Thomas Marchl, Gesamtsieger im IBU-Junior-Cup: „Kann von Biathlon nicht genug bekommen“
Thomas Marchl zählt zu den vielversprechendsten Talenten im österreichischen Biathlon. In der abgelaufenen Saison 2025/26 sicherte er sich im IBU-Junior-Cup die Gesamtwertung und träumt nun von seinem Weltcup-Debüt. Dabei hat er sich selbst ambitionierte Ziele für die nächsten Jahre gesetzt.
Schon als Junge war Thomas Marchl fest entschlossen, Profisportler zu werden. Mit 13 musste er sich dann entscheiden: Skilanglauf oder Biathlon? Sein Weg führte ihn aus seinem Heimatort Kuchl ins vier Zugstunden entfernte Sportinternat.
„Als ich ins Internat kam, war ich natürlich noch sehr jung und musste erst lernen, für mich selbst Verantwortung zu übernehmen. Doch ich wusste schon damals, dass es ein wichtiger Schritt für mich ist, wenn ich Biathlonprofi werden will“, so der heute 21-Jährige.
Im Sportinternat konnte Marchl nicht nur Schulabschluss und Training wunderbar miteinander kombinieren, sondern im Anschluss sogar eine Lehre beginnen. „Ich habe eine Ausbildung zum Maschinenbautechniker gemacht und kann mir gut vorstellen, nach meiner Biathlon-Karriere in diesem Beruf zu arbeiten.“
Dabei hat seine Laufbahn als Skijäger gerade erst begonnen. Im Juli 2025 zog er nach Hochfilzen und wurde Teil der dortigen Trainingsgruppe. Seine ersten Erfolge feierte er dann bereits im Dezember: Zunächst sein Debüt im IBU-Cup, dann den Sieg beim IBU-Junior-Cup in Goms und konstante Ergebnisse in Martell. „Mit der ersten Saisonhälfte bin ich sehr zufrieden“, so Marchl. Auch 2026 begann für ihn gut – mit einem Sieg im Sprint von Madona. „Die Europameisterschaften der Junioren in Imatra waren für mich mental nicht leicht. Im Saisonverlauf stand ich immer wieder auf dem Podium, doch bei der EM holte ich erst im letzten Rennen beim Massenstart 60 die ersehnte Medaille.“
Wichtige Lektionen für die Zukunft
Bei den Junioren-Weltmeisterschaften im März am Arber erlebte Thomas Marchl einen kleinen Rückschlag. Er konnte seine konstanten Leistungen vom Saisonbeginn nicht abrufen. Platz 7 im Einzel war sein bestes Ergebnis, den Sprint ließ er gleich ganz aus. „Am Arber war ich in den Rennen unwahrscheinlich müde. Ich hatte in den Pausen zwischen den Wettkämpfen zu viel trainiert und mein Körper war ausgelaugt. Doch das wird mir eine wichtige Lehre für die Zukunft sein“, erläutert der Österreicher.
Ungeachtet dessen wird ihm die Saison 2025/26 in guter Erinnerung bleiben, da er die Heimreise nach dem letzten Wettkampf mit gleich drei Kristallkugeln antreten konnte. „Es war für mich schon eine Überraschung, dass ich neben den Disziplinwertungen in Sprint und Einzel auch die Gesamtwertung im IBU-Junior-Cup gewinnen konnte. Darauf bin ich sehr stolz.“ Mit Blick auf seine Trophäen bleibt er bescheiden: „Ich habe sie meiner Mama geschenkt und gesagt, sie kann damit machen, was sie wolle. Sie hat die Kristallkugeln im Wohnzimmer aufgestellt“, schmunzelt Marchl.
Streben nach kontinuierlicher Verbesserung
In diesem Sommer möchte Marchl vor allem am Schießen arbeiten, um noch konstanter und schneller am Abzug zu werden. „Es kommt schon vor, dass ich dreimal verfehle. Das ist unnötig und ich möchte mich hier verbessern, vor allem, wenn ich im IBU-Cup vorne mitmischen will.“
Neben diesem Ziel für die neue Saison möchte er auch um einen Startplatz im Weltcup kämpfen. Nach den Weltmeisterschaften 2028 zu Hause in Hochfilzen peilt er die Olympischen Winterspiele 2030 in Frankreich an. Bleibt fürs Erste nur noch eine Frage offen: Was macht Thomas Marchl eigentlich, wenn er nicht gerade an seiner Zukunft im Biathlon arbeitet? „Meine Freunde sagen, dass ich die ganze Zeit nur an Biathlon denke. Ich glaube, sie haben recht.“
Fotos: IBU I Deubert, Authamayou