Fünf brennende Fragen an Johannes Dale-Skjevdal

Die Karriere von Johannes Dale-Skjevdal ist von Höhen und Tiefen geprägt – mit Wechseln vom Weltcup-Team in den IBU-Cup und wieder zurück. Nach drei Siegen in Serie im IBU-Cup ist der Norweger nun wieder in den Kreis der Elite aufgestiegen und zeigte in Hochfilzen mit Platz fünf im Verfolger und als Startläufer der dominierenden norwegischen Männerstaffel starke Leistungen.

Die Herausforderungen für den 28-Jährigen sind leicht erklärt: Er gehört zu den unzähligen Biathlontalenten des extrem starken norwegischen Pools, die um die wenigen begehrten Kaderplätze kämpfen und nicht die kleinste Schwäche dulden. Seit seinem Debüt im Jahr 2019 feierte er in seiner bisherigen Karriere 15 Podestplatzierungen (davon drei Siege) sowie drei WM-Medaillen. Damit würde er in vielen anderen Ländern zu den absoluten Leistungsträgern zählen. Nach einer guten Sommervorbereitung und der Geburt seines ersten Kindes, aber ohne Ticket für den Weltcup, stand er im vergangenen Monat bei den Qualifikationswettkämpfen in Geilo unter großem Druck. Trotz eines sechsten Platzes im finalen Massenstart erhielten der Newcomer und aktuelle Träger des Gelben Trikots, Johan Olav Botn, sowie sein erfahrener Kollege Vetle Sjåstad Christiansen beim Weltcup in Östersund den Vorzug. Drei überzeugende Siege mit einer Trefferquote von 90 % in Obertilliach brachten Dale-Skjevdal in Hochfilzen zurück in den Weltcup. Zwei Strafrunden im Sprint verhagelten ihm mit Platz 16 dort das Ergebnis. Doch nach nur einem Schießfehler im Verfolger und dem Sprung unter die Top 6 durfte er am Sonntag bei der Männerstaffel an Position 1 laufen. Nach dem Staffelsieg geht es nun nach Le Grand Bornand. Vorsicht vor der (einheimischen) Konkurrenz ist dabei immer geboten.

Nach seinem Staffeleinsatz mit nur einem Nachlader beantwortete der Norweger unsere fünf brennenden Fragen. In unserer Bonusfrage verriet er zudem seine Pläne für Weihnachten.

Biathlonworld (BW): Als du nach den Qualifikationswettkämpfen in Geilo nicht für das Weltcup-Team nominiert worden bist, war die Enttäuschung sicherlich groß. Wie hast du deinen mentalen Fokus auf den IBU-Cup gerichtet? Johannes Dale-Skjevdal (JDS): Natürlich ist es nicht einfach, im IBU-Cup an den Start zu gehen, wenn du den Weltcup gewohnt bist und dort auch unbedingt dabei sein willst. Für mich ist es wichtig, den Fokus gezielt zu steuern und auch abzuschalten. Wenn ich nur daran denke, was ich anders machen könnte oder wo ich eigentlich sein möchte, hätte ich ein ziemlich beschissenes Leben! Wenn ich jedoch auch abschalte, bin ich entspannter und mental mehr auf der Höhe. Das wirkt sich dann auf meinen Wettkampf aus. Das war ein entscheidender Faktor.

BW: Du bist vor Kurzem Vater geworden. Hat die Geburt deines Sohnes deine Sicht auf dich als Biathlet verändert?

JDS: Auf jeden Fall. Natürlich ist mir Biathlon noch immer sehr wichtig, aber es ist nicht das Wichtigste in meinem Leben. Es ist wirklich schön, sich zu Hause auf etwas zu freuen. Das ist wichtiger als der Biathlon. Dadurch bin ich im Alltag viel entspannter. Wenn ich zu Hause bin, gehört meine Aufmerksamkeit der Familie, im Training bin ich aufs Training fokussiert. Es hilft sehr, nicht die ganze Zeit an Biathlon zu denken. Mein Sohn ist dahingehend eine wahre Wonne!

BW: Wie haben sich die drei IBU-Cup-Siege in Serie auf dein Selbstvertrauen ausgewirkt, auch wenn du zu dem Zeitpunkt noch nicht wusstest, ob sie dir ein Weltcup-Ticket bescheren würden?

JDS: Das war schon wichtig für mein Selbstvertrauen. Sie haben mir gezeigt, dass ich in wirklich guter Verfassung bin und ordentliche Biathlon-Wettkämpfe bestreiten kann. Auf der einen Seite war es gut, da ich weniger unter Druck stand. Andererseits war der Druck auch wieder sehr groß, weil ich wusste, dass ich gewinnen muss. Am Ende war es okay, da ich überzeugt war, dass ich um den Sieg mitkämpfen kann. Vielleicht war es ein gutes Warmup.

BW: Im letzten Jahr hast du dich selbst als „Tiger“ bezeichnet, der vor allem auf der Schlussrunde die Zähne zeigt. War das in der Verfolgung von Hochfilzen der Fall, als du dich von Rang 16 noch auf den fünften Platz nach vorn gekämpft hast?

JDS: Kann schon sein. Das war eine solide Aufholjagd und ich war mit meinem Verfolger sehr zufrieden. Ich mag diese Rennen, in denen es eng zugeht, bei denen es direkte Duelle gibt und man offensiv auftreten muss. Es hat mir gefallen und hat ein bisschen den inneren Tiger in mir geweckt. Ich glaube, ich habe das mental ganz gut gemeistert.

BW: Deine Schießleistung ist so gut wie nie zuvor. Was hast du in diesem Sommer verändert?

JDS: Das ist nicht leicht zu beantworten. Ich habe den Fokus tatsächlich verstärkt aufs Schießen gerichtet. In fast all meinen hochintensiven Einheiten habe ich auch geschossen. Vielleicht habe ich in der Vergangenheit in meinen harten Sessions mit hohem Puls weniger darauf geachtet. Das war in der Vorbereitung in diesem Jahr anders, da das Schießen bei hohem Puls sehr wichtig ist. Das war eine gute Entscheidung, die sich jetzt auszahlt.

Bonusfrage: Weihnachten steht vor der Tür. Wie verbringst du mit deiner kleinen Familie die Feiertage?

JDS: Ich freue mich sehr auf Weihnachten. Die Tage sind immer etwas ganz Besonderes für mich, doch jetzt mit Kind ist es noch einmal etwas spezieller. Mein Sohn ist erst drei Monate alt und versteht die ganze Sache noch nicht richtig. Aber ich freue mich sehr darauf, nach Hause zu kommen. Das ist das Wichtigste. Wenn ich zurückkomme, geht es direkt in meine Hütte nach Sjusjøen. Dort liegt richtig viel Schnee. An Heiligabend lassen wir es entspannt angehen mit einem guten Frühstück und einer Tasse Kaffee. Dann fahre ich eine lockere Runde Langlauf, bevor wir einen schönen Heiligabend zusammen genießen. Ich werde ein paar Tage entspannen, das wird meinem Körper und Geist guttun. Ich freue mich wirklich sehr auf die Zeit.

Mit seinem ausgeglichenen Leben und seiner guten Form wäre es keine allzu große Überraschung, wenn Johannes Dale-Skjevdal in den nächsten Wochen einen weiteren Podestplatz zu seiner Erfolgsbilanz hinzufügen würde.

Fotos: IBU/ Christian Manzoni, Leo Authamayou, Nordic Focus

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