Jeanmonnot ist für mich die perfekte Biathletin. Sie ist läuferisch sehr stark und zeigt am Schießstand unglaublich stabile Leistungen. Dazu kann sie an fast jedem Tag eine technisch saubere und zuverlässige Routine abrufen. Dadurch kann sie mit großem Selbstvertrauen in die Wettkämpfe gehen und diese manchmal nach Belieben gewinnen – eine Qualität, die ihre Leistung nicht nur effektiv, sondern auch sehenswert macht.
Trotz alledem hat bei den Frauen Anna Magnusson bisher vielleicht das stärkste Ausrufezeichen gesetzt. Die Schwedin scheint das perfekte Gleichgewicht in ihrem Leben und ihrer Karriere gefunden zu haben, bei dem einfach alles Gute zusammenkommt. Doch diese Leichtigkeit ist das Ergebnis jahrelanger unermüdlicher Arbeit. In dieser Saison wirkt sie am Schießstand unwahrscheinlich selbstsicher. Ihre Bewegungsabläufe erfolgen nahezu automatisch, und in der Loipe ist sie stark wie nie zuvor. Ihre Schnelligkeit ist die perfekte Ergänzung zu ihrem erstklassigen Schießen. Sie hat sich das Gelbe Trikot mehr als verdient und wird sicherlich viel Selbstvertrauen daraus ziehen, dass sie vor drei Jahren schon einmal ein Sprintrennen in Annecy-Le Grand Bornand gewinnen konnte. Für die österreichischen Frauen war Hochfilzen kompliziert. Das Team, allen voran Lisa Theresa Hauser, hat sich selbst enorm unter Druck gesetzt. Das war kontraproduktiv. Aus etwas unerklärlichen Gründen passen Hauser und Hochfilzen bisher einfach nicht zusammen. Ihre Form ist insgesamt trotzdem gut und sie wird auch bald wieder Top-Ergebnisse abliefern. Johan Olav Botn hat mich bisher überrascht. Er ist eher ein Spätzünder, der etwas Zeit brauchte, bis ein Rädchen ins andere greift. Doch jetzt sind seine Ergebnisse spektakulär. Er ist als großartiger Läufer bekannt, womit er bei mir natürlich einen Nerv trifft. Doch sein Schießen schien bisher oft wacklig. Im Sommer hat er einen guten Rhythmus gefunden und mit in den Winter genommen. In seiner aktuellen Form kann ihn niemand aufhalten.
Seine Trefferquote ist in diesem Winter deutlich höher als in den zurückliegenden Saisons, was der Schlüssel für seinen Erfolg ist. Wenn ein Athlet derart in den Flow kommt wie er, kann er lange auf dieser Erfolgswelle reiten. Er muss nur genau das machen, was bei ihm gut funktioniert. Wenn du im Flow bist, handelst du einfach, ohne viel nachzudenken. Machen statt analysieren heißt die Devise. Dieses Gefühl ist wunderbar, braucht aber auch jahrelange harte Arbeit. Botn ist der lebende Beweis dafür, genauso wie Magnusson.
Der Saisonstart von Sturla Holm Lægreid war nicht so gut wie sonst, aber er ist trotzdem nahe am Podium. Seine Laufleistung wird stetig besser und wenn er auch am Schießstand noch ein Quäntchen zulegt, wird er wieder um den Sieg mitkämpfen. Wahre Champions werden immer einen Weg finden – und Lægreid ist einer echter Champion.
Als nächste Weltcup-Station wartet nun Annecy-Le Grand Bornand. Die Bedingungen in den französischen Alpen ähneln denen in Hochfilzen. Es gibt nicht viel Schnee und der Schnee ist oft etwas nass. Bleibt zu hoffen, dass es nicht regnet. Worauf wir uns allerdings freuen dürfen, ist die einzigartige Atmosphäre. Die Begeisterung der französischen Fans kennt keine Grenzen. Sie sind laut, stimmungsvoll und frenetisch. Die meisten Biathlon-Asse mögen das, so auch Lisa Theresa Hauser.
In Frankreich dürfen wir auch einiges von Eric Perrot erwarten. Er ist ein toller Athlet – stabil, cool und er liebt Herausforderungen. Bei der Jagd nach dem Sieg vor einem leidenschaftlichen Heimpublikum hat er nun die Chance, richtig zu glänzen.