JT Bö mit beherzter letzter Runde zum Massenstartsieg in Ruhpolding

Der Norweger Johannes Thinges Bö glich heute Nachmittag im 15 km Massenstart der Männer in Ruhpolding satte drei Strafrunden wieder aus und lief seinem Mannschaftskameraden Vetle Sjaastad Christiansen auf der letzten Runde mit beherztem Einsatz davon zu seinem neunten Sieg in dieser Saison in 36:12. Der Mann in Gelb hatte sich den ganzen Wettkampf über mit Christiansen um die Führung duelliert. Christiansen wurde mit zwei Strafrunden und 19,3 Sekunden Rückstand Zweiter.

Vetle größter Rivale

JT, der heute zum dritten Mal in dieser Woche auf dem Podest stand, gab zu, dass es ein harter Kampf gewesen war. „Mein größter Rivale heute war Vetle. Er war heute auf der Strecke richtig schnell unterwegs. Das habe ich schon in der ersten Runde gemerkt. Er war dann auf dem ersten Stück vorn, und mich musste mich anstrengen, ihn einzuholen. Wir alle wissen, wie er sprinten kann, und es war nur noch ein Anstieg übrig. Mit sieben Sekunden Rückstand (aus der Strafrunde) zum Angriff überzugehen ist hart, aber am Ende stand der Sieg. Es hat sich gelohnt.“

„Das macht den Sport aus“

Zu seiner Siegstrategie sage er weiter: „Es gab nur eine Chance, ihn zu schlagen. Ich habe mir die beste Stelle ausgesucht und die Meter herausgeholt, die ich brauchte. Es ist unglaublich hart, sich so zu quälen, aber das macht den Sport aus.“

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Endlich einen Sprint gewonnen

Mannschaftskamerad Sturla Holm Lägreid wurde mit zwei Fehlern und 35,3 Sekunden Rückstand Dritter, knappe 1,1 Sekunden vor Tarjei Bö mit zwei Fehlern, sodass die ersten vier Plätze von Norwegern belegt waren. Lägreid, der von sich sagt, dass er in Zielsprints immer den Kürzeren zieht, konnte endlich einen gewinnen. „Ich habe endlich einen Sprint gewonnen, aber gegen Tarjei. Er ist nicht der Schnellste, als bin ich nicht sicher, ob das zählt. Er hat mich letztes Jahr geschlagen, das ist jetzt also meine Rache.“

Der Franzose Emilien Jacquelin, der Einzel und Staffel zugunsten weiteren Schießtrainings ausgelassen hatte, verfehlte zweimal und wurde mit 49,7 Sekunden Rückstand Fünfter. Vytautas Strolia aus Litauen gelang mit einem Fehler und 55,6 Sekunden Rückstand eine Saisonbestleistung auf Platz sechs.

Strafrunden bei den Führenden

Wieder einmal war es mit +8 °C bei bedecktem Himmel und wechselndem Wind am Schießstand ein warmer Tag für den zweiten Massenstart der Saison, und der Schnee auf der Strecke war tief und weich. JT und Christiansen gaben auf der ersten Runde zum Liegendschießen das Tempo vor. Der Mann in Gelb erklärte seine Strategie: „Ich habe mir gedacht, dass die anderen sich freuen würden, wenn ich nicht so schnell laufe, also musste ich meine Stärken ausspielen.“

Das Duo lag am Schießstandeinlauf schon zehn Sekunden vor dem Feld, doch beide setzten gleich den ersten Schuss daneben. Dreizehn Männer kamen ohne Fehler durch, allen voran Quentin Fillon Maillet, Fabien Claude, Tarjei und Jacquelin innerhalb von 11 Sekunden. Das französische Trio übernahm das Kommando und gab auf der zweiten Runde das Tempo vor.

Aufholjagd

JT und Christiansen machten sich an die Aufholjagd und hatten die Führungsgruppe bis zur 4,9-km-Zwischenzeit wieder eingeholt. Beim zweiten Liegendschießen lag JT erneut auf Matte eins. Diesmal schoss der Weltcup-Führende schnell, traf und ging in Führung, dicht gefolgt vom bislang fehlerlosen Claude und Christiansen kurz dahinter. Auch die nächste Sechser-Verfolgergruppe hatte noch keine Fehler geschossen.

Die Tür geht auf

Auch im ersten Stehendschießen stellte sich der Mann in Gelb auf „seine“ Matte 1, verschoss aber erneut. Christiansen patzte ebenfalls einmal, Claude fiel mit gleich zwei Fehlern weit zurück. Das öffnete die Tür für Tarjei, Sebastian Samuelsson und Strolia, die trafen und sich nach vorne setzten, gefolgt von JT und Christiansen nach ihrer Strafrunde.

Noch einmal kreiseln

Das Tempo war für eine Weile eher gemächlich, bis JT kurz vor dem letzten Stehendschießen noch mal antrat und 8 Sekunden Vorsprung herauslief, um dann aggressiv zu schießen, aber er musste noch einmal kreiseln. Christiansen hingegen kam ungeschoren davon, und er ging 5,9 Sekunden vor JT wieder auf die Strecke, dahinter Tarjei und Lägreid auf drei und vier mit 20 und 28,5 Sekunden Rückstand.

Christiansen stürmte als Führender aus dem Stadion, wurde aber vom Mann im gelben Trikot bald eingeholt, der sich an seine Skienden heftete. 1100 Meter vor dem Ziel griff JT an und stürmte davon zum Sieg. Tarjei und Lägreid duellierten sich um den letzten Podestplatz, bis Lägreid auf den letzten 50 Metern davonzog und sich Platz drei sicherte.

Christiansen „Tank leer“

Christiansen erklärte seine Strategie. „Ich habe heute beschlossen, Johannes nichts zu schenken. Das war in der zweiten Hälfte der ersten Runde ziemlich heftig; er griff an und ich beschloss, so lange wie möglich dran zu bleiben. Als wir (im Liegendanschlag) beide verfehlten, hatten wir beide noch Kontakt zur Führungsgruppe (und holten sie dann ein). ... Ein Fehler zu viel am Anfang des Rennens war dann zu viel, als dass ich auf der letzten Runde noch mit Johannes hätte mithalten können. ... Mein Tank war leer. Es war das zweite Mal in Folge, dass ich zumindest dagegenhalten konnte. Ich muss mit einem weiteren zweiten Platz zufrieden geben.“

„Der echte Hulk“

Christiansen, der immer für einen Scherz zu haben ist, schenkte JT Bö bei der Siegerehrung für den überragenden Sieg ein Paar Hulk-Handschuhe. „Eigentlich wollte ich die heute anziehen. Es ist das erste Mal, dass ich sie zu einem Rennen mitgebracht habe, weil ich mich gut in Form gefühlt habe und es mit dem Schießen langsam wird, nur so zur Sicherheit, falls ich oben auf dem Treppchen stehe. Aber nachdem Johannes mich überholt hat, hat er sie verdient. Das passt ja irgendwie auch. ... Mit diesen Leistungen ist er wirklich wie der echte Hulk.“

Fotos: IBU/Christian Manzoni, Igor Stančík

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