Montag mit... Suvi Minkkinen

Es hat zehn Jahre gedauert, bis Suvi Minkkinen im Biathlon erfolgreich wurde, aber seit zwei Saisons läuft die Finnin immer mit ums Podest und ist das leuchtende Beispiel für großes Durchhaltevermögen.

Vor der Saison 2024/25 war Suvi Minkkinens einziger Ausflug aufs Treppchen im IBU Cup oder im Weltcup ein dritter Platz in der Single-Mixed-Staffel von Oslo 2024. Davon abgesehen konnte sie von Podestplätzen nur träumen. Im Winter 2024/25, nach einem Sommer auf der Höhe, wendete sich das Blatt nach einem dritten Platz im Sprint vor heimischem Publikum in Kontiolahti. Seitdem hat sie mit brillanten Schießeinlagen und großer Laufstärke IBU-WM-Medaillen und olympisches Edelmetall gewonnen, zehnmal in Einzelrennen auf dem Podest gestanden und sich einen fünften Platz in der Weltcup-Gesamtwertung erkämpft.

Zum Ende des Sommertrainings sprachen wir mit Minkkinen über ihre Montagsroutine, Ängste und ihren Trainingsansatz.

Biathlonworld: Wann stehst du montags auf und was machst du als Erstes nach dem Aufwachen?

Suvi Minkkinen: Seit einigen Jahren bin ich eine Frühaufsteherin. Das war früher nicht so, aber inzwischen stehe ich um halb sieben oder sieben Uhr auf. Als erstes mache ich Kaffee mit ein bisschen Milch!

BW: Was ist die erste App, die du auf deinem Handy aufmachst?

SM: Das ist immer noch Instagram. Ich hätte gerne etwas anderes geantwortet, aber ich kann mir das einfach nicht abgewöhnen.

BW: Was machst du morgens, um dich auf den Tag vorzubereiten? Dehnübungen, Yoga, Joggen?

SM: Wenn der Tag mit Schießen beginnt, dann mache ich vorher ein paar Dehnübungen. Vielleicht, weil ich langsam älter werde und nicht mehr so geschmeidig in den Anschlag komme.

BW: Siehst du dich als Perfektionistin, wenn es ums Training geht?

SM: Ein bisschen schon, ja. Ich glaube, ich habe hohe Erwartungen an mich selbst. Ich versuche einfach, mich zu konzentrieren und das Beste herauszuholen, was an diesem Tag möglich ist. Wenn das klappt, bin ich nach dem Training zufrieden. Mich ärgert es, wenn ich nicht bei der Sache bin, dann bin ich schnell frustriert. Aber ich versuche auch, nachsichtig mit mir zu sein, weil ich weiß, dass nicht jedes Training perfekt laufen kann.

BW: Bist du furchtlos? Und wenn nicht, wovor hast du Angst?

SM: Manchmal denke ich zu viel nach und spiele alle möglichen Szenarien in meinem Kopf durch. Vor ein paar Tagen haben wir zum Beispiel eine lange Wanderung unternommen. Oben auf dem Berg war der Weg anspruchsvoll mit vielen losen Steinen. Ich hatte ständig Kopfkino davon, was passiert, wenn ich falsch auftrete und dann den Abhang runterrutsche. Das sind die Dinge, vor denen ich Angst habe, und ich bin sehr gut darin, mir auszumalen, was alles schiefgehen könnte!

BW: Was machst du abends, um dich zu entspannen?

SM: Manchmal lese ich, manchmal schaue ich Fernsehen oder Netflix. Gerade schaue ich zum zweiten Mal The Blacklist! Während der Trainingssaison sind meine Tage meist so lang, dass nach dem Duschen und Abendessen gar nicht mehr viel Freizeit bleibt.

BW: Hast du ein Motto oder einen guten Rat, an dem du dich orientiert?

