Doro, Franzi, und wer noch? Die komplette Liste der Rücktritte
Siebzehn Athletinnen und Athleten mit Startrechten im Weltcup haben in diesem Frühjahr ihre Karriere beendet, darunter die Weltcup-Gesamtsiegerinnen Dorothea Wierer und Franziska Preuss, aber auch weniger bekannte Biathleten wie Vetle Paulsen und Daniele Cappellari.
Abschied von Top-Athletinnen Wierer und Preuss
Mit Wierer und Preuss hängen gleich zwei prominente Biathletinnen das Gewehr an den Nagel. Wierer war 19 Jahre im internationalen Biathlon-Sport aktiv und schaffte es auf 440 Weltcup-Starts, zwei Gesamtsiege und 17 Einzelsiege im Weltcup, 88 Podestplätze, Staffeln mit eingerechnet, fünf IBU-WM-Titel in Einzeldisziplinen, Siege in jeder Einzel- und Staffeldisziplin und Medaillen bei vier aufeinanderfolgenden Olympischen Winterspielen. Diese beeindruckende Erfolgsbilanz und ihre quirlige Persönlichkeit sorgten dafür, dass sie rund ums Jahr im Rampenlicht stand.
Preuss konnte ihrer 14-jährigen internationalen Biathlon-Karriere 297 Weltcup-Starts, einen Weltcup-Gesamtsieg, sechs Einzelsiege im Weltcup, 70 Podestplätze, davon 39 in Staffeln, zwei IBU-WM-Titel und Medaillen bei zwei Olympischen Winterspielen verbuchen. Erst vor drei Jahren war Preuss nach Laura Dahlmeier und Denise Herrmann Wick zur Mannschaftsführerin aufgestiegen, suchte das Rampenlicht aber weniger als die Italienerin.
Nichtsdestotrotz sind Preuss und Wierer die zwei prominentesten Biathletinnen, die 2026 ihre Karriere beenden. Wenn im November der erste Schnee fällt, werden wir sie und alle anderen Aussteiger vermissen.
Eder und Hauser
Österreich verliert mit Simon Eder und Lisa Theresa Hauser seine zwei größten Stars und Vorbilder.
Eder beendete eine 24-jährige internationale Karriere, die 2002 mit einem Sieg im 15 km Einzel bei der IBU-Junioren-WM begonnen hatte. Der 43-Jährige kann auf ganze 560 Weltcup-Starts zurückschauen, darunter drei Einzelsiege, zwanzig Podestplätze, Starts bei fünf Olympischen Winterspielen (zweimal Staffel-Silber) und 15 IBU Weltmeisterschaften. Der Saalfeldener war für seine schnellen und treffsicheren Schießeinlagen (Trefferquote um 90 %) bekannt, die inzwischen zum Standard geworden sind. Eders Spezialität waren Rennen mit vier Schießen, bei denen er 19 seiner 20 Podestplätze erkämpfte. Bezeichnenderweise und wenig überraschend beendete Eder seine Karriere im Sprint von Oslo mit fehlerfreiem Schießen und der besten Schießzeit des Tages. So werden Legenden geschrieben.
