Lagen unsere Experten richtig?
Im vergangenen November baten wir fünf Trainer, ihre Prognose für die Saison 2025/26 abzugeben. Lagen sie mit ihren Einschätzungen richtig?
Im letzten Herbst haben uns Simon Fourcade (SF), Sverre Olsbu Røiseland (SR), Uros Velepec (UV), Johannes Lukas (JL) und Siegfried Mazet (SM) verraten, wer ihr heißer Tipp für die neue Saison ist. Nun ist es Zeit, Bilanz zu ziehen.
Frage 1: Wer ist Sturla Holm Lægreids größter Gegner im Kampf um den Weltcup-Gesamtsieg?
Velepec traf mit seiner Einschätzung im Herbst den Nagel auf den Kopf: „Eric Perrot ist der Typ, der alles gewinnen kann. Er ist ein brillanter Läufer, ein schneller Schütze und sehr stabil. Sturla muss den Titel jetzt verteidigen, und das ist doppelt so schwer wie anzugreifen, wie er das bei Johannes gemacht hat.“
Mazet sagte seinerzeit: „Momentan sehe ich da Eric Perrot, Tommy Giacomel und einen Norweger. Aber Eric ist sicher der größte Gegner.“ Nachdem Giacomel die Saison gesundheitsbedingt vorzeitig beenden musste, gab die Konstanz von Perrot am Ende den Ausschlag. Lægreid kam hingegen zu spät in Fahrt und konnte den Franzosen nicht mehr angreifen.
Prognosen im Herbst
JL: Sturla, Sebastian und Eric, nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge. SR: Sturla, Eric und Sebbe. SF: Eric, Quentin und Sturla. UV: Eric, Sebbe, Uldal vor Sturla. SM: Sturla, Eric, Tommy.
Realitätscheck:
Perrot, Lægreid, Johan-Olav Botn. Alle fünf Trainer hatten Eric Perrot in den Top 3 verortet, zwei von ihnen trauten ihm den Weltcup-Gesamtsieg zu. Keiner von ihnen hatte Botn auf der Rechnung.
Frage 2: Wenn Franziska Preuß so schießt wie letzte Saison und gesund bleibt, gewinnt sie dann die Gesamtwertung der Frauen?
Alle fünf Experten trauten der Deutschen die Titelverteidigung zu. Nur der Cheftrainer der deutschen Frauen hatte vielleicht eine kleine Vorahnung. So sagte Røiseland: „Sie hat dieses Jahr Probleme mit dem Finger gehabt, aber gut trainiert. Ihr Fokus liegt vor allem auf Olympia. Ich weiß, dass sie eine mindestens so gute Saison liefern kann wie letztes Jahr. Ich habe großen Respekt vor Lou Jeanmonnot. Für mich haben Franzi und sie letztes Jahr beide gewonnen.“
Prognosen im Herbst
JL: Öberg (eine der beiden), Preuß und Vittozzi. SR: Franzi, Lou, Lisa. SF: Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge: Preuß, Lou, Ocean Michelon. UV: Preuß, denn die Französinnen auf 2, 3, 4 und 5. SM: Preuß, Jeanmonnot und Vittozzi.
Realitätscheck:
Jeanmonnot, Hanna Öberg und Vittozzi. Bei dieser Frage lagen alle daneben. Natürlich konnte im November 2025 noch keiner von ihnen wissen, dass Franziska Preuß ihre Karriere direkt nach den Olympischen Winterspielen Milano Cortina beenden würde, sodass Lou Jeanmonnot leichtes Spiel haben würde. Mit seiner Öberg-Prognose kam Johannes Lukas der Realität noch am nächsten. Beide Schwestern mischten im engen Kampf um die Plätze 2 bis 5 ordentlich mit.
Frage 3: Wer wird Newcomer der Saison?
Drei der fünf Coaches tippten auf Isak Leknes Frey, der sich am Ende auch das Blaue Trikot des besten U23-Athleten sicherte. Johan-Olav Botn, Drittplatzierter der Gesamtwertung und Olympiasieger, hatte keiner der fünf Experten auf der Rechnung. Siegfried Mazet hatte einen guten Riecher: „Ich glaube, Isak Frey wird für einige Überraschungen sorgen. Er ist ein waschechter Biathlet, körperlich stark und hat eine gute Strategie am Schießstand. Er versteht Dinge, für die andere vielleicht noch vier oder fünf Jahre brauchen werden, und er ist sehr reif für sein Alter. Johannes Thinges Bø und Martin Fourcade waren auch so.“
Darüber hinaus tippte er auf die Olympiasiegerin im Massenstart, Oceane Michelon: „Oceane Michelon ist in derselben Situation. Ich kenne sie gar nicht, aber ihr Name ist mir als Erster eingefallen.“
Realitätscheck:
Botn, Martin Uldal, Frey; Michelon, Sprint-Olympiasiegerin Maren Kirkeeide, Camille Bened. Die Youngster haben sämtliche Erwartungen übertroffen – die nächste Generation hat in Italien gleich dreimal Olympiagold geholt!
Alle fünf Trainer offenbarten gute Einblicke in ihre eigenen Teams und in den Talentpool der Konkurrenz. Letzten Herbst nannten alle fünf einen Schlüssel zu einer erfolgreichen Saison: gesund bleiben. Simon Fourcade brachte auf den Punkt, was im Kampf um Medaillen und Kristallkugeln sonst noch wichtig ist: „Es kommt auf Selbstvertrauen an, und auf das Vertrauen in die geleistete Arbeit, damit gute Ergebnisse folgen.“
Fotos: IBU/Christian Manzoni, Yevenko, Deubert