Hochfilzen Vorschau: Wird Tiril Eckhoff in Hochfilzen ihr wahres Gesicht zeigen?

Hochfilzen ist einer der traditionsreichen Austragungsorte, der seit 1996 jede Saison mit Ausnahme von zwei auf dem Weltcup-Programm steht, und es ist ein fester Bestandteil des BMW IBU Weltcups im Dezember. Lisa Theresa Hauser und Vetle Sjaastad Christiansen sind die gelben Athleten. Sebastian Samuelsson ist der einzige Athlet mit drei Podestplätzen in dieser Saison. JT Boe fährt unter dem Radar Ski. Und Tiril Eckhoff wird versuchen, die Sonne und ihre Gestalt aus den dunklen skandinavischen Spätnachmittagen in Oestersund hervortreten zu sehen.

Was ist die Woche zuvor in Oestersund passiert?

Sebastian Samuelsson gewann nach seinem Sprint-Erfolg Platz 2 im Verfolger. Als Gesamtführender verließ jedoch Vetle Sjaastad Christiansen die erste Weltcup-Station in Oestersund. Mit dem Gelben Trikot wurde für ihn ein Traum wahr, den zu träumen er lange Zeit für verrückt und unerreichbar hielt. Bei den Frauen siegte Lisa Theresa Hauser im Sprint, trug in der Verfolgung erstmals Gelb und konnte dabei das begehrte Leibchen nach fehlerfreiem Schießen verteidigen – auch wenn die Ski ihr keinen Extraschub zu geben schienen. Team Frankreich zeigte sich insgesamt sehr stark und holte genau wie Norwegen neun Podestplätze. Justine Braisaz-Bouchet erkor den Sieg der französischen Frauenstaffel zum zweitemotionalsten Tag ihres Lebens – nur bei ihrer eigenen Hochzeit war ihre Gefühlswelt noch mehr in Aufruhr. Nachdem sie stehend mit einer wahren Schnellfeuereinlage alle fünf Scheiben abgeräumt hatte, machte sich ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht breit. JT Boe lief etwas unter dem Radar. Entweder ist seine Form noch nicht olympiareif oder seine Ski brachten seine PS einfach nicht richtig in den Schnee. Sturla Holm Laegreid fühlte sich unwohl und verzichtete deswegen auf Staffel und Verfolgung.

Der Austragungsort

Hochfilzen zählt zu den Dauerbrennern im Weltcup-Kalender. Seit 1996 machte die Biathlon-Elite nur zweimal einen Bogen um den österreichischen Skiort. Hochfilzen im Dezember ist eine Institution im BMW IBU-Weltcup. Umgeben von traumhaft schönen Berggipfeln ist die Schneedecke hier Anfang Dezember häufig noch recht spärlich gesät. Doch nicht selten gibt es innerhalb weniger Tage dann sehr viel ersten Winterschnee zu bestaunen. Das Stadion liegt oberhalb des Dorfes und bietet von nahezu jedem Platz aus einen wunderbaren Blick auf die Strecken, die sich dicht am Schießstand entlangschlängeln. Die Loipen führen erst talwärts und dann einen steilen Anstieg hinauf, ehe sich eine zweite lange Bergaufpassage und eine ausgedehnte Abfahrt anschließen, bevor es einen letzten kurzen Stich hinauf zum Schießstand geht. Der Zielanstieg in Hochfilzen zählt zu den härtesten 100 m im Biathlon.

Hochfilzen als als Fingerzeig für Olympia?

Eine gute Platzierung in Hochfilzen ebnete 2018 zahlreichen Athleten den Weg zu Olympiagold in PyeongChang. Zur Erinnerung: Nach den Plätzen 2 und 3 in Hochfilzen gewann Martin Fourcade Olympiagold in der Verfolgung und im Massenstart. JT Boe stand in Tirol zweimal ganz oben auf dem Treppchen und krönte sich in Südkorea zum Olympiasieger im Einzel. Anastasiya Kuzmina holte sich in Österreich Platz 1 in der Verfolgung und sicherte sich in PyeongChang den Titel im Massenstart. Arnd Peiffer wurde im Sprint von Hochfilzen Fünfter und stand bei Olympia in dieser Disziplin ganz oben auf dem Treppchen.

