Fünf brennende Fragen an Vetle Sjåstad Christiansen
Rund um das Blinkfestivalen scheint ein Athlet immer fest entschlossen, ums Podium zu kämpfen: Vetle Sjåstad Christiansen. So auch am letzten Wochenende, als der Norweger zum zweiten Mal das Double aus Sprint und Massenstart gewann und seine Erfolgsbilanz beim Blinken damit auf acht Siege ausbaute. Niemand sonst kann mehr Erfolge bei dem Event vorweisen.
Dank seiner lockeren Art und aufgeschlossenen Persönlichkeit zählt der 34-Jährige zu den Publikumslieblingen beim Blinken, wo die Fans die gesamte Action hautnah miterleben können. Von den Leistungen des Norwegers auf der Strecke und auf dem Podium waren sie begeistert. Am Tag nach seinem Doppelsieg nahm sich Christiansen Zeit für unsere fünf brennenden Fragen. Dabei verriet er auch, welche neue Motivationsquelle er gefunden hat, um seine Biathlon-Karriere noch etwas fortzusetzen.
Biathlonworld (BW): Lag der Schlüssel für die beiden Siege am Wochenende vielleicht darin, die Wettkämpfe nicht allzu ernst zu nehmen? Schließlich war es der erste richtige Test ...
Vetle Sjåstad Christiansen (VSC): Könnte man so sagen. Aber diese Show-Rennen im Sommer bringen ihre eigenen Herausforderungen mit sich. Bei den warmen Temperaturen und hohen Geschwindigkeiten auf Skirollern komme ich auf einen Puls von 196, zum Beispiel beim letzten Schießen am Freitag. Das ist Herausforderung genug. Meine Routine und Ruhe in den engen Duellen ist aber sicher von Vorteil.
BW: Du hast das Halbfinale im Massenstart souverän gewonnen und konntest auf der letzten Runde etwas rausnehmen. Warst du vor dem Finale zuversichtlich?
VSC: Ja, aber das Finale ist aus mentaler Sicht eine andere Hausnummer als ein Halbfinale. Im Halbfinale kann man sich den einen oder anderen Fehler leisten und trotzdem weiterkommen. Im Finale hingegen hat man diesen Spielraum nicht, wenn man gewinnen will.
BW: Du hast nun acht Siege beim Blinken. Was macht diesen Ort für dich so besonders?
VSC: Ich glaube, ich weiß mittlerweile einfach, wie man diese Show-Rennen angeht. Sicherlich habe ich dank meiner Größe und Statur einige Vorteile mit den Skirollern auf Asphalt, andererseits bin ich nicht der schnellste Schütze im Feld. Doch ich habe ein gutes Verhältnis zwischen Angriff und Kontrolle am Abzug gefunden.
BW: Wie fühlt es sich an, einen schnellen, jungen Athleten wie Eric Perrot zweimal zu schlagen?
VSC: Es fühlt sich super an! Da hat der alte Hase im Feld den Jungen gezeigt, dass er noch lange nicht fertig ist. Gerade bei einem Wettkampf wie diesem, wo der Erfolgsschlüssel die Geschwindigkeit ist – und die hat man normalerweise eher mit Mitte 20.
BW: Im Sommer hast du eine ziemlich spektakuläre Reise in die USA unternommen, mit Golfspielen und einem Abstecher zur Fußball-WM. Was war dein persönliches Highlight dieser Reise?
VSC: Mein persönliches Highlight war die einzigartige Atmosphäre rund um das norwegische Nationalteam. Es war eine fantastische Erfahrung, diese Stimmung live im Stadion auf der Tribüne und nicht selbst am Schießstand mitzuerleben. Ich konnte meinen Emotionen freien Lauf lassen. Als Biathlet versucht man ja, am Schießstand alles um einen herum auszublenden. Daher war es großartig, das alles von der anderen Seite aus zu erleben und als Fan voll mitzugehen. Das hat mir auch vor Augen geführt, warum wir den Sport so sehr lieben. Und es hat mir neue Motivation verliehen, hoffentlich noch ein paar Jahre weiterzumachen.
Bonusfrage: Hattest du dir vor dem Wochenende schon einen Plan überlegt, wie du die Fans bei der Siegerehrung animieren würdest, oder hat sich das spontan ergeben?
VSC: Ich habe immer einen Plan. 😅 Das sorgt für eine gute Portion Druck!
Fotos: IBU/Christian Manzoni, Nordic Focus