Cai zum Gold-Triple beim Paralympics-Debüt der Sprint-Verfolgung

Wie erwartet war das Debüt der Sprint-Verfolgung bei den Paralympischen Spielen ein großer Erfolg. Das dramatische Finale zwischen Jiayun Cai und Grygorii Vovchynskyi bei den Männern der stehenden Klasse war dabei ein Höhepunkt der Wettkämpfe. Der Chinese schob sich kurz vor dem Ziel noch am Ukrainer vorbei und sicherte sich seine dritte Goldmedaille bei den Spielen von Mailand Cortina. Auch Kasachstan und Tschechien schrieben mit den ersten paralympischen Biathlon-Titeln Geschichte.

Die Sprint-Verfolgung ist die einzige Disziplin im Para-Biathlon, bei der der erste Athlet im Ziel auch das Rennen gewinnt. Der Wettkampf besteht aus zwei Teilen mit einer Strecke von jeweils etwa vier Kilometern. Die Qualifikation läuft wie ein Sprintrennen ab, allerdings werden für jeden Fehler 20 Strafsekunden aufgeschlagen. Die Rückstände aus dem ersten Teil legen sind auch die Startabstände im Finale. Dieses Finale wird als Verfolgungsrennen ausgetragen, bei dem für jeden Fehler eine Strafrunde von 75 Metern zu absolvieren ist.

Schon die Qualifikation der Frauen sitzend wartete mit einer großen Überraschung auf. Oksana Masters, einer der Stars der Spiele, ließ gleich vier Scheiben stehen und ging mit Startnummer zehn und fast drei Minuten Rückstand auf die Führende in den Verfolger. Bei der starken Konkurrenz konnte Masters die Lücke nicht mehr schließen und wurde schließlich Sechste. Die Nationalhymne der USA erklang dann trotzdem im Stadion, denn Mannschaftskameradin Kendall Gretsch holte nach Silber und Bronze im Verlauf der Woche nun endlich Gold. Fehlerfreies Schießen war für die US-Amerikanerin der Schlüssel zum Sieg; sie ging mit acht Sekunden Vorsprung auf Yunji Kim über die Ziellinie.

„Ich freue mich einfach so. Ich war erst völlig perplex. Mir war nicht klar, dass ich das Rennen gewonnen hatte, bis ich die Ziellinie sah und merkte, dass ich in Führung liege. Ich dachte, ich liege immer noch auf Rang zwei. Ich bin immer noch perplex und freue mich einfach so und bin stolz auf dieses Ergebnis. Vor dem zweiten Schießen lag ich noch hinten. Ich sah Kim auf dem Weg aus dem Schießstand und fehlerfrei wäre sie damit weit vor mir gewesen. Aber ich glaube, da im zweiten Schießen hatte sie verschossen, und da muss ich an ihr vorbeigezogen sein,“ so Gretsch, für die es die siebte Biathlon-Medaille bei Paralympischen Spielen war.

Auch Anja Wicker schaffte es zum dritten Mal bei diesen Spielen aufs Podest und erhöhte ihren Medaillenzähler auf eine Silber- und zwei Bronzemedaillen. Die Deutsche startete mit vier Fehlern in der Qualifikation, holte aber im Finale zügig auf, blieb ohne Fehler und konnte den Podestplatz verteidigen.

Bei den Männern sitzend dominierte Yerbol Khamitov das Rennen. Nach einer brillanten Vorsaison, in der er die große Kristallkugel gewonnen hatte, gelang dem Kasachen der erste Sieg in diesem Winter im letzten möglichen Rennen. Der 28-Jährige gewann die Qualifikation und lief das Finale dann von vorn. Er kam mit 21 Sekunden Vorsprung auf den Ukrainer Taras Rad ins Ziel, der wie Gretsch mit einem kompletten Medaillensatz aus Val di Fiemme abreist. Auch Zixu Liu gewann insgesamt drei Medaillen – einmal Gold und zweimal Bronze – nachdem er den zweiten Platz in der Qualifikation nicht hatte verteidigen können.

Zhiqing Zhao startete im Finale der Frauen stehend von Platz 1. Die Chinesin, die ohne Stöcke läuft, ließ dann aber vier Scheiben stehen und wurde Fünfte. Nathalie Wilkie gelang als einziger Athletin im Feld ein praktisch perfektes Rennen ohne eine einzige Strafrunde.

