Olympiasieger Fillon Maillet: „Es ist nicht verboten, groß zu träumen“

Quentin Fillon Maillet zählt zu den wenigen Athleten, die sich auf den Medaillenkampf bei Großereignissen fokussieren, zum Beispiel bei den Olympischen Winterspielen Mailand Cortina. Dabei kann der Franzose eine beeindruckende Medaillensammlung vorweisen.

Neun Olympiamedaillen

Vor den Winterspielen 2026 stand Fillon Maillet im Weltcup nur zweimal auf dem Podest – und zwar jeweils zum Saisonauftakt in Östersund. Als das Olympische Feuer wieder erloschen war, durfte er sich über einen weiteren Olympiasieg in einem Einzelrennen sowie drei weitere Olympiamedaillen freuen. Damit steht der Franzose in seiner bisherigen Laufbahn bei neun Olympiamedaillen. Als weiteren Beweis für seinen Medaillenhunger kann er nicht weniger als 20 Mal Edelmetall bei neun verschiedenen IBU-Weltmeisterschaften vorweisen.

Sechs Chancen für einen Olympiasieg

Monate nach seinem Olympiasieg im Sprint gab der Franzose zu Protokoll, dass ihn diese weitere Goldmedaille wenig überrascht hatte: „Ich hatte keine konkreten Vorstellungen“, so Fillon Maillet, der im vergangenen November noch zuversichtlich ein weiteres Olympiagold für sich vorhersagte. „Ich wusste aber, dass ich bei den Olympischen Spielen leistungsmäßig auf dem Höhepunkt sein würde. Ich hatte sechs Chancen auf einen Olympiasieg und habe in jedem Wettkampf versucht, mein Leistungsmaximum zu erreichen. Der Olympiasieg im Sprint ist etwas Besonderes für mich. Im Sprint kämpfst du allein gegen die Uhr, schießt nur zweimal und es kommt auf jede Sekunde an.“

Groß träumen

Der Gedanke an seine neun Olympiamedaillen zaubert dem Franzosen ein großes Lächeln ins Gesicht: „Es ist kaum zu glauben. Als Kind habe ich davon geträumt, einmal Olympiasieger zu werden. Mit diesem einen Triumph wäre meine Karriere ein großer Erfolg. Doch neun Medaillen, davon fünf goldene, ist wirklich unfassbar. Damals träumte ich einfach davon, der beste Biathlet der Welt zu sein. Niemand hat mir gesagt, dass dies verboten sei. Meine Eltern und die Leute in meiner Heimat träumen nicht so groß, mein Heimtrainer aber schon. Er hat mich dazu gedrängt, mir ein Ziel für jeden Tag und jeden Monat zu setzen. Jede Saison sind die Ziele größer geworden. Ich habe nie aufgehört, mich weiterzuentwickeln – bis heute nicht. Es ist schwer zu erklären, dass es wirklich so gekommen ist.“

Neue Perspektive als Vater

Die Geburt seines ersten Kindes – Töchterchen Léana kam im August zur Welt – hat die Herangehensweise des Franzosen an den Biathlon verändert, nicht aber seinen Fokus. „Durch meine Tochter sehe ich den Biathlon mit anderen Augen. Nach den Spielen 2018 in PyeongChang kämpfte meine Freundin gegen den Krebs, genauso mein Stiefvater. Das war eine schwere Zeit für mich. Da habe ich gemerkt, dass der Sport zwar viel von mir ausmacht, aber nicht alles ist. Er ist nicht das Wichtigste im Leben. Durch das Baby empfinde ich genauso. Ich möchte mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. Wenn ich ein Rennen verliere, ist das nicht das Ende. Natürlich will ich gewinnen. Ich weiß aber auch, dass ich nicht jedes Rennen für mich entscheiden kann. Vater zu sein, ändert meine Perspektive.“

Verbesserung am Schießstand

Fillon Maillet freut sich sehr, dass Siegfried Mazet als Schießtrainer zurückgekehrt ist. „Ich war traurig, als er ging. Und dann auch noch nach Norwegen! Daher war es eine große Sache, als er zurückkam. Siegfried bringt eine andere Perspektive als Jean-Pierre Amat oder Franck Badiou mit, die beide sehr technisch orientiert sind. Das war super und wir haben viel gelernt. Ich befinde mich in einer Phase meiner Karriere, in der ich weniger technisches Training brauche, sondern mehr Support durch Gespräche und Erklärungen.“

„Für mich liegt der Erfolgsschlüssel darin, mein Schießen zu verbessern. Letzten Winter lag meine Trefferquote bei etwa 84 %. Ich wäre gern bei 90 %. Das ist mein großes Ziel. Physisch bin ich in guter Verfassung und mache auch da noch weitere Fortschritte. Doch mein großes Ziel ist es, mich am Schießstand zu verbessern“, so der Franzose weiter.

Lust auf Sport, Wettkampf und Erfolg

In puncto langfristige Ziele richtet Fillon Maillet den Fokus auf die Olympischen Spiele 2030 in den französischen Alpen und auf weitere Medaillen: „Ich liebe es, diese Medaillen zu sammeln. Ich war bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris und habe das französische Team unterstützt. Ich kann nur erahnen, wie es sich für meine Landsleute angefühlt haben muss, vor heimischem Publikum einen Olympiasieg zu holen. Ich habe diese gewaltigen Emotionen gespürt. Sie haben mir die Kraft für Mailand Cortina gegeben und meine Motivation angefacht, 2030 dabei zu sein. Die Chance, eine Heim-Olympiade zu erleben, ist unglaublich. Solange ich weitermache, geht es mir nicht nur um diese wenigen Wettkampfwochen, sondern um alles, was dazwischen liegt. Ich liebe das Training, ich liebe den Sport, ich liebe den Wettkampf und vor allen Dingen liebe ich das Gewinnen!“

Fotos: IBU/ Vianney Thibaut, Ola Wizor, Nordic Focus/Authamayou

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