Die Rückkehr von Einar Hedegart: „Mein Plan war es immer, zum Biathlon zurückzukehren.“

Im letzten Herbst wechselte der dreifache Medaillengewinner der IBU-Juniorenweltmeisterschaften 2023 Einar Hedegart vom Biathlon zum Langlauf, weil „ich dachte, dass ich dort bessere Chancen habe.“ Nach zweimal Gold und einmal Bronze in den olympischen Langlauf-Rennen von Mailand/Cortina und nicht ganz ohne Bedenken kehrte Hedegart zu seiner ersten großen Liebe Biathlon zurück und bereitet sich jetzt auf seine erste Saison als Senior im IBU Cup vor. „Es war immer mein Plan, nach einem Jahr zum Biathlon zurückzukehren“

Der 24-Jährige ist eines der vielversprechendsten Talente der letzten Jahre, der neben immenser Laufstärke und großem Schießtalent auch einen klaren Fokus auf sportliche Erfolge im Biathlon mitbringt. Zwischen zwei intensiven Trainingseinheiten sprachen wir mit Hedegart über seine olympischen Erfolge, die Herausforderungen im Biathlon und seinen Traum für die Biathlon-Saison 2026/27.

Biathlonworld: Du bist wieder zurück im Biathlon. Ist das gut oder auch ein bisschen beängstigend?

Einar Hedegart: Definitiv beides. Ich bereue die Entscheidung kein bisschen. Das ist eigentlich die größte Sache, dass ich mich gegen den Langlauf-A-Kader entschieden habe. Es ist auch ein bisschen beängstigend, weil ich im Langlauf ziemlich gut war. Die Chancen für einen Startplatz im Langlauf-Weltcup standen deutlich besser, aber für mich war das die richtige Entscheidung. Biathlon macht mehr Spaß und ich glaube, ich habe da auch deutlich mehr Potential. Das war ausschlaggebend für meine Entscheidung. Ich bin sehr zufrieden und kann sagen, dass ich größere Fortschritte gemacht habe als erwartet.

BW: Zweimal Gold und einmal Bronze bei den Winterspielen, war das mehr, als du dir erträumt hattest?

EH: Ja, absolut. Zumindest vor Saisonbeginn hätte ich das nicht zu hoffen gewagt. Es schien praktisch unmöglich, mir den Traum von Olympia zu erfüllen. Dass ein Sportler aus einer Privatmannschaft es zu den Winterspielen schafft, das hatte es noch kaum je gegeben. Es war ein riesiger Erfolg. Aber wenn man für Norwegen zu Olympia fährt, weiß man, dass auch Medaillen drin sein sollten. Dass ich über 10 km Freistil nur Dritter geworden bin, war um ehrlich zu sein eine ziemliche Enttäuschung. Das war das einzige 10-km-Freistil-Rennen, das ich nicht gewonnen habe. Aber ich habe eben auch die Chance bekommen, im Teamsprint Freistil anzutreten, was völlig unerwartet kam. Die Winterspiele haben meine Erwartungen absolut übertroffen.

BW: Wie ist es dir in den ersten Monaten zurück im Biathlon ergangen? Hast du jeden Tag etwas Neues gelernt?

EH: Ich war schon immer Biathlet. Einerseits wusste ich also schon alles, andererseits habe ich auch viel dazugelernt. Ich habe immense Fortschritte gemacht. Mein neuer Trainer hat mir schon viel beigebracht. Wir sprechen dieselbe Sprache, verstehen einander und haben, weil ich ja von November bis Mai nicht geschossen habe, eine Strategie, wie wir das Schritt für Schritt aufbauen. Da wir oft nur zu zweit sind, ist es leicht, gute Routinen zu etablieren und wir müssen nichts überstürzen. Ich habe mehr gelernt, als ich bei meinen guten Vorkenntnissen erwartet hatte.

BW: Was ist die größte Herausforderung für dich?

