Expertenmeinung: Makarainen über Finnische Biathlonerfolge und den Weltcupgesamtsieg
INTRO Die dreimalige Weltcupgesamtsiegerin Kaisa Mäkäräinen sprach mit uns nach den Rennen in Kontiolahti und vor der entscheidenden Wettkampfwoche in Otepää. Die finnische Legende erinnerte sich an die freudige Atmosphäre im Stadion, mit der die Heim-Fans auf die großartige Saison der finnischen Mannschaft, angeführt von Suvi Minkkinen, reagierten. Sie analysierte auch die Situation der Weltcupgesamtführenden Lou Jeanmonnot und Eric Perrot, bevor das Rennen um die Kristallkugel in die entscheidende Phase geht. Außerdem erklärte uns Mäkäräinen, warum die schwedischen Damen in Kontiolahti so stark waren und welche Einstellung es braucht, um in Otepää zu siegen.
Die Atmosphäre in Kontiolahti überraschte selbst jene, die den Austragungsort wie ihre Westentasche kennen. Es war bekannt, dass viele finnische Fans die Rennen verfolgen wollten, doch das wahre Ausmaß der Unterstützung wurde erst klar, als alle ihre Plätze im Stadion und an der Strecke eingenommen hatten. Die Ticketverkäufe hatten eine tolle Atmosphäre vorhergesagt, doch die Erlebnisse vor Ort übertrafen alle Erwartungen. Nach einigen Jahren, in denen der Austragungsort an Besucherzahlen gekrankt hatte, war es wunderbar zu sehen, dass die finnischen Biathleten dank ihrer großartigen Leistungen in dieser Saison und bei den Olympischen Winterspielen Milano/Cortina 2026 in Antholz so viele Zuschauer anzogen. Die Fanmassen feuerten alle Athleten an.
Die diesjährige starke Saison war wichtig für den finnischen Biathlonsport. Angeführt von Suvi Minkkinen zeigte das Team eine ihrer besten Saisonleistungen aller Zeiten. Ein ausgeprägter Teamgeist, die tolle Arbeit der Trainer und das jahrelange Commitment zahlen sich aus. Es ist wunderbar, dass Erik Torneus-Kulstad und Aku Moilanen auch weiterhin mit der Mannschaft arbeiten werden. So können sie auch in Zukunft ihr bewährtes System, auf welches die Athleten vertrauen, weiterentwickeln. Zu sehen, wie Minkkinen als erste finnische Athletin eine Olympiamedaille gewann, war ein wunderbarer Moment. Gleichzeitig war es toll, dass erfahrene Athleten wie Tero Seppala und Olli Hiidensalo – die bereits zu meiner aktiven Zeit im Team waren – weiterhin an den Start gehen. Sie inspirieren die junge Generation und ihr Einfluss ist deutlich zu sehen, zum Beispiel als Inka Hamalainen zwei Medaillen bei der Juniorenweltmeisterschaft holte.
Das Rennen um den Gesamtsieg war ebenfalls spannend mitanzusehen in Kontiolahti. Lou Jeanmonnot und Eric Perrot starteten in Gelb nach den erfolgreichen Olympischen Winterspielen, doch sie reagierten unterschiedlich auf die neuen Bedingungen und den erhöhten Druck als Weltcupgesamtführende. Perrot schien voll fokussiert auf seinem Weg in Richtung Weltcupgesamtsieg. Noch bevor die Rennen begannen, schienen die Strecken von Kontiolahti mit ihren langen und steilen Anstiegen gut zu seinem Laufstil zu passen. Doch beide – sowohl Perrot als auch Jeanmonnot – müssen jedes Rennen einzeln angehen und dürfen nicht zu weit in die Zukunft schauen, auch wenn das Saisonende bereits vor der Tür steht. Im Moment scheint Perrot ruhiger zu sein als Jeanmonnot, die gerade eine schwierige Phase durchmacht. Doch sie konnte in der vergangenen Saison wichtige Erfahrungen sammeln und weiß nun, wie sie schlechte Tage abschütteln und sich neu sammeln kann. Sie muss sich nur an ihre übliche Routine halten. Das ist allerdings nicht immer leicht, wenn der Weltcupgesamtsieg auf dem Spiel steht.
Ich weiß, wie sich dieser Saisonabschnitt anfühlt. Die Aufmerksamkeit der Medien nimmt beträchtlich zu. Die Weltcupstände werden im März immer wieder durchgerechnet und man bekommt in jedem Interview Fragen zum Gesamtsieg gestellt. In solchen Momenten ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass man den besten Job auf der ganzen Welt hat und dass man diesen so gut wie möglich genießen sollte.
Die schwedischen Athletinnen zeigten in Kontiolahti herausragende Leistungen. Die Oeberg-Schwestern – vor allem Elvira – und auch Anna Magnusson lieferten starke Rennen ab. Blickt man zurück, haben die Schweden oft gute Resultate in Kontiolahti erreicht. Die schwedischen Damen waren außerdem nach den medaillenlosen Olympiawettkämpfen in Antholz sehr motiviert, es besser zu machen. Enttäuschungen bei Olympia können starke Reaktionen hervorrufen. Ich kenne das! Ein weiterer Faktor könnte sein, dass sich die Strecken in Kontiolahti und Östersund sehr ähneln und sich die Schwedinnen hier quasi wie zu Hause fühlen. Dazu kommt, dass sie vor Antholz viel Zeit in Höhentrainingslagern verbracht haben. Wenn Sportler dann auf Meereshöhe zurückkehren – wo sie auch leben und trainieren – kann der Körper sehr positiv darauf reagieren.
In Otepää sollte der Fokus der Athleten auf denselben Dingen liegen wie zuvor in dieser Saison. Obwohl sich die Saison langsam dem Ende nähert, sollten sie ihren Ansatz nicht verändern oder bereits in den Entspannungsmodus wechseln. Sie müssen sich weiterhin genau vorbereiten und den Druck hochhalten, um gute Ergebnisse zu erzielen. Wer sich auch nur ein klein wenig entspannt, wird Probleme bekommen. In Otepää werden in der kommenden Saison auch die IBU Weltmeisterschaften ausgetragen. Das macht diese Woche noch wertvoller. Die Athleten haben die Möglichkeit, den Austragungsort besser kennenzulernen – und das sollten sie mit vollem Einsatz angehen.