Expertenmeinung Antholz 2026: Windisch über Lisa Vittozzi

Antholz hat dem italienischen Team schon einige Erfolge beschert. Dominik Windisch spricht in seiner Expertenmeinung über Lisa Vittozzis Olympiagold in der Verfolgung, bei dem sie ein Paradebeispiel für Gelassenheit, technische Präzision und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ablieferte. Voraussetzung dafür: Resilienz und Talent. Für Tommaso Giacomel sieht Dominik Windisch realistische Chancen im Massenstart, sofern der Italiener sein Tempo kontrollieren kann und kein unnötiges Risiko eingeht. Denn der Massenstart erfordert von den Athleten, dass sie absolut im Moment bleiben.

Grundstein für Lisa Vittozzis Goldmedaille in der Verfolgung war vor allen Dingen ein erstklassiges Schießen. Ihre Gelassenheit am Schießstand war einmalig: Sie schoss schnell, ging aber kein unnötiges Risiko ein und hatte sich und das Rennen zu jedem Zeitpunkt unter Kontrolle. Ihre Präzision am Abzug passte perfekt zu ihrem konstanten Tempo in der Loipe: Lisa blieb immer in ihrem Rhythmus. Den Grundstein für ihren Triumph legte Vittozzi bereits im Sprint, wo sie ohne Schießfehler Fünfte wurde – eine ideale Ausgangsposition für eine dosierte und dennoch entschlossene Attacke in der Verfolgung.

Nach ihren WM-Titeln und dem Gewinn des Gesamtweltcups hat Vittozzi durch ihr Olympiagold nun eine ganz besonders prestigeträchtige Trophäensammlung vervollständigt. Ihr Vermächtnis beruht letztlich aber nicht nur auf ihren Erfolgen, sondern vor allem auf ihrer Reaktion nach Rückschlägen. Nachdem sie im Vorjahr eine der schwersten Krisen ihrer sportlichen Laufbahn durchlebt hatte, hat sie sich nun wieder an die absolute Weltspitze zurückgekämpft. Diese Widerstandsfähigkeit und Entschlossenheit, stärker als je zuvor zurückzukommen, könnte ihr größter Verdienst werden.

Ihre mentale Stärke in Antholz ist auch das Ergebnis ihrer guten und weniger guten Erfahrungen in den letzten Jahren. Sie ist bei den Wettkämpfen an den Start gegangen, ohne sich allzu große Gedanken um die Ergebnisse zu machen. Stattdessen hat sie sich einzig und allein auf ihre Leistung konzentriert und am Renntag alles gegeben. Nach dem Sprint zeigte sie sich trotz des knapp verpassten Podiums zufrieden mit ihrer Performance, da sie alles richtig gemacht hatte. Mit dieser Einstellung ist sie dann in der Verfolgung angetreten. Dabei blieb sie präsent und hat sich nie von der möglichen Goldmedaille ablenken lassen. Nach der Mixed-Staffel, in der sie die Silbermedaille für Italien nach Hause brachte, bat ich sie, ihre Leistung mit einem Wort zu beschreiben. Sie sagte: „Selbstvertrauen“. Nach all den Höhen und Tiefen kennt sie sich extrem gut.

Mit Blick auf den Massenstart bleibt für mich Tommaso Giacomel ein ernsthafter Kandidat, obwohl er bis dato noch keine Einzelmedaille in Antholz gewinnen konnte. Bisher verlaufen die Olympischen Spiele nicht nach seinen Vorstellungen. Aber er macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen. Der Massenstart könnte ihm mit seinen Stärken in die Karten spielen. In dieser Disziplin stehen die direkten Duelle Mann gegen Mann im Mittelpunkt und jedes Rennen kann bis zum Schluss eine ungeahnte Wendung nehmen. Der Rhythmus kann immer wieder wechseln, die Situation kann sich ändern und es bringt nichts, sich mit Fehlern aufzuhalten. Die Athleten wissen immer genau, wo sie sind. Grübeln bringt nichts, der Fokus sollte immer nur auf dem nächsten Schießen liegen. Sprint und Einzel sind da völlig anders. Man hat auf der Strecke viel Zeit, um über Fehlschüsse nachzudenken. Dabei kann der Druck vor der nächsten Einlage manchmal Überhand nehmen.

Im Massenstart liegt der Schlüssel für Giacomel im Liegendanschlag, wo er in den Einzelrennen relativ viele Scheiben verfehlte. In Antholz kommt es auf eine gute Renneinteilung an. Wenn man zu schnell ins Stadion einläuft, kann sich das rächen. Am besten ist es, in einem Pace-Korridor zu bleiben, der ein stabiles Schießen ermöglicht. Zwar können mutige Attacken vor dem Schießstand verlockend sein, doch Kontrolle und Geduld sind hier wichtiger. Daher ist der Rat ziemlich einfach: keine wilden Attacken vor dem Schießstand. Die Athleten sollten auf ihr Tempo vertrauen und Atmung und Puls unter Kontrolle bringen.

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