Nationalteams 2026: Umbruch in Norwegen, vertraute Gesichter in Frankreich
Nach einer turbulenten Olympiasaison, die von zahlreichen Rücktritten und einer Frühjahrspause geprägt war, haben die meisten Teams ihre Kader neu aufgestellt. Und erwarten einige Überraschungen und auch einige späte Karriereenden.
Norwegisches Drama: Strømsheim und Sørum raus, Hedegart rein
Norwegen sorgte wie gewohnt mit seinen Teamnominierungen für Gesprächsstoff. Sturla Holm Lægreid, Vetle Sjåstad Christiansen, Johannes Dale-Skjevdal und Martin Uldal kehren aus dem Weltcup-Team der vergangenen Saison zurück. Neu dabei sind Olympiasieger Johan-Olav Smørdal Botn sowie Isak Leknes Frey.
Überraschenderweise wurden der Massenstartweltmeister von 2025, Endre Strømsheim, der bereits einen garantierten Startplatz für die IBU Weltmeisterschaften 2027 in LaVita besitzt, sowie Vebjørn Sørum nicht berücksichtigt. Beide hatten im vergangenen Winter mit Krankheiten zu kämpfen. Sie wurden nicht nur aus dem Weltcup-Team gestrichen, sondern sogar aus der nationalen Trainingsstruktur herausgenommen.
Die größte Nachricht war jedoch die Aufnahme des doppelten Langlauf-Olympiasiegers von Milano/Cortina, Einar Hedegart, in das B-Team. Der 24-Jährige, der bei der IBU JJWM 2023 drei Medaillen gewann, gilt als das nächste große norwegische Biathlontalent.
Knotten kehrt zurück, nach Operation vorerst außer Gefecht
Bei den Frauen rückte Karoline Offigstad Knotten wieder in das Weltcup-Team auf. Allerdings fällt sie nach einer Notoperation am Blinddarm auf unbestimmte Zeit aus. Sobald sie wieder trainieren darf, wird sie gemeinsam mit Sprint-Olympiasiegerin Maren Kirkeeide, Ingrid Landmark Tandrevold, Juni Arnekleiv und Marthe Krakstad Johansen zum Team gehören. Gro Randby steigt nach vier Podestplätzen in den letzten fünf IBU-Cup-Wettkämpfen des vergangenen Winters ins Weltcup-Team auf.
Baserga und Gasparin im Schweizer A-Kader
Die Schweiz, die mit einem neuen Trainerstab in die Saison geht, hielt weitgehend an ihrer bisherigen Struktur fest. Amy Baserga und Lea Meier wurden in die Nationalmannschaft berufen, während Aita Gasparin, Lena Haecki-Gross, Sebastian Stalder, Joscha Burkhalter und Niklas Hartweg dem A-Kader angehören werden.
Sieben Männer, sieben Frauen im schwedischen Team
Schweden hat aus seiner Kerngruppe keinen einzigen Athleten durch Rücktritt verloren und geht mit sieben Männern und sieben Frauen in die neue Saison. Eben jenes Frauenteam hat erstmals den Nationencup gewonnen.
Die Oeberg-Schwestern, Linn Gestblom, Anna Magnusson und Johanna Skottheim bilden gemeinsam mit den Nachwuchstalenten Ella Halvarsson und Anna-Karin Heijdenberg das Aufgebot.
Bei den Männern wurde der erst 19-jährige Gold- und Silbermedaillengewinner der Juniorenweltmeisterschaft, Philip Lindkvist-Fløtten, in den Kader aufgenommen. Der Sohn einer schwedischen Mutter lebte und trainierte bislang in Lillehammer, bevor er Mitte Mai nach Östersund umzog. Dort schließt er sich dem Verfolgunsolympiasieger Martin Ponsiluoma, dem Vierten in der Weltcupgesamtwertung, Sebastian Samuelsson, sowie Jesper Nelin, Malte Stefansson und Viktor Brandt in der Trainingsgruppe an.
