Expert‘s Corner Antholz-Anterselva: Dominik Windisch

Dominik Windisch aus Rasen-Antholz ist das neueste Mitglied unseres Expertenteams. Er war ein Athlet, der in Situationen aufblühte, an denen andere zerbrachen. Er gewann Bronze im Sprint bei den Olympischen Spielen in PyeongChang 2018, als der Wind Martin Fourcades und JT Boes Träume verwehte. Windisch holte Gold im Massenstart in Östersund 2019, als stürmische Böen nicht nur die Moral der Athleten, sondern den ganzen Schießstand zum Wackeln brachten. Als Schlussläufer des berühmten Mixed-Staffel-Teams Wierer-Vittozzi-Hofer-Windisch erkämpfte er sich vier Medaillen. Außerdem kennt Dominik Antholz-Anterselva wie seine Westentasche.

Antholz ist traditionell die letzte Weltcupstation vor den Medaillenkämpfen. Es ist quasi die Generalprobe, bei der noch einmal etwas ausprobiert werden kann, bevor es ernst wird. Bei BMW IBU Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen geht es weniger um die Form, sondern um die Fähigkeiten. Für viele Teams sind die Rennen in Antholz die letzte Gelegenheit, sich für Oberhof 2023 zu qualifizieren. Manche experimentieren noch mit der Staffelaufstellung herum. Ich habe immer in Antholz zu meiner Form gefunden, weil ich mehr Zeit als andere Athleten brauchte, um in Gang zu kommen. Es ist wichtig, in Antholz genügend Selbstvertrauen zu tanken, denn danach kommen zwei Wochen Pause. Meistens nimmt man die Gefühle der letzten Rennen mit in die Erholungsphase. Wenn man Antholz mit Selbstzweifeln und Unsicherheiten verlässt, ist es schwer, diese ohne weiteres Rennen wieder abzulegen.

Dank der wunderschönen Umgebung und der spitzenmäßigen Unterbringung zählt Antholz zu den besten Stationen für die Athleten. Es bietet faire Bedingungen und wunderbares Wetter. Auch die Fans spielen in Antholz eine sehr wichtige Rolle: Sie haben eine großartige Zeit – nicht nur bei den Wettkämpfen an der Strecke. Ihre Begeisterung spült mehr Energie auf die Strecke. Glauben Sie mir, die Athleten spüren das! Ich wohne in Antholz, aber für mich war es trotzdem besser, während des Weltcups im Hotel zu übernachten. Zwischen Familie und Freunden verbraucht man mehr emotionale Energie.

Die Hälfte der Saison ist vorbei, aber alles kann sich über Nacht ändern, wenn man krank wird. JT Boe läuft auf einem unglaublichen Niveau. Er leistet sich vielleicht einmal einen Patzer am Schießstand, aber er wirkt (fast) unschlagbar. Julia Simon zeigt eine bemerkenswerte Beständigkeit auf hohem Niveau bei den Damen. Ich glaube, bei den Damen geht es enger zu als bei den Herren. Das bedeutet wiederum mehr Überraschungen und Spaß. Elvira Oeberg, Lisa Vittozzi, Dorothea Wierer und viele andere bewegen sich auf einem unglaublichen Niveau. Alles kann sich schnell ändern.

Ich habe viele unvergessliche Momente mit Lisa und Doro erlebt. Ich hoffe, sie können sich gegenseitig noch stärker antreiben. Ich freue mich unglaublich für Lisa! Es ist fantastisch, sie wieder in Siegerform zu sehen. Ich weiß, wie hart sie mit neuen Trainern an einem neuen Schießansatz gearbeitet hat. Manchmal lesen die Fans Interviews von Doro, in denen steht, dass sie sich nicht gut fühlt. Und am nächsten Tag gewinnt sie. Das ist die alte Doro! Ich kenne sie. Ich denke, es ist ihr Weg, mit Druck umzugehen: Wenn sie ihre Form herunterspielt, ist das ein gutes Zeichen.

Tommy Giacomel hat dieses Jahr einen großen Sprung geschafft. Ich freue mich für ihn, denn er gibt alles für den Biathlonsport. Er hat viel Potenzial und seine Arbeitsethik ist unvergleichlich. Meine größte Stärke ist allerdings gleichzeitig seine größte Schwäche: Er ist sehr emotional. Er kann die Kraft finden, um sich immer weiter zu steigern und auf einer Erfolgswelle zu schwimmen. Aber er kann auch in ein tiefes Loch fallen, wenn die Dinge nicht so laufen wie geplant. Dieses Jahr ist er etwas ausgeglichener. Er verbessert sich Tag für Tag. Ich denke, er kann ein wirklich starker Athlet werden.

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