„Vor einigen Jahren habe ich zu meinem Trainer gesagt, dass ich dieses Format hasse, und er hat gesagt, dass das wohl heißt, dass das eine Schwachstelle ist, an der wir arbeiten müssen. Er hat mich dann sehr viele Sprint-Verfolgungsrennen laufen lassen, und jetzt ist es eine meiner stärksten Disziplinen. Bei diesen Winterspielen habe ich in meinen Biathlon-Rennen jetzt eine Trefferquote von 100 %, und das fühlt sich enorm gut an,“ so Wilkie.

Die Kanadierin gewann mit einem guten Vorsprung und sicherte sich ihre zweite Goldmedaille im Stadion von Val di Fiemme. Zweite wurde Iryna Bui, Oleksandra Kononova holte Bronze.

Bui hatte gleich doppelt Grund zum Feiern, denn nur wenige Minuten später gewann auch ihr Partner Grygorii Vovchynskyi Silber. Der 37-Jährige Biathlet der stehenden Klasse hat den Ruf, seine Leistungen dann abrufen zu können, wenn es drauf ankommt. Auch wenn seine Resultate im Weltcup nicht immer konstant sind, ist es für ihn schon die siebte Medaille bei Paralympischen Spielen. Fast hätte es zu einer dritten Goldmedaille gereicht; den Sieg verpasste der Ukrainer nur um Haaresbreite. Jiayun Cai überholte ihn auf den letzten Metern und gewann mit nur 0,2 Sekunden Vorsprung. Der Chinese war eine der größten Überraschungen bei diesen Winterspielen und ist erst der zweite Para-Biathlet der Geschichte, der alle drei paralympischen Rennen gewann, bei denen er an den Start ging. Bronze ging in dieser Kategorie an Marco Maier, der Mark Arendz auf der Schlussrunde auf Distanz halten konnte. Der Deutsche reist mit drei Medaillen nach Hause, alle Bronze.

Kurz danach wurde schon wieder Geschichte geschrieben, als Carina Edlingerová für Tschechien die erste Paralympische Goldmedaille im Biathlon gewann. Die 27-Jährige geborene Österreicherin hatte dem Präsidenten des Tschechischen Paralympischen Komitees versprochen, während der Siegerehrung die tschechische Nationalhymne mitzusingen – und sie hielt Wort. Trotz dreier Strafrunden im Finale ließ sie sich den Sieg bei den Frauen mit Sehbehinderung nicht nehmen. Yue Wang, auf der Jagd nach ihrer dritten Goldmedaillen bei diesen Spielen, war nah dran, kam aber schlussendlich mit neun Sekunden Rückstand ins Ziel.

„Mir bedeutet diese Goldmedaille viel. Ich bin so stolz darauf, dass ich zusammen mit meinem Guide und Trainer Alex Patava eine Goldmedaille für Tschechien gewinnen konnte. Nach den Fehlern im ersten Schießen wusste ich, dass ich auf der Strecke einfach alles geben muss. Alex hat mich angefeuert, das hat sehr geholfen. Am Ende war es nicht wichtig, wie viele Scheiben stehengeblieben sind. Was wichtig war, war dass wir das Ziel nicht aus den Augen verloren und alles gegeben haben. Bislang kannte man mich vor allem als Langläuferin, aber nach Paralympischem Gold im Biathlon darf ich mich jetzt wohl endlich auch Biathletin nennen,“ so Edlingerová.

In diesem Rennen wurden zwei Bronzemedaillen vergeben: An Simona Bubenickova, die als Dritte ins Ziel kam, und an Leonie Marie Walter, die wegen einer Störung der Waffe eine Zeitgutschrift bekam, sodass sie zeitgleich mit der jungen tschechischen Athletin lag.

Shuang Yu holte die achte Goldmedaille für China in Val di Fiemme und unterstrich damit einmal mehr die Dominanz der Mannschaft bei diesen Paralympischen Spielen. Insgesamt gingen 15 Medaillen nach China, drei mehr als in Peking. Sie waren jedoch nicht die erfolgreichste Mannschaft, denn am Ende lag die Ukraine mit Silber- und Bronzemedaillen am letzten Wettkampftag im Medaillenspiegel vorn. Der 22-Jährige Yu ging bei den Männern mit Sehbehinderung mit Startnummer 3 ins Rennen, zog dann aber mit zwei fehlerfreien Schießen vorbei an Oleksandr Kazik und Anatolii Kovalevskyi und ging in Führung. Der Chinese kam mit 14 Sekunden Vorsprung auf Kazik ins Ziel, für den es die sechste paralympische Medaille war.

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Photos: IBU | Barbieri

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