Montag mit... Campbell Wright
Campbell Wright ist mit seinen 24 Jahren fast schon ein Biathlon-Veteran, hat er doch schon zwei Olympische Winterspiele, fünf Jahre Weltcup und vier IBU Weltmeisterschaften bestritten und bereitet sich auf seine sechste Saison an der Spitze des Sports vor.
Der IBU-Junioren-Sprintweltmeister aus dem Jahr 2023 beendete die letzte Saison mit einem 13. Platz in der Weltcup-Gesamtwertung, eine persönliche Bestleistung, mit der er sein Potential erneut bestätigte, und belegte einen knappen zweiten Platz hinter dem Gesamtweltcup-Sieger Eric Perrot im Massenstart von Nove Mesto. Mit dieser Leistung erinnerte Wright seine Konkurrenz daran, dass seine zwei Silbermedaillen bei der IBU WM in Lenzerheide 2025 kein Zufall waren. Der gebürtige Neuseeländer ist ein Athlet, der bei jedem Start alles gibt, sich auf der Strecke verausgabt und aggressiv schießt, und das alles in dem Wissen, dass Biathlon einfach ein Sport ist, keine Quantenphysik.
Nach einem anspruchsvollen Trainingstag im österreichischen Seefeld erzählte ein unbekümmerter Wright von seiner Montagsroutine und warum er eher nicht „am Ruhetag auf der Couch abhängt“.
Biathlonworld: Wann stehst du montags auf und was machst du als Erstes nach dem Aufwachen?
Campbell Wright: Ich mache die Kaffeemaschine an und schaue mir auf YouTube Rennrad-Highlights an, je nachdem, in welcher Zeitzone ich bin. Es gibt immer etwas zu gucken.
BW: Was ist die erste App, die du auf deinem Handy aufmachst?
CW: YouTube, ich stehe echt auf die langen Videos!
BW: Wie sieht ein perfektes Frühstück für dich aus?
CW: Ich frühstücke nicht gerne, das ist einfach nicht so meins. Bei mir gibt es immer Haferbrei mit Ahornsirup und Joghurt. Zwei Stunden lang beim Frühstück zu sitzen, das ist nichts für mich.
BW: Kaffee, Tee oder...?
CW: Kaffee, es sei denn, der Kaffee ist schlecht. In den USA trinke ich keinen Kaffee. Wir hatten jetzt gerade zwei Wochen Trainingslager in den USA und ich bin auf Schwarztee umgestiegen. Meine Oma ist gebürtige Britin, die wäre sehr stolz auf mich!
BW: Gehören Dehnübungen, Yoga, Joggen oder mentale Vorbereitung zu deiner Morgenroutine?
CW: Nein, Dehnübungen mache ich nur, wenn Gerätetraining ansteht, also zweimal die Woche. Im Winter gehe jeden Morgen laufen und mache Dehnübungen, eigentlich sechsmal pro Woche. An Wettkampftagen bin ich 40 Minuten draußen, 20 zum Laufen und 20 zum Dehnen.
BW: Bist du ein Langschläfer? CW: Nein ich bin ein Frühaufsteher. Ich würde gerne länger schlafen können. Manchmal bin ich neidisch, wenn ich um halb sieben aufstehe und alle anderen noch schlafen. Das wäre echt mal nett, aber das liegt mir einfach nicht!
BW: Siehst du dich als Perfektionisten, wenn es ums Training geht?
CW: Nein, ich muss nicht an jedem Tag der Weltbeste in allem sein. Ich muss nur alle Jubeljahre mal der Beste sein!
BW: Bist du furchtlos?
CW: Nein.
BW: Was machst du abends, um dich zu entspannen?
CW: Ich trinke gern ein alkoholfreies Weißbier. Die sind großartig. Eins von denen, dann setze ich mich hin, spiele ein Computerspiel oder schaue einen Film; nichts Besonderes.
BW: Was ist das Härteste am Leben als Profi-Biathlet?
