Fahnenträger auf eisigen Spuren

Seit Biathlon 1960 zur olympischen Disziplin erklärt wurde, war mindestens ein Biathlet unter den Fahnenträger bei allen Olympischen Spielen. Insgesamt waren es 61 Athleten in 69 Fällen. Den Rekord hält dabei Lillehammer 1994 mit neun Biathleten als Fahnenträger. Von kleinen Teams bis hin zu starken Nationen – Biathleten sind zur ersten Wahl geworden, wenn jemand gesucht wird, der den Nationalstolz auf Eis und Schnee hinausträgt.

Bei der heutigen Eröffnungsfeier in den Clustern der Milano Cortina 2026 wurden bislang vier Biathleten bekannt gegeben und ausgewählt, die in Cortina die Flagge ihres Landes tragen werden.

  • Lucie Charvatova – Tschechien

  • Vladimir Iliev – Bulgarien

  • Johanna Talihaerm – Estland

  • Matija Legovic – Kroatien

Nationen mit Biathleten als Fahnanträger

In manchen Ländern ist es fast zur Tradition geworden, einen Biathleten als Fahnenträger auszuwählen. Bulgarien machte es vor: Von 1984 bis 1994 trug bei vier aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen ein Biathlet die bulgarische Flagge. Nach einer Pause wurde diese Tradition 2006 mit Ekaterina Dafovska fortgesetzt, die 1998 Bulgariens erste und bisher einzige Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen gewonnen hatte. Sechzehn Jahre später wurde Maria Zdravkova 2022 in Peking die Ehre zuteil, als einzige Fahnenträgerin aus dem Biathlonsport einzulaufen.

Ähnlich wie Bulgarien wählte auch die Republik Moldau von 1994 bis 2010 immer einen Biathleten als Fahnenträger. Für diese kleine Delegation wurde Biathlon zur Sportart, die am engsten mit seiner olympischen Identität verbunden ist. Es unterstreicht ihre die Entschlossenheit, auf der Weltbühne präsent zu sein, auch ohne große Medaillenchancen.

Auch Rumänien verließ sich oft auf Biathleten – insgesamt sechs Mal. Es begann 1976 mit dem WM-Silbermedaillengewinner von 1974, Gheorghe Gârniță in Innsbruck. Die bekannteste rumänische Sportlerin, Éva Tófalvi, war bei drei Olympischen Spielen hintereinander Fahnenträgerin und hält den Rekord bei den Damen mit der Teilnahme an sechs Olympischen Winterspielen. Sie ist auch die erste – und einzige – rumänische Athletin, die ein Biathlonweltcuprennen gewann: 2008 in Hochfilzen.

Ikonen auf dem Höhepunkt

Für manche Biathleten ging das Tragen der Flagge Hand in Hand mit dem Höhepunkt ihrer Karriere. Frank Ullrich, der ostdeutsche Starathlet Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre, hatte bereits Olympiagold 1980 in Lake Placid sowie weitere Medaillen gewonnen, bevor er als Fahnenträger seines Landes für Sarajevo 1984 ausgewählt wurde – ein klares Zeichen seiner Dominanz und Führungsqualität.

Jahrzehnte später ging Martin Fourcade seinem Team in Pyeongchang 2018 voran. Er war damals bereits mehrfacher Olympiasieger. In den kommenden Tagen fügte er seinem Trophäenschrank drei weitere Goldmedaillen hinzu und unterstrich so seinen Status als einer der größten Biathleten aller Zeiten. Bei denselben Spielen trug Emil Hegle Svendsen die norwegische Flagge. Eine symbolische Wahl, da Ole Einar Björndalen, einer der größten Biathleten in der Geschichte des Sports, nie selbst die norwegische Flagge getragen hatte. Svendsens Rolle symbolisierte die Weitergabe des Staffelstabs von der norwegischen Legende an die nächste Generation.

Bei den Damen schrieb Magdalena Forsberg als Fahnenträgerin Geschichte. Sie ist bis heute die einzige Schwedin, die die schwedische Flagge tragen durfte. Die sechsmalige Weltcupgesamtsiegerin gewann nie Olympiagold, trug allerdings die schwedische Flagge 2002 in Salt Lake City, nachdem sie zweimal Bronze geholt hatte. Ihre Wahl spiegelte nicht nur ihre Erfolge, sondern auch ihre Vorreiterrolle im Frauenbiathlon wider.

Allen Widrigkeiten zum Trotz

Nicht jeder Fahnenträger ist ein Sieger. Manche tragen die Flagge, weil sie die einzigen Athleten ihrer Nation sind. Andere, weil ihre Geschichte den olympischen Geist widerspiegelt.

Judd Baker gelang genau das für Guam in Calgary 1988: Der Physiotherapeut mit der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft repräsentierte die tropische Pazifikinsel mit Durchschnittstemperaturen von 28°C als einziger Vertreter. Ohne unterstützendes Team wachste er sogar seine Ski selbst. Seine ungewöhnliche Reise von Guam zu den olympischen Winterspielen wurde zu einem Paradebeispiel dafür, dass Mut mehr zählt als Medaillen.

Genauso beeindruckend ist die Geschichte von Thanasis Tsakiris (links abgebildet) aus Griechenland, der 1988, 1992 und 2010 die griechische Flagge trug. In über 22 Jahren nahm er an sechs Olympischen Spielen teil und trat noch im Alter von 45 Jahren an. In Vancouver 2010 lief er zusammen mit seiner Tochter Panagiota ein, die 2014 in Sotschi selbst Fahnenträgerin war. Seine Geschichte ist ein Sinnbild für Ausdauer und Familientradition im olympischen Biathlon.

Von Außenseitern bis zu Olympialegenden – Fahnenträger aus dem Biathlonsport haben viele unvergessliche Spuren bei den Eröffnungszeremonien hinterlassen.

Die Olympischen Winterspiele 2026 rücken immer näher. Wer wird Ihrer Meinung nach als Biathlet die Flagge einer Nation in Milano Corina 2026 tragen?

Fotos: IBU Photopool

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