Fillon Maillet holt Gold im Einzel über 20 km

Quentin Fillon Maillet lag nach dem zweiten Liegendschießen noch auf Position neun, kämpfte sich dann durch ein schnelles und vor allem fehlerfreies letztes Schießen aber wieder nach vorn und sicherte sich in 48:47,4 Minuten die Goldmedaille im Olympischen Einzelrennen der Männer über 20 km. Nach dem Gewinn seiner ersten Olympiamedaille in der Mixed-Staffel vergangenen Samstag konnte sich der Franzose auf dem Weg zu seiner ersten Einzelmedaille bei Olympischen Spielen heute sogar zwei Schießfehler leisten. Bei seinem sechsten Sieg in diesem Winter sicherte sich Fillon Maillet zudem seinen ersten Erfolg im Zwanziger überhaupt. Auf Rang zwei kam Anton Smolski, der alle zwanzig Scheiben traf und im Ziel 14,8 Sekunden langsamer als Fillon Maillet war. Mit der besten Platzierung seiner Karriere sicherte sich der Belarusse gleichzeitig seine erste Olympiamedaille. Mit Johannes Thingnes Boe kam der Olympiasieger von 2018 nach zwei Strafminuten diesmal auf den Bronzerang (31,1 Sekunden zurück). Der Norweger gewann damit die fünfte Olympiamedaille seiner Karriere, nachdem er am Samstag mit der norwegischen Mixed-Staffel noch ganz oben auf dem Treppchen stand.

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Für Fillon Maillet wird ein Olympiatraum wahr

Im Zielbereich war Fillon Maillet ob seines Gold-Coups überwältigt: „Es mag leicht ausgesehen haben, aber es war extrem hart heute. Nach meinen zwei Schießfehlern hatte ich vielleicht noch aufs Podium spekuliert, aber ich hätte nicht erwartet, am Ende ganz oben zu stehen. Langsam kommen die Emotionen in mir hoch. Das Rennen war unglaublich. Bei den Spielen vor vier Jahren hatte ich schwer zu kämpfen und nun ist ein weiterer Olympiatraum wahr geworden. Wir sind mit der Mixed-Staffel (Silber für Frankreich, Anm. d. Red.) gut in die Wettkämpfe gestartet, heute hat es sogar zum Sieg gereicht.“

Von den Gefühlen überwältigt

Der Franzose sagte weiter: „Es war mein großer Traum und jetzt ist es passiert. Was für ein großartiger Erfolg beim Höhepunkt der Saison. Sowohl beim Schießen als auch läuferisch passt es derzeit einfach. Ich habe enormes Selbstvertrauen, das war heute der Schlüssel zu Gold.“

Große Dankbarkeit

Fillon Maillet zeigte sich als wahrer Champion und dankte allen, die ihm auf seinem langen Weg nach ganz oben unterstützt haben: „Es fühlt sich grandios an. Doch ich weiß, wie viel harte Arbeit und Energie in diesen Erfolg geflossen sind. Ich möchte meiner Familie, meinen Freunden, meiner Partnerin und meinen Teamkollegen für ihren Einsatz danken, genauso wie all den anderen Menschen, die mir auf dem Weg zum Olympiasieg geholfen haben.“

Maxim Tsvetkov (ROC) landete nach einem Schießfehler 34,9 Sekunden hinter dem Sieger auf Rang vier. Der Kanadier Scott Gow verbuchte nach ebenfalls einem Fehler am Schießstand mit Rang fünf (1:05,6 Minuten zurück) das zweitbeste Ergebnis seiner Karriere. Benedikt Doll (Deutschland) landete nach zwei Fehlschüssen 1:07,1 Minuten hinter dem neuen Olympiasieger auf dem sechsten Platz.

Tsvetkov früh in Führung

Einmal mehr zeigte sich die Olympia-Anlage von seiner sonnigen Seite. Mit -5 °C war es nicht allzu kalt, doch der Wind frischte während des Einschießens auf, sodass die Windfähnchen teils heftig hin- und herschaukelten und den 92 Teilnehmern keine einfachen Bedingungen am Schießstand bescherten. Darüber hinaus stellte auch die Strecke wieder große Herausforderungen an die Athleten. Neben der Höhenlage von mehr als 1.600 m über dem Meeresspiegel verschärfte ferner der Schnee, der an einigen Stellen sehr schnell, in schattigen und exponierten Lagen allerdings sehr langsam war, die Anforderungen an den ohnehin schon anspruchsvollen Einzel-Wettkampf weiter. Der als zweiter Starter ins Rennen gegangene Titelverteidiger Johannes Thingnes Boe ging die Strecke zum ersten Liegendschießen schnell an, verfehlte jedoch gleich die zweite Scheibe und geriet so unter Druck. Sein Bruder Tarjei versenkte alle fünf Patronen sicher, war allerdings 18 Sekunden langsamer als der erste Starter des Tages, Maxim Tsvetkov. Kurz nach dem ROC-Athleten verbuchte Fillon Maillet nach sauberem Schießen eine neue Bestzeit. Nach einer wahren Schnellfeuereinlage mit fünf Treffern setzte sich dann Alexander Loginov (ROC) an die Spitze.

