Famose Schlussrunde beschert Maren Kirkeeide Olympiagold im Sprint
Maren Kirkeeide lag beim Sprint über 7,5 km der Frauen auf der Strecke zu keinem Zeitpunkt in Führung – doch eine spektakuläre Schlussrunde sicherte der jungen Norwegerin in 20:40,8 Minuten doch noch Olympiagold. Kirkeeide feierte nach fehlerfreier Schießleistung den zweiten Sieg in ihrer Karriere und das erste Einzelpodium bei einem sportlichen Großereignis.
Freude über Unterstützung
Kirkeeide, die im Weltcup aktuell das Blaue Trikot der besten Jungathletin unter 23 Jahren trägt, feierte den größten Erfolg ihrer Laufbahn. Mit dem Sieg meldete sie sich eindrucksvoll zurück, nachdem sie sich in der Mixed-Staffel zwei Strafrunden einhandelte und Norwegen nur auf Platz vier kam und sie das Einzel über 15 km nach fünf Strafminuten nur auf dem 49. Platz beendete. „Das Team hat mich enorm unterstützt. Alle haben mich nach der Mixed-Staffel aufgemuntert. Ich habe versucht, das Rennen abzuhaken und nach vorn zu blicken. Es ist unglaublich, wie sehr sich alle für mich freuen. Das heutige Rennen war einfach fantastisch. Die Atmosphäre war einzigartig und es fühlt sich unfassbar an.“
Gold überstrahlt alles
Mit einer famosen Schlussrunde schnappte sich die Norwegerin noch Gold: „Die Trainer haben mich gepusht, das hat mir zusätzliche Energie verliehen und mich förmlich ins Ziel getragen. Du weißt nie, wie schnell die anderen laufen, daher habe ich einfach alles aus mir herausgeholt. Ich hätte mich auch über Silber gefreut. Dass ich jetzt Gold habe, ist unfassbar!“
Mit ihrer Schlussrunde verwies Kirkeeide eine weitere Olympia-Debütantin auf den zweiten Rang: Die Französin Oceane Michelon schoss ebenfalls tadellos und gewann mit 3,8 Sekunden Rückstand bei ihrem ersten Olympiastart gleich Silber. Bronze sicherte sich Michelons Teamgefährtin Lou Jeanmonnot nach einem Schießfehler (23,7 Sekunden zurück). Damit hat Jeanmonnot bei den Spielen Milano Cortina bereits einen kompletten Medaillensatz gewonnen und avancierte zur dritten Frau überhaupt, die sich bei ihren ersten drei Olympiastarts jeweils eine Medaille sicherte.
Vierte wurde Milena Todorova aus Bulgarien, die sich ebenfalls einen Fehler leistete und im Ziel 40 Sekunden Rückstand hatte. Auf Platz fünf kam die Italienerin Lisa Vittozzi, die alle zehn Scheiben traf und am Ende 0,6 Sekunden hinter Todorova lag. Die Finnin Suvi Minkkinen zeigte eine makellose Schießleistung und lief 49,6 Sekunden hinter der Siegerin auf dem sechsten Platz ein.
Schneefall in Antholz
Die Bedingungen beim Sprint der Frauen waren weniger gut als an den Vortagen. Aus dichten Wolken viel leichter Schnee, der die Strecke langsamer machte. Der Wind blies indes nur leicht. Nach dem Liegendschießen sah vieles nach einem französischen Festtag aus, da Jeanmonnot und Michelon auf den Plätzen zwei und drei lagen. Kirkeeide räumte zwar auch alle Scheiben ab, hatte aber bereits 10 Sekunden Rückstand. Nach dem Liegendanschlag befanden sich über 20 Athletinnen mit fehlerfreiem Schießen innerhalb von 20 Sekunden, darunter auch Minkkinen und Vittozzi.
2026 Milan/Cortina Olympic Winter Games Women's 7.5 km Sprint
Demnach musste wie so oft das Stehendschießen entscheiden. Jeanmonnot schoss einmal daneben und ging mit 29 Sekunden Rückstand aus der Strafrunde zurück in die Loipe. Vittozzi traf wieder alle Scheiben, war allerdings rund 12 Sekunden langsamer als Jeanmonnot. Michelon räumte schnell alle Ziele ab und setzte sich ausgangs des Schießstandes vor ihre Teamkollegin, die ebenfalls tadellose Minkkinen schob sich auf Rang drei. Die 22-jährige Kirkeeide hielt sich schadlos und ging 9 Sekunden hinter Michelon auf die letzten 2,5 km.
Kirkeeide siegt auf den letzten 500 Metern
Michelon baute ihren Vorsprung bis 500 m vor dem Ziel auf 23 Sekunden gegenüber Jeanmonnot aus. Sie kämpfte bis zur Ziellinie, doch ihre norwegische Kontrahentin machte weiter Boden gut. Kirkeeide verkürzte den Rückstand auf jedem 500-m-Abschnitt und lag bei Kilometer 7 nur noch 1,1 Sekunden zurück. Auf der Überfahrt hinter dem Schießstand mobilisierte die Norwegerin noch einmal alle Kräfte und sicherte sich so den großen Triumph. Im Ziel war Michelon die erste Gratulantin und umarmte Kirkeeide für ihren fantastischen Gold-Lauf.
Fotos: IBU/Vianney Thibaut, Ola Wizor, Nordic Focus