und Viktor Brandt sowie seine Nationencup-Siegerinnen Elvira und Hanna Öberg, Anna Magnusson und Linn Gestblom. Dieses dynamische Team erkämpfte in nur einer Saison 37 Podestplätze, davon drei bei den Winterspielen. „Wir sind enorm stolz darauf. Die Winterspiele sind immer eine Riesensache. Jeder will eine Medaille gewinnen, aber wenn man erst mal da ist, ist es gar nicht so einfach. Anfangs wollte es noch nicht klappen, aber wir haben zusammengehalten und sind ruhig geblieben. Dann gab es Gold, was der Wahnsinn ist, aber die zwei Team-Medaillen sind immer etwas Besonderes, weil man sie zusammen gewinnt. Ich bin sehr stolz, dass wir dem Druck standgehalten haben.“

„Wissen, wo wir in vier Jahren sein wollen“

Mit Blick auf die nächsten vier Jahre: „Wir wollen beim Höhentraining etwas den Fuß vom Gas nehmen, wo man das macht und wie viele Tage. Man muss das clever angehen und aus den Erfahrungen der letzten vier Jahre lernen. Wir werden nach Font Romeu zurückkehren, nicht nur wegen der Höhe. Man kann dort hervorragend trainieren, und gerade wir Schweden brauchen Berge zum Trainieren. Höhentraining braucht es sicher immer noch, aber vielleicht nicht drei Trainingslager auf der Höhe.“

„Mit unserer neuen Trainingsstruktur und mehr Trainingszeit zuhause gehen wir es entspannt an und planen noch nicht vier Jahre durch. Wir sind ziemlich zuversichtlich. Ein Großteil der Mannschaft ist wieder da, wir haben auf sie gehört und das Reisepensum zurückgefahren. Nach der Saison werden wir das bewerten und schauen, wo die Stärken des neuen Plans liegen. Wir wissen, wo wir in vier Jahren sein wollen, werden das aber nach der nächsten Saison noch mal beleuchten und dann weitersehen.“

Teamgeist ist das Wichtigste

Mit Blick auf die letzten vier Jahre sagt Lukas: „Wir haben vieles richtig gemacht: die Auswahl der Athletinnen und Athleten, junge Talente früh dazunehmen und Trainingspläne für die erfahreneren Athletinnen und Athleten auch mal anpassen. Das Wichtigste ist der Teamgeist. Antholz hat gezeigt, dass der Zusammenhalt im Team am Ende den Unterschied machen kann. Wir waren davon überzeugt, ich bin das immer noch und wir werden mit diesem Team-Fokus auch weiterarbeiten.“

Unterschiedliche Pläne, unterschiedliche Ansätze und Ziele für Norwegen, Polen und Schweden. Eine neue Saison bahnt sich an, mit den Französischen Alpen 2030 am Horizont.

Fotos: IBU/ Manzoni, Wizor, Nordic Focus

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