Sieger BMW IBU Weltcup 2020/2021

Header iconVorschau Hochfilzen - Gewinner 2020/2021

Die meisten Siege in Hochfilzen: Allzeit- und Aktivsportler

Tiril Eckhoff wird in Österreich Sonne und Form suchen.

Als die Saison vor einem Jahr in Kontiolahti eröffnet wurde, errang Tiril Eckhoff nach zwei Katastrophenrennen noch einen achten Platz und einen Sieg. Sie kam nicht damit zurecht, ohne echte soziale Kontakte in der Blase leben zu müssen. Sie hatte dabei so viel Energie aufgestaut, die dann irgendwann einfach aus ihr heraus musste. Bis Saisonende feierte Eckhoff zwölf weitere Siege – zwei davon in Hochfilzen – und holte sich erstmals den Titel im Gesamtweltcup. In den letzten beiden Wochen in Oestersund machte sie keinen überzeugenden Eindruck, vor allem in der Loipe blieb sie unter ferner liefen. Normalerweise ist sie eine der Schnellsten – wenn nicht die Schnellste – auf der Strecke. Doch in Schweden büßte sie auf die beste Läuferin Elvira Oeberg 40 Meter pro Kilometer ein. Das bedeutet, dass Elvira die Norwegerin im Sprint derzeit selbst dann schlagen würde, wenn Eckhoff alle zehn Scheiben trifft und die Schwedin zweimal in die Strafrunde muss. Doch die lebensfrohe Tiril richtet den Blick gern auf die Sonnenseite – das könnte sich vor allem in Hochfilzen lohnen, schließlich mag die Norwegerin die Strecke. Vor zwei Jahren feierte sie dort gleich drei Siege und schoss zum ersten Mal in ihrer Karriere 20 von 20. Auch Dorothea Wierer will in Tirol den Knoten platzen lassen, wo sie zwei ihrer bisherigen zwölf Sprintsiege feierte. Sie hofft, am Schießstand die Patronen wieder schnell und souverän ins Ziel zu bringen und die Formkurve mit Blick auf Olympia weiter ansteigen zu lassen. Die meisten Augen werden allerdings auf Lokalmatadorin Lisa Theresa Hauser gerichtet sein, die in ihrer Heimat bis dato noch nie auf dem Podium stand. Zwar spekuliert sie offiziell nicht auf den Gewinn des Gesamtweltcups, doch ehrgeizig ist sie allemal.

Die Statistik in der IBU-App verrät, dass JT Boe durchaus gut in Form ist, auch wenn er in Oestersund nur einmal das Podium erklomm. Auf der Strecke ist er kaum langsamer als die schnelleren Sebastian Samuelsson und Emilien Jacquelin und am Schießstand zeigt er eine überzeugende Trefferquote von 91 %. Den frühen Kampf um die Führung im Gesamtweltcup schaut er sich aus der zweiten Reihe an und lässt anderen in Sachen Gelbes Trikot den Vorzug. Spannend bleibt die Frage, ob Christiansen seine Form bestätigen kann und ruhig bleiben wird, wenn er beim morgigen Sprint erstmals in seinem Leben im Gelben Leibchen auf die Strecke geht.

Zwei weitere Themen gilt es in Hochfilzen zu klären: 

1. Wie wird sich Sturla Holm Laegreid präsentieren?

2. Können die Schweden ihre sensationelle Laufleistung aus den ersten beiden Wochen auch in Österreich wiederholen (letztes Jahr gelang ihnen das nicht)?

Foto: IBU/C. Manzoni, IBU Archiv

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