JT Bö sprintet für Norwegen zu Gold

Der Norweger Johannes Thingnes Bö sprintete Eduard Latypov vom ROC-Team heute Abend auf den letzten 100 Metern der olympischen Mixed-Staffel davon und holte für Norwegen damit die erste Goldmedaille im Biathlon der Olympischen Winterspiele von Peking 2022. Die Staffel aus JT Bö, Marte Olsbu Roeiseland, Tiril Eckhoff und Tarjei Bö brauchte bei einer Zeit von 1:06:45,6 drei Strafrunden und dreizehn Nachlader, um sich Gold zu sichern. Der heutige Sieg war die zweite Goldmedaille in einer Mixed-Staffel für Norwegen; zuletzt hatten sie den Titel bei den Winterspielen von Sochi 2014 geholt. Damals wie auch bei der Silbermedaille 2018 war Eckhoff im Team, womit sie jetzt bei drei aufeinanderfolgenden Olympiaden Medaillen in der Mixed-Staffel gewonnen hat. Frankreich, die 2018 Gold gewonnen hatten, gewannen diesmal mit drei Strafrunden und elf Nachladern Silber. Die Bronzemedaille ging an das ROC-Team mit einer Strafrunde und dreizehn Nachladern.

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„Letzte Runde im Kopf hundertmal geübt“

Zum Zielsprint zu Gold sagte Johannes Thingnes Bö: „Ich habe schnell gemerkt, dass ich ein paar Sekunden aufholen konnte und war mir dann sicher, sie einholen zu können. Ich wusste, dass es bei der 2-km-Runde hier auf einen Sprint hinauslaufen würde, und darauf bereite ich mich vor, seit ich Montag hier angekommen bin. Ich wusste, was ich tun muss, und habe meine beste Leistung abgerufen. Ich hatte die letzte Runde im Kopf hundertmal geübt.“

Gold holen als Schlussläufer

Zum Sieg trotz Strafrunden und Nachladern sagte er weiter: „Es ist schön, als Schlussläufer für Norwegen Gold zu holen. Besser wird es nicht. Wir alle wussten, dass auch die Sieger vermutlich Strafrunden laufen würden, als hatten wir keine Angst davor. Wir wollten um jeden Platz kämpfen, und am Ende standen wir dann ganz oben.“

Schweden wurde mit dreizehn Nachladern und 41 Sekunden Rückstand Vierter. Platz fünf ging an Deutschland mit zwei Strafrunden, 18 Nachladern und 1:05,5 Rückstand, während Belarus mit zwei Strafrunden, vierzehn Nachladern und 1:14,6 Rückstand Sechster wurde.

Klar, kalt und windig: Vittozzi und Olsbu Roeiseland führen

Das erste Biathlonrennen der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking begann bei Bedingungen, wie alle Teams sie schon aus der Trainingswoche kannten. Wie üblich fegte bei -12 °C und klarem Himmel ein starker Wind von links nach rechts über den Schießstand, bisweilen heftig auffrischend. Bei dieser Mixed-Staffel gingen die Frauen zuerst an den Start, dann die Männer, sodass packende Duelle um die Medaillen bei den Schlussläufern zu erwarten waren. Olsbu Roeiseland, Alimbekava und Öberg gaben auf der ersten Runde zum Liegendschießen das Tempo vor. Lisa Vittozzi schoss trotzt starker Böen 0-5 und ging vor Finnland und China, die auch fehlerfrei durchgekommen waren, wieder aus dem Schießstand. Olsbu Roeiseland hatte vor dem Schießen Probleme mit dem Diopter, brauchte einen Nachlader und fiel 24 Sekunden zurück auf Rang zehn.

(Erklärung: Sie hatte vor dem Rennen ihren Diopter verloren, den der slowenische Physio gefunden hatte, an die norwegischen Betreuer weitergegeben hatten, die ihn dann am Schießstandeingang an Marte übergeben hatten.)

Die Italienerin baute ihre Führung bis zum Stehendschießen auf 12 Sekunden aus, brauchte aber einen Nachlader und ging mit nur 0,5 Sekunden Vorsprung auf die Norwegerin raus, die mit fünf schnellen Treffern durchgekommen war. Hanna Öberg folgte nach einem Nachlader 7,5 Sekunden dahinter.

„Wind schwer zu beherrschen“

Nach einer Strafrunde im Stehendanschlag übergab Startläuferin Anais Chevalier-Bouchet auf Rang neun an Julia Simon, mit 1:25 Rückstand. Die spätere Silbermedaillengewinnerin aus Frankreich dachte bei sich: „Das ist für uns gelaufen. Die windigen Bedingungen haben das Rennen spannend gemacht, es herrscht aber keine richtige Chancengleichheit. Für uns ist das Ergebnis gut, aber der Wind ist schwer zu beherrschen. ... Ich muss mich freuen, es ist ja eine Silbermedaille, aber ich bin nicht gerade stolz auf meine Leistung. Aber wir sind ein Team, und wenn einer nicht so gut ist, sind die anderen besser!“

