Wie die Mutter, so die Tochter: Estere Volfa qualifiziert sich 32 Jahre nach ihrer Mutter für die Olympischen Winterspiele

Estere Volfa und ihre Mutter Ieva Cederštrēma-Volfa verbindet mehr als nur die Liebe zum Biathlon – beide haben es geschafft, für ihr Heimatland Lettland bei den Olympischen Winterspielen anzutreten. Eine Geschichte über eine besondere Mutter-Tochter-Beziehung und den olympischen Traum.

Ieva Cederštrēma-Volfa schrieb bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer Geschichte. Sie war die erste Biathletin, die für Lettland bei den Olympischen Spielen antrat: „Es war ein ganz besonderes Gefühl, bei den Olympischen Spielen anzutreten. Ich werde das nie vergessen“, sagt die 56-Jährige. Jetzt tritt ihre Tochter in ihre Fußstapfen.

Obwohl Volfa ihre Mutter nie als Biathletin gesehen hat, war sie der Grund, warum sie mit dem Biathlon angefangen hat: „Ich finde es ganz normal, dass Kinder denselben Sport ausüben wie ihre Eltern. Ich habe schon immer gerne Langlauf gemacht, aber als ich zum ersten Mal geschossen habe, hatte ich Angst. Das änderte sich, als mir klar wurde, wie viel mir der Sport bedeutet.“ Volfa nahm im Alter von 16 Jahren als Langläuferin an den Olympischen Spielen 2022 in Peking teil. Vier Jahre später wird sie im Biathlon antreten.

Kulturschock und neue Trainingsphilosophien

Cederštrēma-Volfa erzählte ihrer Tochter viel über ihre olympischen Momente: „Als ich 1998 zum zweiten Mal in Nagano antrat, erlebte ich einen echten Kulturschock. Japan war damals bereits ein hochtechnologisches Land, und wir hatten Navigationssysteme in unseren Autos. Das war mir völlig fremd. Wir konnten unsere Waffen mithilfe eines Gesichtserkennungssystems aus dem Stadion holen. Das war alles sehr aufregend“, sagt Cederštrēma-Volfa. Damals erhielt sie vom lettischen Biathlonverband für ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen ein Mobiltelefon als Geschenk.

Die technischen Aspekte sind für Volfa nichts Neues mehr. Allerdings unterscheidet sich das Biathlontraining heute erheblich von dem ihrer Mutter: „Heute steckt eine ganz andere Trainingsphilosophie dahinter. Biathlon ist viel schneller geworden, sowohl beim Skifahren als auch beim Schießen. Meine Mutter legte damals viel häufiger lange Strecken zurück.“ Außerdem trainierte sie nicht im Fitnessstudio und hatte viel weniger Zeit für die Regeneration, da sie ihrer Familie auf dem Bauernhof helfen musste und nach dem Training Gemüse anpflanzte, so Cederštrēma-Volfa. Dennoch hat Volfa viel von ihrer Mutter gelernt. Seit ihrem Eintritt in die lettische Nationalmannschaft ist sie zwar nicht mehr ihre Trainerin, aber sie hilft ihr immer noch, insbesondere bei mentalen Herausforderungen: „Als Sportlerin bin ich selten zu Hause, aber wir telefonieren viel“, sagt die 20-Jährige.

Gemeinsam geht die Reise weiter

Volfa hat für Antholz kein bestimmtes Ergebnis im Sinn. Sie möchte die Rennen genießen und Erfahrungen sammeln. Besonders freut sie sich auf die Staffel: „Ich möchte immer mein Bestes geben. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen ist für mich ein großer Erfolg. Ich bin zwar noch Juniorin, habe aber bereits an mehreren Weltcup-Rennen teilgenommen.“ Ihre Mutter wird sie nach Italien begleiten und sie im Stadion anfeuern: „Ich bin sehr stolz auf sie und freue mich, dass sie das tut, was sie glücklich macht. Dass wir beide diesen Weg gegangen sind, ist für unsere ganze Familie etwas ganz Besonderes. Ich habe sie von Anfang an begleitet und freue mich auf alles, was in ihrer Karriere noch vor ihr liegt.“ Vielleicht kann Volfa das beste Olympia-Ergebnis ihrer Mutter, den 25. Platz im Einzelwettbewerb in Nagano, sogar noch übertreffen.

Fotos: IBU I Koksarov

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