SM: Ich versuche, mich immer wieder zu verbessern. Was die langfristigen Pläne wie Saisonziele angeht, versuche ich, mich im Vergleich zur Vorsaison zu verbessern, und im Alltag versuche ich, bei einzelnen Details immer wieder ein bisschen besser zu werden. Natürlich kann man sich nicht jeden Tag in jedem Bereich verbessern, aber eine Kleinigkeit kann man immer besser machen. Das versuche ich zu schaffen.

BW: Was ist das Härteste am Leben als Profi-Biathletin?

SM: Ich glaube, seine Grenzen zu kennen und gute Entscheidungen zu treffen. Dieser Moment, in dem man aufhören möchte, aber noch mehr aus sich herausholen muss. Wie viele andere Profi-Sportlerinnen sind wir mental enorm stark, also geht es nicht darum, wie viel wir uns abverlangen können. Wir verlangen uns eine ganze Menge ab. Es geht darum zu erkennen, wann man eine Pause machen sollte. Da ist es oft gut, wenn man jemanden wie meinen persönlichen Trainer hat. Den kann ich dann fragen: ‚Sollte ich jetzt so kaputt sein?‘ Wenn er sagt: ‚Ja, absolut‘, dann weiß ich, dass alles in Ordnung ist. Wenn er nein sagt, müssen wir schauen, ob irgendetwas nicht stimmt. Wir diskutieren für über das passende Trainingsvolumen!

BW: Welche Lektion hast du in diesem Jahr bei den Winterspielen gelernt?

SM: Ich wusste, dass ich das perfekte Rennen liefern kann und immer noch Mädels vor mir sein würden. Nach dem Sprint, als ich mit zehn Treffern Sechste geworden war, da hat das Lauftempo am Ende der letzten Runde etwas nachgelassen, aber das war immer noch ein tolles Rennen für mich, aber eben nicht genug für eine Medaille. Das hat mir noch mal gezeigt, dass man selbst an den besten Tagen gegen Spitzensportlerinnen antritt, und dass sie auch ein Faktor sind. Also muss man einfach sein Bestes geben und abwarten, wofür das am Ende reicht. Das ist mir noch mal klar geworden, und dass es am Ende nur um die Medaillen geht. Die Öffentlichkeit interessiert nur, ob man eine Medaille gewinnt oder nicht. Aber ich versuche damit so umzugehen, dass ich mit einem guten Rennen zufrieden sein kann.

BW: Was ist die größte Herausforderung, die du als Athletin gemeistert hast?

SM: In der Saison 2021/22 hatte ich einen guten Trainingssommer und habe dann Corona bekommen. Ich habe mich die ganze Saison lang sehr schwergetan, obwohl ich große Erwartungen für die Winterspiele hatte. Keine Medaillen, aber vielleicht gute Platzierungen. Das hat mir gezeigt, dass man eine tolle Trainingssaison haben kann, gute Entscheidungen treffen kann und dann aber immer noch das Quäntchen Glück braucht, um gesund zu bleiben. Das ist hart, wenn man Profi-Sportlerin ist: Man hat es nicht immer selbst in der Hand.

BW: Was ist beim Essen deine größte Schwäche, ohne was kannst du absolut nicht überleben?

SM: Definitiv Süßigkeiten, aber da kann ich mich gar nicht entscheiden. Ich denke, Schokolade.

BW: Du verbringst viel Zeit im Höhentraining. Was ist den Lieblingsort und warum?

SM: Bessans, da bin ich jetzt gerade und auch schon seit Anfang Juli. Es ist ein kleiner Ort und das Leben ist einfach hier. Es gibt tolle Skiroller-Anstiege, man kann wandern, Rennrad fahren, laufen und auf den Skiroller-Strecken auch Biathlon-Einheiten absolvieren. Ich mag, dass es hier so einfach zugeht, das ist so ein finnisches Ding.

Ein weiterer Sommer auf der Höhe liegt hinter ihr. Suvi ist bereit für neue große Momente in der nächsten Saison.

Fotos: IBU/ Danielsson, Wizor, Nordic Focus

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