Montag mit... Julia Tannheimer
Julia Tannheimer ist Teil einer neuen Generation talentierter Biathletinnen, die in den Jahren bis zu den Alpen-Spielen 2030 zu Stars heranwachsen sollen. Am nächsten Wochenende beginnt für sie die neue Saison beim Loop One Festival in München.
Mit gerade einmal 21 Jahren startet Tannheimer in wenigen Wochen in ihre dritte volle Weltcup-Saison. Auch wenn sie von einem ersten Einzel-Podestplatz im Weltcup noch träumen muss, hat die junge Deutsche mit einer Goldmedaille von Olympischen Jugend-Winterspielen, vier Goldmedaillen von IBU Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften, einem Sieg im IBU Cup und einem Staffelsieg im Weltcup 2024 in Hochfilzen eine beachtliche Bilanz vorzuweisen. In der letzten Saison qualifizierte sie sich für ihre ersten Winterspiele, ging als Startläuferin für die deutsche Staffel ins Rennen und übergab auf Rang zwei mit nur 5 Sekunden Rückstand hinter Schweden.
Gestern sprachen wir nach einem kühlen Trainingsmorgen in Ramsau mit Tannheimer über ihre Montagsroutine, ein ungewöhnliches Talent und den Spaß am Sport.
Biathlonworld: Wann stehst du montags auf und was machst du als Erstes nach dem Aufwachen?
Julia Tannheimer: Montags stehe ich normalerweise um 7 Uhr auf, nehme meine Nachtlinsen raus, damit ich sehen kann, und dann gibt es Frühstück. BW: Was ist die erste App, die du auf deinem Handy aufmachst?
JT: Die Oura-App, um meine Daten aus der Nacht zu überprüfen.
BW: Wie sieht ein perfektes Frühstück für dich aus?
JT: Ich glaube, ein perfektes Frühstück ist eins, was kein Haferbrei ist, weil ich den vor jedem Training esse. Ich mag Brot mit Ei und Avocado. Das ist ein gutes Frühstück.
BW: Kaffee oder Tee?
JT: Tee. Alle möglichen Sorten, da mag ich Abwechslung.
BW: Gehören Joggen oder mentale Vorbereitung zu deiner Morgenroutine?
JT: Nein, ich versuche, so lange wie möglich zu schlafen. Wenn ich zuhause bin, ist es morgens hektisch, weil ich nur etwa 45 Minuten Zeit habe, um mich fertigzumachen. Ich würde lieber schlafen.
BW: Ist dein Rucksack morgens schon gepackt?
JT: Vor Intervallen packe ich ihn am Vorabend, aber an normalen Tagen packe ich morgens.
BW: Siehst du dich als Perfektionistin, wenn es ums Training geht?
JT: Ja, man muss ein Stück weit Perfektionistin sein, um auf dem Niveau antreten zu können. Wenn ich trainiere, versuche ich, alles zu geben. Ich hasse Einheiten, bei denen ich nicht ganz fit bin und nicht so viel geht, wie ich will. Ich versuche immer, das bestmögliche aus den Einheiten herauszuholen.
BW: Was denkst du, wenn du im Training die berühmte letzte Scheibe stehenlässt?
JT: Ich hasse das! Dann denke ich: „Wenn du das nicht mal im Training schaffst, wie soll das dann in einem Rennen gehen?“ Ich versuche, im Training gute Leistungen zu bringen, damit ich mich bei den Rennen sicher fühle.
BW: Bist du furchtlos?
JT: Nein, ich habe vor vielen Sachen Angst. Spinnen, Hunde, überwiegend Tiere!
BW: Was machst du abends, um dich zu entspannen?
JT: Nicht so viel, ich bin eine echte Sofakartoffel. Abends lese ich gern oder trinke eine Tasse Tee. Bei schlechtem Wetter kann ich an einem freien Tag den ganzen Tag im Bett bleiben, ohne mich schlecht zu fühlen, weil ich nicht draußen war. Bei gutem Wetter gehe ich raus. Ich bleibe wirklich nicht im Bett... ich wechsle mal aufs Sofa ... oder gehe mal in die Küche und zurück.
BW: Hast du ein Motto oder einen guten Rat, an dem du dich orientiert?
JT: Das ist jetzt kein guter Rat, aber ich versuche immer, Freude an allem zu haben, was ich mache.
BW: Was ist das Härteste am Leben als Profi-Biathletin?
JT: Dass man immer Biathletin ist, nicht nur von morgens acht bis nachmittags um vier, sondern rund um die Uhr. Im Sommer muss ich nicht so viel auf meine Gesundheit achten. Aber wenn der Herbst kommt, versuche ich, nicht zu viele Freunde zu treffen, vor allem wenn ich weiß, dass sie viel unterwegs sind und feiern gehen. Das ist vermutlich das Härteste, zu versuchen, gesund zu bleiben und Freunde oder Familie nicht zu sehen. BW: Was ist beim Essen deine größte Schwäche, ohne was kannst du absolut nicht überleben?
JT: Vor dem Training ist es Haferbrei. Den kann ich essen, da weiß ich sicher, dass ich keine Magenprobleme bekomme. Ich habe einen empfindlichen Magen und kann keine Milch trinken. Ich muss also ein bisschen aufpassen, was ich esse.
BW: Was war das letzte, was du dir gekauft hast, was nichts mit Sport zu tun hatte?
JT: Bücher. Ich habe gestern vier neue Bücher bestellt.
BW: Was ist dein heimliches Talent, von dem nur wenige Menschen wissen?
JT: Ich habe ein lustiges heimliches Talent. Ich kann mit meinen kleinen Zehen wackeln. Ich habe sehr starke Zehen, deswegen kann ich damit Dinge aufheben. Ich glaube, ich könnte mit jedem einzelnen meiner Zehen eine Murmel aufheben (wie man das manchmal bei der Physiotherapie muss, um den Fuß zu stärken).
BW: Welchen Rat würdest du einer 12- oder 13-Jährigen geben, die gerade mit Biathlon anfängt?
JT: Sie sollten sich bewusst machen, wie schön der Sport ist. Man kann so viele verschiedene Dinge tun, um zu trainieren. Wenn man Schwimmerin ist, schwimmst man die meiste Zeit. Wenn man Biathletin ist, kann man so viele Sachen machen, die auch Spaß machen. Ich glaube, man muss diesen tollen Sport einfach genießen und Spaß daran haben.
Fotos: IBU/Nordnes, Nordic Focus/Manzoni