Janina Hettich-Walz strahlt über beide Ohren, wenn sie über ihre Tochter spricht. Die kleine Karlotta wurde im Februar 2025 geboren. Ein Jahr später ist Hettich-Walz zurück in der Weltspitze. Mit Platz sechs feierte sie im Sprint von Oberhof ihr bestes Saisonergebnis und erreichte damit die Olympianorm. „Ich habe mich bewusst für ein Kind entschieden. Aber ich wollte meine Karriere nach der Geburt unbedingt fortsetzen und bei Olympia dabei sein“, so die 29-Jährige.
Ihre Tochter ist sehr umgänglich, wodurch Hettich-Walz ihre sportliche Karriere und ihre Mutterrolle besser miteinander vereinbaren kann. Trotzdem braucht die DSV-Athletin ein gutes Zeitmanagement und einiges an Flexibilität in ihrem Alltag: „Ich plane jede Woche neu. Dadurch ist eine langfristige Trainingsroutine kaum möglich.“ Aktuell trainiert sie häufig abends oder am Wochenende, wenn ihr Mann zu Hause ist und sich um die kleine Karlotta kümmert – oder, wenn die Großeltern einspringen. „Ohne die Unterstützung der Familie würde es nicht funktionieren. Ich bin sehr dankbar dafür.“
Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist es derzeit, die Kinderbetreuung zu organisieren. Erst wenn diese geklärt ist, widmet sie sich dem Training. Die Biathletin sieht dies auch als Chance: „Meine Perspektive hat sich geändert. Ich weiß, dass es im Leben wichtigere Dinge als den Sport gibt. Meine Tochter steht immer an erster Stelle.“ Daher ist es immer schwer für sie, wenn sie einige Tage von ihrer Kleinen getrennt ist. „Ich hatte Angst davor, nicht bei ihr sein zu können. Vor allem, wenn sie noch so klein ist. Doch ich wusste, dass es so kommen würde. Also muss ich damit leben.“ Bei einigen Rennen sind Mann und Tochter an ihrer Seite. Janina Hettich-Walz nimmt sich dann mit ihrer Familie eine eigene Unterkunft, die sie selbst organisieren und bezahlen muss. Das stellt sie manchmal vor einige Herausforderungen. „In Hochfilzen durfte der Kinderwagen nicht mit ins Stadion. An so etwas denkst du ja nicht, bis du damit konfrontiert bist. Zum Glück konnte mein Mann mit den Volunteers vor Ort eine Lösung finden, sodass er das Rennen mit der Kleinen im Stadion verfolgen konnte.“
Janina Hettich-Walz ist die erste DSV-Biathletin, die während ihrer aktiven Karriere Mutter geworden ist. Das war auch für den Deutschen Skiverband eine neue Situation. „Ich habe viel Unterstützung vom Verband erhalten. Dadurch konnte ich an den Lehrgängen teilnehmen, was mir bei meiner Rückkehr nach der Babypause sehr geholfen hat.“ Bei den Deutschen Meisterschaften im September wurde bereits deutlich, dass sie auf einem guten Weg ist: Sie gewann im Einzel und im Sprint. „Ich hatte nicht erwartet, so schnell wieder in so guter Form zu sein.“
Mit Müttern aus anderen Nationen hat sich die Deutsche nicht ausgetauscht. „Das hätte mich nur unter Druck gesetzt. Baiba Bendika ist schon zwei Monate nach der Geburt ihres Kindes in den Weltcup zurückgekehrt. Das hätte ich mir nicht vorstellen können. Ich gehe da lieber meinen eigenen Weg und mein eigenes Tempo.“ Dadurch ist Janina Hettich-Walz ein Vorbild für andere junge Frauen, die Beruf und Familie in Einklang bringen wollen. „Ich habe sehr viele Rückmeldungen und wunderbare Nachrichten erhalten. Das hat mich wirklich überrascht.“
Photos: IBU