Rückstand aufgeholt

Beim ersten Stehendanschlag hatte JT den 30 Sekunden vor ihm ins Rennen gegangenen Tsvetkov bereits eingeholt. Schulter an Schulter trafen die beiden alle fünf Ziele sicher, wobei der Norweger etwas schneller zu Werke ging. Auch sein Bruder Tarjei setzte fünf saubere und schnelle Treffer und schob sich auf Zwischenposition zwei. Fillon Maillet kam mit 18 Sekunden Vorsprung zum stehenden Anschlag, verfehlte jedoch eine Scheibe und handelte sich so 36 Sekunden Rückstand ein. Smolski blieb nach dem liegenden auch im stehenden Anschlag fehlerfrei und übernahm vorläufig den zweiten Rang, während Loginov eine Scheibe verfehlte und mit der Hypothek von 39 Sekunden Rückstand zurück auf die Strecke ging.

Schnelle, saubere Schießleistung

Beim zweiten Liegendschießen lief es für JT wieder perfekt. Er agierte äußerst aggressiv am Abzug, lag jedoch weiterhin 28 Sekunden hinter dem einmal mehr fehlerfreien Tsvetkov. Tarjei Boe blieb bei 15 von 15 und schob sich auf Position zwei, 14 Sekunden vor seinem Bruder. Fillon Maillet handelte sich eine weitere Strafminute ein und fiel mit 1:16 Minuten Rückstand auf Rang neun zurück. Smolski landete zum dritten Mal fünf Treffer und ging nur 7 Sekunden hinter JT als Vierter zurück in die Loipe.

JT wusste, dass er sich durch sein schnelles, sauberes Schießen im Kampf um die Medaillen zurückgemeldet hatte: „Durch mein schnelles, fehlerfreies zweites Schießen konnte ich wieder ein Wörtchen mitreden. Mit neun von zehn Scheiben ist man in der dritten Runde noch gut dabei. Von da an habe ich mich voll auf den nächsten Liegendanschlag konzentriert. Durch die fünf Treffer blieb ich im Medaillenrennen. Das war wichtig, denn im Einzel wird der Kopf mit jedem einzelnen Schuss schwerer. Man muss ruhig bleiben und darf auf der Strecke nicht überpacen, sonst wird sich das am Schießstand rächen.“

Angriff von Smolski

Der Titelverteidiger kam als Erster zum letzten Stehendschießen und verfehlte ein Ziel. Doch auch Tsvetkov ließ die letzte Scheibe stehen, sodass der ROC-Athlet mit nur 11 Sekunden Vorsprung auf die letzten vier Kilometer ging. Das Tableau änderte sich gewaltig, als Fillon Maillet ein überragendes Schießen ablieferte – unter Druck blieb er schnell und fehlerfrei und setzte sich plötzlich mit 20 Sekunden Vorsprung an die Spitze. Die Überraschung des Tages, Scott Gow, räumte nach einem Fehler im zweiten Liegendanschlag die letzten fünf Scheiben sicher ab und schob sich dadurch in die Top 6. Smolski verlieh dem Wettkampf neue Würze, nachdem er auch im vierten Schießen fehlerfrei blieb und mit 2 Sekunden Vorsprung auf Fillon Maillet in die Schlussrunde ging.

Fillon Maillet fährt Gold entgegen

Bei der Zwischenzeit 1.100 Meter vor dem Ziel schob sich JT vor seinen Rivalen Tsvetkov und gab diesen Vorsprung nicht mehr her. Im Ziel war der Norweger 3,8 Sekunden schneller als der ROC-Athlet. Fillon Maillet setzte noch einen obendrauf und vergrößerte den Zeitabstand auf den ersten 900 Metern nach dem letzten Stehendschießen weiter. Dabei lief er zusammen mit seinem jüngeren Teamkollegen Fabien Claude, die sich beide kräftig pushten. An der Zwischenzeit bei Kilometer 18,9 lag der Franzose 29 Sekunden vor der Konkurrenz. Er gab auch auf den letzten Metern alles und sicherte sich seine erste Einzelmedaille bei Olympia, dazu noch Gold, 31,1 Sekunden vor JT. Smolski büßte bei Kilometer 16,9 die Führung gegenüber Fillon Maillet ein und lag 1.100 Meter vor dem Ziel 12 Sekunden hinter dem Franzosen, erkämpfte sich auf den letzten Metern allerdings Silber vor JT Boe.

Glücklich über Bronze

JT Boe freute sich über seine Bronzemedaille: „Ich bin sehr zufrieden. In der Mixed-Staffel lief es fantastisch für mich. Das war ein Rennen, an das ich mich noch lange erinnern werde, da dieses Finish vorher nicht abzusehen war. Das heutige Edelmetall ist ein weiterer Bonus, über den ich sehr glücklich bin.“

Smolski happy mit seinem Rennen

Anton Smolski wusste, dass er für eine Medaille fehlerfrei schießen und sich das Rennen gut einteilen musste: „Ich habe von Anfang an darauf geachtet, das Rennen nicht zu schnell anzugehen. Ich wollte mein Tempo laufen und das hat gut funktioniert. Mir war klar, dass ich nur mit einem fehlerfreien Schießen um einen der vorderen Plätze mitkämpfen kann. Als ich zum vierten Mal an den Schießstand kam, habe ich die Gedanken einfach ausgeschaltet und mein Bestes gegeben. Als das fünfte Ziel weiß wurde, überkam mich ein kurzes Glücksgefühl. Doch ich wusste, dass noch nichts entschieden war. Die Schlussrunde war richtig hart für mich. Ich kann noch nicht richtig begreifen, was hier passiert ist. Auf den letzten Kilometern konnte ich mich am Tempo von Alexander Loginov orientieren. Das hat mir geholfen, denn ohne ihn wäre ich wahrscheinlich langsamer gewesen.“

Fotos: IBU/Christian Manzoni

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