In ihrer 14-jährigen internationalen Karriere war Hauser die erste Österreicherin, die Medaillen bei IBU Juniorenweltmeisterschaften gewann (2013 Einzel-Silber und Sprint-Bronze), ein Weltcuprennen gewann (15 km Einzel in Antholz 2021), IBU Weltmeisterin wurde (Massenstart in Pokljuka 2021) und eine kleine Kristallkugel gewinnen konnte. Zusammen mit Eder stand sie neunmal in Single-Mixed-Staffeln auf dem Podest. Den ersten Sieg für Österreich in einer Single-Mixed-Staffel holten die beiden 2016 in Canmore. Bei ihren 397 Weltcup-Starts stand Hauser 13-mal auf dem Podest, davon sechsmal ganz oben. Den letzten Sieg holte sie im vergangenen Dezember in der 10 km Verfolgung in Östersund. Die immer fröhliche Hauser trat bei vier Olympischen Winterspielen an, ihr bestes Ergebnis ein vierter Platz im Sprint in Peking 2022. Ihre Karriere beendete sie mit den Worten: „Vielen Dank an meine Teamkolleginnen und Teamkollegen: Ihr habt diese Reise so besonders gemacht. Wir haben gemeinsam gelacht, geweint und unvergessliche Momente erlebt.“
Paulina Batovska-Fialkova hängte nach 14 internationalen Saisons, 307 Weltcup-Starts und vier Olympischen Winterspielen das Gewehr an den Nagel. Die routinierte Stammläuferin im slowakischen Team schrammte viele Jahre immer wieder knapp am Weltcupsieg vorbei und nimmt Abschied mit elf zweiten und dritten Plätzen in der Bilanz, davon zwei seit der Geburt ihrer Tochter vor zwei Jahren. Ihre größten Erfolge feierte sie auf Skirollern und holte 11 Medaillen bei IBU Sommerbiathlon-Weltmeisterschaften, davon zweimal Gold. Anfang März stand Batovska-Fialkova nach einem dritten Platz im Kurz-Einzel von Kontiolahti noch einmal auf den Podest. „Ich war nach den Winterspielen sehr enttäuscht, weil ich mir mehr erwartet hatte. Aber das ist Biathlon, so ist das Leben. Ich war mir sicher, dass ich meine Karriere auf dem Podest oder knapp daneben würde beenden können, und das habe ich geschafft.“
USA: Schommer und Brown
In den USA beendeten zwei erfahrene Athleten ihre Karriere. Paul Schommer hört nach zehn Jahren mit dem Biathlon auf. Der zweifache US-Olympionike pendelte in seiner Karriere zwischen IBU Cup und Weltcup und war mit 114 Weltcup-Starts auch ein verlässlicher dritter Starter in den US-Männerstaffeln. Der Podestplatz rückte in der letzten Saison in greifbare Nähe: Das US-Quartett bestätigte das bislang beste Resultat in Hochfilzen mit einem vierten Platz und schaffte eine olympische Bestleistung mit einem fünften Platz in Mailand Cortina. In einem Instagram-Post betonte er: „Ich habe in diesem Sport viel mehr gelernt als Langlauf und Schießen, aber es gibt eben auch neue Anfänge und neue Chancen, die sich auftun.“
Schommers Team- und Staffelkollege Jake Brown beendete seine Karriere mit dem Sprint in Oslo. Auch Brown mit 139 Weltcup-Starts verbrachte in seiner zehnjährigen internationalen Karriere viel Zeit im IBU Cup und schaffte es in Lake Placid zuletzt auf die Plätze 7 und 8. Brown war außerdem bei den Winterspielen 2022 in Peking und bei fünf IBU Weltmeisterschaften für die USA gestartet. Nach seinem letzten Sprint erklärte er: „Es war mein Traum, meine Karriere hier in Oslo zu beenden. ... Für die USA zu laufen ist die Ehre meines Lebens.“
Tschechien
Der Tscheche Adam Vaclavik beendete seine 15-jährige internationale Biathlon-Karriere beim IBU Cup in Lake Placid. Auf seiner langen Biathlon-Reise ist Vaclavik bei 125 Weltcup-Rennen, zwei Olympischen Winterspielen und vier IBU Weltmeisterschaften an den Start gegangen. Der Höhepunkt seiner Karriere war Silber im Supersprint bei den Europameisterschaften 2020, bemerkenswerterweise vor Dmytro Pidruchnyi und dem Gesamtweltcup-Sieger 2025 Sturla Holm Lägreid.
Die 27-Jährige Tereza Vinklárková, die noch bei den Winterspielen in Mailand/Cortina einen elften Platz im 15 km Einzel und einen fünften Platz mit der Frauenstaffel hatte verbuchen können, verabschiedete sich mit einem fehlerfreien 20. Platz im Sprint von Oslo vom Biathlon-Sport, das zweitbeste Ergebnis ihrer Karriere. Vinklárková wird nach der besten Saison ihrer Karriere ab jetzt für das Team eD system Vltava Fund bei den Ski Classics antreten, mit dem sie im Sommer schon trainiert hatte.
