Le Grand-Bornand: Alpine Kaderschmiede der Biathlon-Champions
Alles begann 1995, als das kleine Bergdorf Le Grand-Bornand mit der Ausrichtung der ersten Biathlon-Europameisterschaften plötzlich ins Rampenlicht rückte. Auf heimischen Loipen holte der junge Raphaël Poirée seinen ersten internationalen Sieg, dem später noch viele folgen sollten. Drei Jahrzehnte später hat das Dorf sich zu einem beliebten Tummelplatz der Biathlon-Weltelite gemausert, ist ein fester Bestandteil des Weltcup-Kalenders und bereitet sich jetzt darauf vor, Olympische Winterspiele auszurichten. Damit geht im Herzen der französischen Alpen ein langgehegter Traum in Erfüllung.
Stade Sylvie Becaert: Im „Monaco des Biathlon“
Hoch oben im Aravis-Massiv, im beschaulichen Dorf Le Grand-Bornand, liegt das Stade International Sylvie Becaert, das Herzstück des BMW IBU Biathlon-Weltcups in Frankreich. In diesem Stadion, benannt nach der Olympionikin, Sprintweltmeisterin 2003 und lokalen Biathlon-Legende Sylvie Becaert, trifft Weltklasse-Biathlon auf atemberaubende Alpenpanoramen.
Seine Lage dicht am Ortskern und die temporäre Infrastruktur, die jedes Jahr im großen Stil für den Weltcup aufgebaut wird, machen es zum wahren „Monaco des Biathlon“. Die Strecken fügen sich harmonisch in das Landschaftsbild der Aravis-Kette ein, und die Zuschauer sind ganz nah dran am Geschehen. In jedem Dezember verwandelt sich der Ort in ein Biathlon-Mekka, welches zehntausende Besucher anzieht. Das Stadion ist ganz auf Nachhaltigkeit ausgelegt: Der Strom wird über Wasserkraft erzeugt, ein Großteil der Abfälle wird recycelt und fast die gesamte Infrastruktur wird nach jeder Veranstaltung wieder zurückgebaut.
Die Stimmung während der Rennen ist legendär. Lokale Stars und internationale Champions zeigen sich gleichermaßen beeindruckt von der unvergesslichen Atmosphäre in Le Grand-Bornand: „atemberaubend“, „der verrückteste Austragungsort des Winters“ und voller „Energie, welche die der Athleten bei weitem übertrifft“.
Der legendäre französische Biathlet und Superstar des letzten Jahrzehnts Martin Fourcade hat immer noch eine ganz besondere Beziehung zu diesem Ort:
„Das Besondere an Le Grand-Bornand ist, dass nirgendwo sonst die Biathlon-Rennen mitten durch den Ort gehen. Das schafft eine besondere Atmosphäre - die Fans stehen überall an der Strecke, nicht nur im Stadion. Ich bin dort zuhause, und mich hat die Welle der Anfeuerungsrufe dort getragen wie nirgendwo sonst.“
Die Veranstaltung lebt vom Engagement der Anwohner. Jedes Jahr sind fast eintausend Helfer an der Organisation der Rennen beteiligt, was für den Sportsgeist, aber auch für den Zusammenhalt in Le Grand-Bornand spricht. Und dann ist da ja noch UBI, das charmante offizielle Maskottchen, einem neugierigem Hermelin nachempfunden. Es steht sinnbildlich für die Geschwindigkeit und die Präzision der Biathleten, die hier durch den Ort rauschen.
Die Zukunft fest im Blick: Aus dem Weltcup auf die olympische Bühne
2030 werden die Olympischen Winterspiele zum vierten Mal in Frankreich ausgetragen, und zum ersten Mal seit 38 Jahren, als 1992 Albertville Austragungsort war. Für den französischen Biathlon hat diese Heimkehr eine besondere Bedeutung. Bei jenen Winterspielen feierte der Frauen-Biathlon sein olympisches Debüt, und die Frauen holten für Frankreich die einzige Biathlon-Medaille der Spiele in Albertville – die Frauenstaffel gewann Gold in Les Saisies.
Die Spiele in den Französischen Alpen 2030 stehen im Zeichen der alpinen Kultur der Region, der Nachhaltigkeit und der Begeisterung der lokalen Bevölkerung. Französische Top-Athletinnen und Spitzensportler wie Martin Fourcade, Anaïs Bescond und Vincent Jay äußerten sich begeistert zu den Spielen, und Fourcade darf sich auf ein olympisches Gastspiel seines Sport in eben jenen Bergen freuen, in denen er einst triumphierte. Diese Rückkehr dürfte der Höhepunkt eines Jahrzehnts der Weltcup-Exzellenz in Le Grand-Bornand werden – gebaut auf Schnee, Stimmung und Siegen.
Ein glorreiches Jahrzehnt: Biathlon-Geschichte in Le Grand-Bornand
Le Grand-Bornand richtete 2013 den ersten Weltcup aus und holte so den Weltklasse-Biathlon zurück nach Frankreich. Seitdem sind die besten Biathletinnen und Biathleten der Welt sechsmal in Le Grand-Bornand zu Gast gewesen, und der Ort steht 2025, 2026, 2028 und für die Olympischen Winterspiele 2030 wieder im Kalender.
Traditionell schneidet vor allem Norwegen in Le Grand-Bornand gut ab und gewinnt etwa 33 % aller Einzelmedaillen, gefolgt von Frankreich mit über 20 %, dank der ekstatischen Fans und einer goldenen Generation von Sportlerinnen und Sportlern.
Johannes Thingnes Bø hat dem Austragungsort mit neun Siegen seinen Stempel aufgedrückt, und doch ist es Martin Fourcade, der für das heimische Publikum die Magie des Ortes verkörpert. 2017 gewann er auf diesen Strecken als erster Franzose einen Massenstart, nur wenige Stunden, nachdem Justine Braisaz-Bouchet den Titel bei den Frauen geholt hatte. In diesen Stunde wurde der Weltcup-Austragungsort Le Grand-Bornand zur wahren Heimat des französischen Biathlon, wo Nationalstolz und Bergpanoramen die Kulisse für unvergleichliche Höhepunkte bilden.
Annecy & Le Grand-Bornand: Alpiner Charme und ein traumhafter Seeblick
Nur dreißig Kilometer trennen Annecy und Le Grand-Bornand, und zusammen bieten sie das perfekte Alpen-Erlebnis. Annecy, das Juwel der Alpen, liegt an einem der klarsten Seen Europas und bietet neben historischem Charme und Kultur auch Outdoor-Sport zu jeder Jahreszeit.
Von hier ist es nur ein Katzensprung nach Le Grand-Bornand, wo über 400 Chalets teils aus dem 17. Jahrhundert und moderne Freizeiteinrichtungen Gäste erwarten, mit der „BO!VIVRE“-Art zu leben - eine gelungene Mischung aus Tradition, Handwerkskunst und Sport. Das ganze Jahr über finden hier Events, Workshops und Kulturveranstaltungen statt, die zeigen, wie viel Tatendrang und Kreativität in diesem Ort steckt.
Fotos: Felgenhauer & Manzoni / IBU, Guilbaud / Le Grand-Bornand Tourisme