Roeiseland sprintet zu Olympiagold

Als Marte Olsbu Roeiseland auch das Stehendschießen beim heutigen Sprintrennen über 7,5 km ohne Fehler beendete, ging sie mit 12,9 Sekunden Vorsprung auf das restliche Feld in die Schlussrunde. Auf den abschließenden 2,5 km zeigte sie eine famose Laufleistung und sicherte sich in 20:44,3 Minuten Olympiagold. Damit komplettierte die norwegische Top-Biathletin ihren Medaillensatz in Individualrennen bei Olympischen Spielen, nachdem sie Anfang der Woche im Einzelrennen über 15 km Bronze und im Sprint vor vier Jahren in PyeongChang Silber gewonnen hatte. Darüber hinaus gewann sie mit der Mixed-Staffel Gold in Peking sowie Silber bei den Spielen 2018. Sprint-Silber ging am heutigen Tag an Elvira Oeberg, die nach ebenfalls fehlerfreiem Schießen eine schnelle Schlussrunde in den Schnee zauberte und im Ziel 30,9 Sekunden Rückstand auf die neue Olympiasiegerin aufwies. Damit gewann die Schwedin erstmals Edelmetall bei einem großen Wettkampf im Frauenbereich, nachdem sie zuvor bei den IBU-Weltmeisterschaften der Jugend und Junioren auf dem Podest stand. Bronze holte sich heute mit einem Rückstand von 37,2 Sekunden die Italienerin Dorothea Wierer, die ebenfalls alle zehn Scheiben traf und damit ihre erste olympische Einzelmedaille errang. Bei den Spielen 2014 und 2018 gewann Wierer jeweils Bronze mit der italienischen Mixed-Staffel.

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„Bester Wettkampf meines Lebens“

Die neue Olympiasiegerin übte sich ob ihres Triumphes in Understatement, betonte allerdings einmal mehr, wie viel Spaß sie in dieser Saison am Biathlon hat und wie sehr sie ihn genießt: „Es fühlt sich überragend an. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich glaube, das war der beste Wettkampf meiner Karriere. Besser geht es nicht.“

Glückliche Genießerin

„Bei der WM letztes Jahr hatte ich einige Probleme. Doch nach dem heutigen Erfolg bin ich froh, die Erfahrungen damals gemacht zu haben. Ich habe viel daraus gelernt. In diesem Winter kann ich den Biathlon viel mehr genießen und bin einfach glücklich. Ich freue mich, dass ich hier sein und gute Rennen abliefern kann.“

Auch die Österreicherin Lisa Theresa Hauser (+47,3 Sekunden) und Ingrid Landmark Tandrevold (+1:00,2 Minuten) aus Norwegen hielten sich am Schießstand schadlos und verbuchten mit Rang vier bzw. fünf ihre besten Ergebnisse bei Olympischen Spielen. Auf Rang sechs landete Kristina Reztsova (ROC), die sich zwar zwei Strafrunden und 1:05 Minuten Rückstand einhandelte, aber dennoch ihr bestes Olympiaergebnis erzielte.

Perfekte Schießeinlagen bei wenig Wind

Im Vergleich zu den vorangegangenen Wettkämpfen zeigte das Thermometer mit -4 °C eher milde Temperaturen an. Dazu hingen die Windfähnchen nahezu regungslos nach unten. Bei bewölktem Himmel ging Tiril Eckhoff als erste Starterin auf den 2,5 km langen Rundkurs. Beim ersten Liegendanschlag ließ sie sich viel Zeit und schoss einmal daneben. Marte Olsbu Roeiseland – Silbermedaillengewinnerin im Olympischen Sprintrennen 2018 – räumte hingegen souverän alle fünf Ziele ab und setzte sich an die Spitze. Auch Wierer schoss schnell und sauber und lag ausgangs des Schießstandes nur 0,4 Sekunden hinter der Norwegerin. Hauser legte mit einer perfekten Schießeinlage nach und schob sich 9 Sekunden hinter der Führenden auf Rang drei. Elvira Oeberg kam mit weniger als 1 Sekunde Rückstand auf Olsbu Roeiseland zum Liegendschießen, stellte alle Scheiben auf Weiß und setzte sich mit 0,4 Sekunden Vorsprung auf Zwischenrang eins.