Skogan und Paulsen
Norwegen verliert zwei Nachwuchstalente, die es im Weltcup nicht auf ein stabiles Leistungsniveau schafften. Marit Ishol Skogan steigt mit 27 Jahren aus und blickt auf drei kometenhafte Weltcup-Wochen 2023/24 zurück. In Hochfilzen, Lenzerheide und Oberhof holte Skogan mit der norwegischen Frauenstaffel den Sieg in Hochfilzen, wurde Sechste im Sprint, legte in Lenzerheide mit einem dritten Platz in der Verfolgung nach und erkämpfte in Oberhof einen zweiten Platz mit der Frauenstaffel. An diese Leistungen konnte sie im IBU Cup nicht mehr anknüpfen und hängte nach den Norwegischen Meisterschaften in diesem Monat das Gewehr an den Nagel.
Vetle Paulsen, der bei der IBU Junioren-WM 2022 Silber im 15 km Einzel gewonnen hatte, beendete seine Karriere in derselben Woche wie Skogan. Paulsen verbrachte seine 15-jährige Karriere überwiegend im IBU Cup und trumpfte gleich bei seinem ersten Start dort mit einem Sieg auf. Paulsen stand noch zwei weitere Male im IBU Cup auf dem Podest und startete einmal im Weltcup, ein 32. Platz im Kurz-Einzel von Nove Mesto in dieser Saison.
Der Litauer Tomas Kaukenas beendete seine internationale Karriere nach 20 Jahren, in denen er bei drei Olympischen Winterspielen und zwölf IBU Weltmeisterschaften an den Start ging. Die besten Resultate bei insgesamt 264 Starts lieferte der Litauer bei den Olympischen Winterspielen (13. in der Verfolgung bei den Winterspielen 2022) und einer IBU WM (21. Platz in Oslo 2016) ab.
Retirees 2026
Webb steigt aus
Der Brite Marcus Bolin Webb steigt nach einer nur fünfjährigen Karriere aus dem Biathlon aus. Auch er verbrachte seine Karriere überwiegend im IBU Cup, schaffte es aber auf 14 Weltcup-Starts. Im Sprint von Oslo wurde er in diesem Jahr Letzter und beendete seine Karriere mit einer Verbeugung auf der Ziellinie und salutierte vor den norwegischen Fans, die ihn in seinem letzten Rennen angefeuert hatten.
Der Italiener Daniele Cappellari beendete seine Karriere nach zehn Jahren auf internationalem Niveau, überwiegend im IBU Cup, und blickt auf IBU JJWM Staffel-Bronze sowie Einzel- und Staffel-Podestplätze im IBU Cup zurück. Die Highlights seiner Weltcup-Karriere mit 44 Starts waren ein dritter Platz in der Staffel von Hochfilzen 2019 und Starts bei zwei IBU Weltmeisterschaften.
Die Schweizerin Susi Meinen beendet ihre Biathlon-Karriere nach, wie sie sagt, „12 unvergesslichen Jahren“. Meinen verbrachte ihre Karriere überwiegend im IBU Cup und schaffte es zwischen 2017 und 2019 immerhin auf 40 Weltcup-Starts. Sie wird nun als Malerin ins Familienunternehmen einsteigen.
Der Schwede Anton Ivarsson, der die gesamte Saison 2025/26 verpasst hatte, verkündete ebenfalls offiziell seinen Rücktritt. Ivarsson, der in den letzten Jahren mit vielen Verletzungen zu kämpfen gehabt hatte, bezeichnete dieses Jahr als „besonders schlimm. ... Ich habe die Freude am Biathlon verloren, ich denke, es ist Zeit für etwas anderes.“ Das Karriere-Highlight des 25-Jährigen war ein Sieg in der Single-Mixed-Staffel mit Sara Andersson bei den IBU Offenen Europameisterschaften 2024 gewesen.
Die Slowenin Kaja Maric, die überwiegend im Juniorencup und in der letzten Saison im IBU Cup angetreten war, zog sich mit 22 aus dem Sport zurück. Sie war in Ruhpolding 2022 einmal mit der Frauenstaffel im Weltcup gestartet.
Das sind alle Rücktritte, die bislang verkündet worden sind. Wir wünschen alles Gute für das nächste Kapitel!
Fotos: IBU/Christian Manzoni, Nordnes, Yevenko, Nordic Focus