Was läuft gerade bei Denise Herrmann?

Nach dem Gewinn der Gold- und Bronzemedaille bei den Olympischen Winterspielen in Peking und der Aussicht auf Heimweltmeisterschaften in Oberhof hat sich Denise Herrmann dazu entschlossen, weiterzumachen. Sie konzentriert sich darauf, eine noch bessere Biathletin zu werden.

BW: Freuen Sie sich nach so vielen Erfolgen mit Florian (Steirer) darauf, in dieser Saison neue Impulse und Ideen von Sverre (Roeiseland) zu bekommen?

DH: Es war schwer, aber mein Hauptziel ist 2026. Und die jungen Mädels brauchen vielleicht einmal neuen Input. Wenn man sich ansieht, wie erfolgreich das letzte Jahr war, muss man sich wieder in die Arbeit stürzen. Ganz oben ist die Luft sehr dünn und die Norwegerinnen bilden zurzeit die Spitze in diesem Sport. Wir wollen ihnen Paroli bieten und wieder einmal die Nationenwertung gewinnen. Ich selbst bin ja vom Langlauf zum Biathlon gewechselt und habe immer die norwegische Trainingsphilosophie und ansätze bewundert. Ich freue mich darauf, mit einem Norweger zusammenzuarbeiten… Es wird interessant, mehr über die norwegische Schießphilosophie zu lernen. Ich weiß viel über physische Ansätze, aber vielleicht gibt es beim Schießen noch einen anderen Weg. Das wichtigste ist es, die Scheiben zu treffen!

Ich vermisse Florian. Wir haben so viel zusammen erreicht. Diese Erfolge werde ich immer in meinem Herzen bewahren und an ihn denken. Er ist ein toller Trainer und wird andere Mädels zu großen Erfolgen führen.

Wir haben ein sehr gutes Team. Christian (Mehringer) kennt uns gut. Er ist super in Form und kann uns im Training folgen und herausfordern. Es ist toll, wenn ein Trainer sich nicht nur auf den Schießstand fokussiert. Es wird interessant mit diesen beiden neuen Trainern. Wir werden ins Trainingslager nach Lillehammer fahren und Marte wird teilweise mit uns trainieren. Das ist super cool. Ihr beim Training zuzusehen und manche Dinge zu besprechen wird sehr interessant. Und wenn sie nach Ruhpolding kommt, können wir ihr vielleicht ein paar Dinge zeigen… Sie war letztes Jahr und bei der WM in Antholz die Beste. Mit ihrer Form hätte sie die Weltcupgesamtwertung in den letzten drei Saisons gewinnen können… Es ist wie eine große Familie. Wir können uns gegenseitig unterstützen und so jeweils ein höheres Leistungsniveau erreichen.

BW: Wollen Sie dieses Jahr den Weltcupgesamtsieg ins Auge fassen?

DH: Der Gesamtsieg ist nicht mein Hauptziel, sondern die Heimweltmeisterschaften.

BW: Spielt bei Ihrem Fokus auf die WM das Steigern Ihrer Schießleistung ebenfalls eine Rolle?

DH: Ich will meine Trefferquote erhöhen. Liegend bin ich nicht gerade langsam, aber ich muss natürlich treffen. Wenn man sich sicher fühlt, kann man auch schneller schießen. Die Scheiben zu treffen, verleiht einem Selbstvertrauen. Stehend verliere ich nicht zu viel Zeit auf andere, aber ich will Null schießen. Man will immer konkurrenzfähig sein und überall die Beste. Manchmal ist es eine Herausforderung, ruhig zu bleiben und sich auf die Scheiben und nicht die Zeit zu konzentrieren. Man muss eine Balance zwischen diesen beiden Faktoren finden.

BW: Arbeiten Sie auch noch an Ihrer Laufstärke, obwohl sie in der letzten Saison wieder super schnell unterwegs waren?

DH: Zwei Jahre lang habe ich eine schwierige Zeit durchgemacht. Vielleicht hatte ich zu viel trainiert, aber ich wollte unbedingt den Gesamtsieg angreifen. Ich wusste, es war ein Risiko, aber ich wollte es versuchen. Manchmal scheitert man und lernt aus seinen Fehlern. Man sollte sie nie wiederholen! Letztes Jahr lief es viel besser. Im letzten Trimester war ich wieder die alte Denise… Wenn man wieder zu seiner alten Stärke zurückfindet, begreift man, dass es nicht so einfach ist. Jedes Jahr ist es ein Prozess, wieder richtig in Form zu kommen.

Ich bin ein Workaholic. Manchmal setze ich mich selbst unter Druck und ich muss wieder herunterfahren… Man sollte immer auf seinen Körper hören, vor allem, wenn man älter wird. Dann braucht man mehr Erholungspausen. Ein frischer Geist und Körper sind zu Saisonbeginn sehr wichtig. Jedes Jahr ist eine Herausforderung, aber es macht Spaß, sich ihr zu stellen!

BW: Was denken Sie über Athletinnen, die vom Langlauf zum Biathlon wechseln?

DH: Es ist interessant, Mädels wie Anamarija Lampič zum Biathlon kommen zu sehen. Zusammen mit Stina (Nilsson) auf dem Treppchen zu stehen, war ein tolles Gefühl für mich. Einen Sprint nach so langer Zeit zu gewinnen und bei ihrem ersten Podestplatz dabei zu sein, nachdem wir beide auf dem Langlauflager herübergewechselt sind, war toll… Ich kenne sie schon viele Jahre und wenn es ums Ganze geht, ist sie eine starke Kämpferin. Sie zeichnet sich im Biathlon durch denselben Fokus und dieselbe Arbeitsethik aus, die sie zur besten Langläuferin gemacht haben.

BW: Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie sich für Laufen, Rollerskifahren oder Fahrradfahren entscheiden?

DH: Ich liebe es, zu laufen. Ich bin nicht sehr schnell, aber ich laufe gern in den Bergen. Fahrradfahren ist nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Das Gute ist, dass man das nächste Café ansteuern kann. Aber ich liebe das Laufen, weil man einfach überall hin kann.

BW: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

DH: Ich genieße es einfach, mit meinem Freund zu Hause zu sein, schön zu frühstücken, in Ruhpolding an den See zu gehen und die Natur zu genießen. Wenn ich eine Woche frei habe, fahre ich an den Strand.

BW: Was machen Sie am liebsten nach einem harten Trainingstag?

DH: Ich schlendere gern durch den Ort und gönne mir ein leckeres Eis. Ich entspanne einfach, anstatt Hausarbeit zu erledigen.

BW: Was motiviert Sie jeden Tag?

DH: Immer besser zu werden und neue Dinge zu finden, die mein Körper schaffen kann. An Details zu arbeiten. Und nach einer oder zwei Wochen gehen Dinge, die man nicht sehen kann, besser von der Hand. Um sich um 0,1 % zu verbessern, muss man jeden Tag perfekt arbeiten.

BW: Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

DH: Etwas zu strukturiert, ein Workaholic. Aber ich kann mich auch entspannen: Einfach mit einem Buch auf dem Sofa liegen, lesen und relaxen. Wenn das Haus etwas unordentlich ist, räume ich sofort auf. Ich mag es sauber.

Photos: IBU/ Christian Manzoni, Jerry Kokesh

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