CW: Es ist nicht hart. Die Leute machen da eine riesige Sache draus. Was wir machen, ist ganz einfach. Aber gerade, weil es so einfach ist, manchen die Leute es manchmal unnötig kompliziert. Sie glauben, dass eigentlich mehr dazugehört, aber das tut es nicht. Das Schwierigste ist, nicht zu vergessen, dass es einfach ist. Es ist nicht hart, es ist nur manchmal frustrierend, wie einfach es eigentlich ist. Man sucht immer nach der ultimativen Lösung, aber die gibt es einfach nicht.
BW: Hast du ein Motto oder einen guten Rat, an dem du dich orientiert?
CW: Was mir beim Training oft durch den Kopf geht, ist „Harte Arbeit macht dich nicht zu etwas Besonderem.“ Harte Arbeit ist das absolute Minimum; 100 % sind in diesem Sport das absolute Minimum. Alle trainieren hart. Du bist nicht gleich etwas Besonderes, nur weil du ein hartes Training geschafft hast, das machen alle. Manchmal muss man sich das noch mal sagen, wenn man etwas geschafft hat, was hart und schwierig und extrem war, dass jeder andere, der an den Start geht, das auch kann!
BW: Welche Lektion hast du in diesem Jahr bei den Winterspielen gelernt?
CW: Ich glaube, ich habe da gar nichts Neues gelernt. Ich wusste, dass es schwierig ist, eine olympische Medaille zu gewinnen. Ich glaube, die Menschen in meinem Umfeld haben da gelernt, dass das schwierig ist. Viele Menschen machen sich vorher große Hoffnungen, aber eine Medaille zu gewinnen ist wirklich schwierig. Manchmal vergessen die Leute, dass nicht sie die Startnummer tragen.
BW: Was ist die größte Herausforderung, die du als Athlet gemeistert hast?
CW: Ich glaube, damit zurechtzukommen, dass ich nicht in Neuseeland lebe. Ich habe das schon kommen sehen, als ich noch sehr jung war und wusste, worauf ich mich einlasse. Manchmal, wenn ich Heimweh habe, muss ich mir das nochmal sagen, dass ich das so gewollt habe. Aber ich habe mich schon mit 16 damit abgefunden, als mir klar wurde, dass ich dann den Großteil meiner Zeit in Europa verbringen würde. Mir fehlen die Menschen und die Kultur. Wenn du in Neuseeland Golf spielen gehst und in Achselshirt und Shorts auftauchst, schaut dich niemand schief an, du kannst eine Menge Spaß haben und es kostet 5 Dollar. Wenn du in Österreich Golf spielen gehst, kostet es 100 Dollar, und wenn du nicht angemessen gekleidet bist, fragen sich die Leute ‚Was macht der denn hier?‘ Sowas ist manchmal einfach anstrengend.
BW: Was ist beim Essen deine größte Schwäche, ohne was kannst du absolut nicht überleben?
CW: Nutella, jeden Tag. Momentan bin ich bei zwei Gläsern pro Woche!
BW: Was würdest du Kindern mitgeben, die gerade erst mit Biathlon anfangen?
CW: Ich würde sagen: ‚Biathlon kann dir ein tolles Leben ermöglichen!‘ Biathlon hat für mich vieles möglich gemacht. Viele Kinder, mit denen ich in Kontakt komme, wissen gar nicht, was Biathlon ist. Ich erkläre ihnen, dass Biathlon eine große Sache ist und grenzenlose Chancen bietet.
BW: Was machst du im Sommer an freien Tagen?
CW: Das kommt darauf an, wo ich bin. In Neuseeland fahre ich gerne mit dem Boot raus, treffe meine Freunde, unternehme etwas mit meiner Freundin, spiele vielleicht eine Runde Golf. Ich bin niemand, der am Ruhetag auf der Couch abhängt. Ich muss irgendetwas unternehmen und ich weiß, ich kann nicht trainieren oder mich zu sehr anstrengen. Dann geht es darum, aus dem Haus zu kommen und die Sachen zu machen, die an Trainingstagen nicht gehen.
Mit Blick auf die neue Saison sollte jeder Campbell Wright auf dem Zettel haben. Er hat das Talent, er kombiniert Gelassenheit mit dem nötigen Ehrgeiz, und jetzt braucht es nur noch eines dieser „Jubeljahre“, damit er es ganz nach oben auf ein Weltcup-Podest schafft.
Fotos: IBU/Christian Manzoni, Vianney Thibaut, Nordic Focus