Zielsicher und schnell im Stehendanschlag

Olsbu Roeiseland kam mit 44 Sekunden Vorsprung zum stehenden Anschlag. Dort schoss sie einmal mehr eine blitzsaubere Serie und legte die Messlatte für die Konkurrenz sehr hoch. Wierer erreichte den Schießstand 22 Sekunden hinter der Norwegerin, zeigte dort eine beeindruckende Schnellfeuereinlage und ging mit nur 12 Sekunden Rückstand in die Schlussrunde. Hauser (+27 Sekunden) erhielt ihre Hoffnungen aufs Podium mit 10 von 10 Treffern weiter aufrecht. Direkt vor der Österreicherin schoss auch Tandrevold zum zweiten Mal fehlerfrei, blieb aber 6 Sekunden hinter Hauser.

Elvira Oeberg lag bei der Anfahrt zum Schießstand 20 Sekunden hinter der Führenden. Sie schoss eher vorsichtig, traf dafür alle fünf Scheiben und ging als Dritte 12 Sekunden hinter Wierer auf die letzten 2,5 km.

Silber für Schweden

In der letzten Runde waren alle Augen auf Marte Olsbu Roeiseland gerichtet. Sie zeigte eine herausragende Leistung in der Loipe und ließ den anderen nicht den Hauch einer Chance. Als sie ins Ziel kam, hatte sie über eine Minute Vorsprung, wenngleich das Gros des Feldes noch auf der Strecke war. Wierer verlor auf der Schlussrunde Zeit und kam 37,2 Sekunden hinter der Norwegerin ins Ziel. Auch Hauser büßte wertvolle Sekunden ein und landete schließlich 10 Sekunden hinter der Italienerin. Der Traum vom Podium war für sie damit ausgeträumt. Bei Kilometer 5,9 km hatte Elvira Oeberg nur noch 2 Sekunden Rückstand auf Wierer und war drauf und dran, der Italienerin Silber zu entreißen. Der unbedingte Wille war ihrem Gesicht abzulesen: Mit aller Kraft stemmte sie auf den letzten 100 Metern ihre Stöcke in den Schnee und überquerte die Ziellinie am Ende 6,3 Sekunden vor Wierer und sicherte sich damit Silber.

Erfüllung eines Traums

Nach dem Rennen sagte die Schwedin, dass mit der Silbermedaille ein Traum für sie in Erfüllung gegangen sei: „Es ist unglaublich, das war eine Superleistung heute von mir. Ich freue mich, dass ich diesen Erfolg mit dem Team und meiner Schwester teilen kann. Hanna sagte, dass die extrem stolz auf mich ist und dass ich diese Medaille absolut verdiene. Das ist unglaublich schön zu hören. Wir alle haben unwahrscheinlich hart gearbeitet, daher gehört diese Medaille auch dem gesamten Team. Als ich vor vier Jahren zu Hause die Spiele anschaute, war ich von den Leistungen absolut beeindruckt. Es hat mich inspiriert. In mir reifte der Wunsch, auch eine Olympiamedaille zu gewinnen. Und nun ist mir dieser Erfolg gelungen. Damit ist ein Traum wahrgeworden.“

Happy über Bronze

Dorothea Wierer erreichte in Peking ihr lang gehegtes Ziel einer olympischen Einzelmedaille: „Es fühlt sich toll an! Ich hatte nicht an eine Medaille geglaubt. Im Rennen habe ich gespürt, dass meine Ski heute richtig gut laufen, daher gebührt dem Technik-Team ein großer Dank für ihren harten Einsatz. Am Schießstand war ich voll fokussiert. Die letzte Runde war natürlich richtig hart, doch am Ende steht die Bronzemedaille zu Buche. Ich bin überglücklich. Das Anschießen lief gut und dadurch bin ich entspannt ins Rennen gegangen. Das war Biathlon, wie ich ihn mir wünsche.“

15 Sprintmedaillen

Obwohl die Italienerin mit ihrem heutigen Erfolg die 15. Sprintmedaille (von 43 Podiumsplatzierungen insgesamt) ihrer Karriere feierte, gehört diese Disziplin nicht unbedingt zu ihren Steckenpferden: „Eigentlich liegt mir der Sprint nicht sonderlich. Normalerweise bin ich in der Verfolgung oder im Massenstart besser. Umso mehr freue ich mich, dass mir heute eine Null-Null gelungen ist und dass ich zwar keine perfekte, aber dennoch eine gute Laufleistung zeigen konnte.“ Auf der Schlussrunde merkte Wierer, dass ihr Tempo nachließ: „In der letzten Runde habe ich realisiert, dass ich viel Zeit einbüße. Denn anfangs haben mir die Betreuer noch die Zwischenstände durchgegeben, auf den letzten Metern waren sie still.“

Fotos: IBU/Christian Manzoni

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