Wierer geht nach vorn

Olsbu Roeiseland ging in Führung und setzte sich von Vittozzi ab, sodass Eckhoff mit 16,7 Sekunden Vorsprung auf Dorothea Wierer übernahm. Alimbekava übergab auf drei mit 31,2 Sekunden Rückstand an Sola, während Hanna mit 44 Sekunden Rückstand an Schwester Elvira übergab. Eckhoff hatte im Liegendanschlag zu kämpfen und schoss eine Strafrunde, während Wierer mit fünf Schuss alles traf und nun 13 Sekunden vor der Norwegerin lag. Sola hatte nach drei Nachladern 20 Sekunden Rückstand, hinter ihr lagen Reztsova und Elvira mit 35 Sekunden Rückstand. Eckhoff hatte den Rückstand auf die Italienerin bis zum Stehendschießen wieder aufgeholt. Vom Wind gebeutelt schossen beide langsam, Eckhoff brauchte jedoch alle Nachlader und musste gleich dreimal in die Strafrunde. Wierer traf mit der letzten Nachladepatrone die letzte Scheibe und ging 13 Sekunden vor Julia Simon wieder auf die Runde, die Frankreich mit fehlerfreiem Schießen von acht auf zwei brachte. Clare Egan zog mit fünf perfekten Schuss für die USA nach und lag nun auf Rang drei vor Elvira. Norwegen fiel mit Eckhoff zurück auf Rang fünf mit 44 Sekunden Rückstand.

Strafrunden im Stehendschießen

Wierer konnte ihre Führung noch eine Weile verteidigen, bis Simon vorbeistob und mit vier Sekunden Vorsprung auf Thomas Bormolini an Emilien Jacquelin übergab. Elvira wechselte mit 15 Sekunden Rückstand auf Ponsiluoma, Sean Doherty übernahm mit 29 Sekunden Rückstand für die USA, Schulter an Schulter mit Tarjei. Als die Männer zum Liegendschießen kamen, war die Sonne hinter den Bergrücken verschwunden. Jacquelin ging mit fünf perfekten Treffern in Führung, seine Widersacher aus Italien und Schweden machten ihm das Kunststück mit 22 Sekunden Rückstand nach. Auch Tarjei traf, lag aber immer noch mit 44 Sekunden Rückstand auf Rang vier. Jacquelin handelte sich nach Nachladeproblemen zwei Strafrunden ein. Loginov kam mit zwei Nachladern durch und ging 0,7 Sekunden vor den USA auf die Strecke, gefolgt von Ponsiluoma mit drei Nachladern und 4,6 Sekunden Rückstand sowie Jacquelin kurz dahinter. Italien und Norwegen waren die Nächsten mit 16,5 und 24 Sekunden Rückstand.

Latypov führt

Beim letzten Wechsel ging Latypov mit 17 Sekunden Vorsprung vor Samuelsson und Fillon Maillet ins Rennen, knapp gefolgt vom US-Amerikaner Paul Schommer und Johannes Thingnes Bö. Latypov brauchte nur sechs Schuss für sein Liegendschießen und war über alle Berge, dahinter folgten Fillon Maillet mit 22 Sekunden Rückstand, JT mit 24 und Samuelsson mit 29. Die Medaillenentscheidung sollte im Stehendanschlag fallen. Latypov brauchte einen Nachlader, der französische Rivale schoss 0-5 und folgte mit nur 1,9 Sekunden Rückstand. Johannes Thinges Bö hatte nach einem Nachlader 9 Sekunden aufzuholen, Samuelsson 14 Sekunden.

JT sprintet zu Gold

Einen Kilometer vor dem Ziel lagen die drei Führenden nur noch eine Skilänge auseinander. Die Rivalen aus Frankreich und Norwegen hingen dem Schlussläufer des ROC-Teams an den Skienden. Das Trio stürmte Richtung Stadion, nur Millimeter trennten sie, doch der Norweger machte den besten Eindruck. Auf den letzten 100 Metern schob sich Johannes Thingnes Bö kraftvoll an Latypov vorbei und holte die Goldmedaille, und auch Fillon Maillet kam noch vorbei zu Silber, sodass das ROC-Team am Ende Bronze gewann.

Besondere Medaille für Fillon Maillet

Für Fillon Maillet, der im Weltcup derzeit das gelbe Trikot trägt, ist es die erste olympische Medaille seiner Karriere, und auch eine besondere Medaille: „Die letzten Olympischen Spiele in Pyeongchang waren sehr schwierig für meinen Stiefvater und meine Freundin, die es zu der Zeit sehr schwer hatten. Meine Freundin kämpfte während der Olympischen Spiele gegen Krebs. Bevor ich hierherkam, sagte sie: ‚Gewinn ein paar Rennen für mich.‘ Es war eine toller Kampf und ich freue mich sehr über die Medaille heute, weil es nicht nur um den Sport geht, sondern auch um das Leben, meine Freundin und Familie. Es ist eine besondere Medaille, weil Pyeongchang so furchtbar war.“

Loginov „Eine Medaille, die wir uns verdient haben“

Loginov sagte, die Bronzemedaille für das ROC-Team (die erste olympische Medaille für eine Mannschaftsleistung) sei etwas Besonderes, und dass es auch für ihn ein besonderer Moment sei. „Das ist ein guter Abschluss für den Tag. Es ist nicht nur eine Bronzemedaille, sondern auch eine Medaille, die wir uns verdient haben ... Ich glaube, nach dem guten Schießen sind mir Flügel gewachsen. Ich war gut drauf und bin froh, dass ich heute vom ersten bis zum letzten Meter gut arbeiten konnte.“

Fotos: IBU/Christian Manzoni

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