Vertraute Gesichter in Frankreich
Frankreich setzt auch in der neuen Saison auf nahezu dieselben Athletinnen und Athleten wie im Vorjahr. Das Nationencup-Siegerteam der Männer ist nahezu identisch mit dem Kader der vergangenen Saison. Einzige Neuaufnahme ist der Gewinner der IBU-Cup-Gesamtwertung, Gaëtan Paturel. Angeführt wird das Team vom Weltcupgesamtsieger Eric Perrot sowie Sprintolympiasieger Quentin Fillon Maillet, Fabien Claude, Émilien Claude, Oscar Lombardot und Émilien Jacquelin. Jacquelin wird im Sommer jedoch nicht mit der Mannschaft trainieren, da er Möglichkeiten als professioneller Radsportler verfolgt.
Bei den Frauen führt Weltcupgesamtsiegerin Lou Jeanmonnot einen außergewöhnlich starken Kader an. Dazu gehören die Olympiasiegerin im Einzel, Julia Simon, Justine Braisaz-Bouchet, die Massenstartolympiasiegerin Océane Michelon, Camille Bened und Jeanne Richard. Die Siegerin der IBU-Cup-Gesamtwertung, Paula Botet, bleibt zwar im B-Team, wird aber im Laufe des Sommers mehrfach gemeinsam mit der Weltcupmannschaft trainieren.
Österreich, Deutschland und die Ukraine
Nach den Rücktritten von Simon Eder, David Komatz und Lisa Theresa Hauser verfügt Österreich nur noch über ein kleines A-Team. Patrick Jakob und Dominic Unterweger sind die einzigen Männer im Spitzenkader. Bei den Frauen gehören Anna Gandler, Anna Andexer, Tamara Steiner, Lea Rothschopf und Dunja Zdouc zur ersten Trainingsgruppe.
Deutschland präsentiert sich nach den Rücktritten von Franziska Preuß und Johannes Kühn ähnlich wie in der vergangenen Saison. Janina Hettich-Walz, Vanessa Voigt und Anna Weidel führen das siebenköpfige Frauenteam an, zu dem außerdem die Vertreterinnen der nächsten Generation Selina Grotian, Julia Tannheimer, Marlene Fichtner und Julia Kink gehören.
Die Männergruppe setzt sich überwiegend aus erfahrenen Athleten zusammen. Angeführt wird sie von Philipp Nawrath, Justus Strelow, Philipp Horn, Danilo Riethmüller und David Zobel. Neu im Team ist Leonhard Pfund.
Die Ukraine stellte einen A-Kader mit zehn Frauen und sieben Männern vor. Dmytro Pidrutschnyj kehrt nach mehreren Jahren außerhalb der Verbandsstruktur in die Nationalmannschaft zurück. Die größte Veränderung betrifft Anastasiya Merkushyna und ihre Schwester Oleksandra, die bei der IBU JJWM 2026 zwei Medaillen gewann. Beide trainieren auf eigenen Wunsch in der B-Gruppe unter der Leitung ihres Vaters. Auch die vierfache Olympiateilnehmerin und Staffel-Olympiasiegerin von 2014, Yulia Dzhima, gehört dem B-Team an.
Krčmář vor seiner 15. Weltcup-Saison
In Tschechien steht Michal Krčmář vor seiner 15. Weltcup-Saison. Olympiateilnehmer Tomáš Mikyska verließ dagegen die Mannschaft, um sich neuen Möglichkeiten im Skilanglauf zu widmen.
Bei den Frauen wurden die Juniorinnen Ilona Plecháčová und Heda Mikolášová sowie die IBU-Cup-Athletin Kateřina Pavlů in den Kader aufgenommen. Angeführt wird das Team von Tereza Voborníková und Markéta Davidová. Davidová steht nach einer weiteren Rückenoperation vor einer längeren Rehabilitationsphase, bevor sie wieder ins Training einsteigen und zur Mannschaft zurückkehren kann.
Finnland setzt auf bewährte Kräfte
Finnland nominierte vier Frauen und fünf Männer für seinen Spitzenkader. Angeführt wird das Team von Olympiabronzemedaillengewinnerin Suvi Minkkinen sowie Tero Seppälä. Gemeinsam bilden sie eines der erfolgreichsten Single-Mixed-Staffel-Duos der vergangenen Jahre.
Fotos: IBU/ Christian Manzoni, Nordic Focus, Svensk Skidskytte