EH: Die größte Herausforderung ist, am Schießstand stabil zu werden. Das Laufen ist schon jetzt mehr als ausreichend. Es geht darum, auch mal eine ganze Trainingseinheit lang jedes Mal gut zu schießen und wieder auf das Niveau zu kommen, auf dem man eine ganze Saison lang ohne große Rückschläge mithalten kann. Das ist mühsam, weil ich weiß, dass ich an meinen besten Tagen auch morgen einen Weltcup gewinnen könnte. Aber ich kann das eben nicht oft hintereinander. Das macht Biathlon ja so schwierig: Jeder kann in einem Sprint neun- oder zehnmal treffen. Aber man muss das regelmäßig abrufen können. Das ist die Herausforderung für dieses Jahr. Ich nehme mir die Zeit dafür. Ich weiß, dass ich dieses Jahr nicht auf Sturlas Niveau kommen kann. Wenn ich dieses Jahr eine solide Trefferquote abliefern könnte, wäre das schon eine gute Entwicklung.

BW: Kannst du dich noch an deine erste Erfahrung mit Biathlon erinnern? War das gut, schlecht oder lustig?

EH: Das hat definitiv Spaß gemacht, schon als ich noch jung war und ein guter Schütze. Es hat so viel Spaß gemacht, nicht nur um die Wette zu laufen, sondern auch die Herausforderung beim Schießen zu haben. Ich mochte beides, aber das kombinieren zu können, das war in diesen frühen Jahren wirklich etwas ganz Besonderes. Ich war schon früh ein guter Schütze und das hat mich sehr motiviert. Ich habe nur gute Erinnerungen an meine Anfänge im Biathlon.

BW: Siehst du dich als Perfektionisten, wenn es ums Training geht?

EH: Nein, nicht wirklich. Ich habe eine unkomplizierte Einstellung zum Training, deswegen sind mir die Details nicht so wichtig. Es geht mehr darum, Tag um Tag und Jahr um Jahr weiter zu trainieren, um langfristig Fortschritte zu machen. Aber ich versuche, perfektionistischer zu werden, was die Zeit zwischen den Einheiten und am Schießstand angeht, denn da kommt es drauf an.

BW: Was machst du nach einem harten Trainingstag um dich zu entspannen?

EH: Ich bin einer von den Typen, die eigentlich nichts machen außer Trainieren, Essen, Schlafen. Das füllt zwischen 1. Mai und 1. April etwa 99 % meiner Zeit aus. Abends esse ich noch was, schaue ein bisschen fernsehen und lege die Füße hoch. Aber ein paarmal im Monat treffe ich abends Freunde zum Essen. Ich trainiere auch viel mit meinen Freunden, deswegen sehen wir uns auch da schon viel.

BW: Wie würdest du dich in drei Wörtern beschreiben?

EH: Strukturiert, zielstrebig und motiviert.

BW: Was ist dein Traum für die Biathlon-Saison 2026/27?

EH: Es ist nicht leicht, in den Weltcup zurückzukommen, weil es so viele Jahre her ist, dass ich bei internationalen Wettkämpfen angetreten bin. Ich habe nicht die erforderlichen IBU-Qualifikationspunkte. Mein Traum ist, eine gute Saisoneröffnung abzuliefern, und selbst wenn ich gewinne, muss ich im IBU Cup laufen, so sind die Regeln. Dann geht es nur darum, die nötigen Punkte zu sammeln, um so schnell wie möglich wieder in den Weltcup aufsteigen zu können. Mein Traum ist, Rennen zu gewinnen. Die besten Chancen habe ich im Sprint, weil man da nur zweimal schonhießen muss. Der zweite Traum ist, in der Sprintwertung um das rote Trikot mitzulaufen, die Wertung zu gewinnen, mich für die Weltmeisterschaften zu qualifizieren und vielleicht dort den Sprint zu gewinnen. Das wäre die Traumsaison, aber das ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen! Aber ich bin mir sicher, dass es für mich eine wirklich gute Saison werden kann.

Fotos: IBU/Archiv, Nordic Focus, Einar Hedegart

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