Otepää: aufstrebender Biathlon-Standort im Baltikum
Eingenistet in den sanften Hügeln des südlichen Estland liegt Otepää. Der kleine Wintersportort erobert sich mehr und mehr einen festen Platz auf der internationalen Biathlon-Landkarte. In Otepää liegt mit dem Sportzentrum Tehvandi die Wiege des estnischen Biathlonsports. Hier fand 2022 der erste Biathlon-Weltcup im Baltikum statt und im Jahr 2027 werden hier die IBU-Weltmeisterschaften ausgetragen.
Sportzentrum Tehvandi: Estlands Wintersport-Hotspot
Otepää ist schon seit Jahrzehnten das wichtigste Wintersportzentrum in Estland. Schneesportarten prägen hier das Leben – und Wettkämpfe sind seit fast einem Jahrhundert fester Bestandteil der lokalen Identität. Mittendrin in alledem: das Sportzentrum Tehvandi. Dieser kompakte und dennoch vielseitig nutzbare Austragungsort für Nordische Sportarten beherbergt neben einer modernen Biathlon-Arena ein gut ausgebautes Loipennetz und eine K90-Skisprungschanze.
Gleichzeitig ist es die Wiege des estnischen Biathlons. Im Jahr 1970 wurde hier nach Initiative von Trainer Elmar Soode der erste Schießstand der Region errichtet. Von diesen bescheidenen Anfängen hat sich Otepää beinahe zu einem sportlichen Nationalheiligtum entwickelt. Mit zwei Schießständen und modernen Anlagen ist Otepää zur Hochburg des estnischen Biathlons geworden.
Im März 2022 machte der Ort erstmals auf der ganz großen Bühne des Biathlons auf sich aufmerksam, als hier der erste BMW IBU-Weltcup im Baltikum stattfand. Und das Debüt sollte in denkwürdiger Erinnerung bleiben: Es gab so viel Schnee, dass die Organisatoren die Loipen vor den Rennen von der überschüssigen weißen Pracht befreien mussten. Das kompakte und fanfreundliche Stadion erwies sich schnell als würdige Bühne, das Biathlon-Stars und Fans mit energiegeladener Begeisterung in seinen Bann zog.
Und über all dem wacht mit Otto, dem gelben Bären, das liebenswürdige Maskottchen der Veranstaltungen in Otepää. Sein Name leitet sich übrigens vom Wettkampfort selbst ab, denn Otepää bedeutet übersetzt „Otts Kopf“ und „Ott“ ist ein traditioneller Spitzname für den Bären in der estnischen Fabelwelt. Otto ist daher ein vortreffliches Symbol.
Aufstrebender Standort
Otepää gewinnt auf der internationalen Bühne immer mehr an Bedeutung. Der Biathlon-Weltcup kehrt 2026 mit Rennen in Sprint und Verfolgung sowie in der Mixed-Staffel zurück. All das bildet die Generalprobe für einen noch größeren Meilenstein – die IBU-Weltmeisterschaften 2027.
„In diesem Winter hatten wir mehr als 50 Tage mit echtem estnischen Frost. In dieser Zeit konnten wir die Schneedepots anlegen, die wir brauchen. Selbst wenn die Temperaturen vor dem Weltcup steigen sollten, werden die Strecken in Tehvandi bereit sein“, so Aivar Nigol, Vorsitzender des Organisationskomitees.
Im Vorfeld der anstehenden Veranstaltungen wurde der Austragungsort bereits umfassend modernisiert. Neben einem neuen TV-Compound für die Sendeanstalten und einer multifunktionalen Halle, die als Medienzentrum fungieren wird, wurden die Beschneiungsanlagen ausgebaut und zusätzliche Zuschauerbereiche errichtet. Für den kleinen Ort in Estland ist die Austragung der Biathlon-Weltmeisterschaften weit mehr als ein Sportereignis. Die Gemeinde, die ihre Biathlon-Tradition Schritt für Schritt selbst aufgebaut hat, wird sich und den Sport gebührend feiern.
Erste Weltcup-Erinnerungen
Beim Weltcup-Debüt im Jahr 2022 waren die Strecken in Tehvandi Schauplatz herausragender Leistungen. Norwegendominierte in den Staffeln und gewann sowohl die Mixed- als auch die Single-Mixed-Staffel. In den Einzelwettkämpfen setzten sich Julia Simon und Elvira Öberg durch. Quentin Fillon Maillet landete zweimal auf dem Podium, sodass sein Name schnell mit Otepää verknüpft wurde.
Dabei kannten zahlreiche Athletinnen und Athleten die Strecken im Sportzentrum Tehvandi bereits lange vor dem ersten Weltcup. Bei den Weltmeisterschaften der Jugend und Junioren 2018 gewann die Schwedin Elvira Öberg hier ihren ersten internationalen Titel. Zudem feierte der Norweger Sturla Holm Lægreid damals sein WM-Debüt. Heute gehören beide zur absoluten Weltspitze.
Biathlon-Erinnerungen aus Otepää
Abseits der Strecken: Estlands Winter-Hauptstadt
Außerhalb des Stadions zeigt sich Otepää mit ruhigem Charme. Die Landschaft ist von natürlichen Wäldern, Hügeln und den etwa 100 umliegenden Seen geprägt, die aus der Region ein wahres Wander- und Wintersportparadies machen. Im Sommer laden die Strecken auch zum Radfahren ein. In den Saunas und Spa-Zentren in Seenähe lässt es sich zudem perfekt entspannen.
Ob Wettkampf in Tehvandi oder Abenteuer in der schneebedeckten Umgebung – Reisende werden schnell merken, dass Wintersport und Natur an diesem kleinen Fleckchen Estland Hand in Hand gehen.
Fotos: IBU Photopool