Es geht nicht nur um Medaillen: Große Momente in Mailand/Cortina für Invenius, de Besche, Wright, Tandrevold

Die meisten Athletinnen und Athleten in den Biathlon-Rennen von Mailand/Cortina kamen nie in die Nähe einer Medaille, aber viele hatten trotzdem Grund zur Freude, von Otto Invenius und Anne De Besche, die Leistungen ablieferten, von denen sie nicht zu träumen gewagt hatten, bis hin zu Campbell Wright und Ingrid Landmark Tandrevold mit vielversprechenden Resultaten. Sie sind der Beweis, dass es bei Olympischen Winterspielen eben nicht nur um Medaillen geht.

Invenius: „Dabeisein ist alles“

Der Finne Otto Invenius verpasste die ersten Weltcups der Saison und musste um die Olympia-Teilnahme bangen, erholte sich aber rechtzeitig und schaffte es in den Kader. Ein 11. Platz im 20 km Einzel und ein 9. Platz im olympischen Massenstart, das beste Ergebnis seiner bisherigen Karriere, machten die Spiele für ihn zu einem besonderen Erlebnis. „Dabeisein ist einfach alles; ich habe eine schwierige Saison hinter mir. Hier anzutreten ist der Wahnsinn. Mit den Top-Leuten auf die Runde zu gehen, das hätte ich nicht für möglich gehalten, als ich hier ankam!“

De Besche: „Ich hatte keine Erwartungen“

Die Dänin Anne de Besche gewann 2019 Staffelgold bei der IBU Jugend-WM, damals noch für Norwegen. Nach mehreren Jahren mäßiger Resultate und verschiedenen gesundheitlichen Problemen beschloss sie, für Dänemark, das Herkunftsland ihrer Familie anzutreten, und sicherte sich dort das Olympia-Ticket. Im 7,5 km Sprint der Frauen gelang es ihr zu zaubern. Sie ließ nur eine Scheibe stehen und schaffte es auf einen fast unglaublichen 16. Platz. „Das ist fantastisch. Ich habe nicht mit einer so guten Platzierung gerechnet. Es ist erst mein drittes Rennen auf Weltcup-Niveau. Ich hatte keine Erwartungen. Ich wollte es einfach nur in den Verfolger schaffen. Platz 16 ist völlig unglaublich. Ich bin überglücklich, dass ich heute meine Bestleistung abrufen konnte!“ Und das Ergebnis war kein Ausreißer: Im Verfolger schaffte sie es mit zwei Fehlern auf Platz 20 und qualifizierte sich für den Massenstart, den sie als 29. beendete. Keine schlechte Bilanz für die 25-Jährige!

Wright: „Glücklich über Platz 5“

Der Amerikaner Campbell Wright konnte nicht ganz die Einzelleistungen abrufen, auf die er gehofft hatte, aber sein tadelloser Auftritt als Schlussläufer in der 4 x 7,5 km Staffel der Männer brachte dem Team USA den 5. Platz ein, die bislang beste Platzierung bei einer Olympia-Staffel. „Unsere Männer-Mannschaft hat sich bei diesen Winterspielen schwergetan. Ich konnte ein paar gute Ergebnisse einfahren, aber die anderen Jungs haben einfach enormes Pech gehabt. Ich bin glücklich über Platz 5 mit der Mannschaft, da hat dann jeder was zu feiern ... Wir sind Fünfter bei den Olympischen Winterspielen geworden!“

Tandrevold: „Ich bin einfach nur dankbar“

Ingrid Landmark Tandrevold gab sich die ganze Saison große Mühe, Fahrt aufzunehmen, hatte aber vor Mailand/Cortina nur wenig vorzuweisen. Die quirlige Norwegerin gab nie auf, fand im Sprint der Frauen zu guter Laufform und solidem Schießen zurück und schaffte mit Platz 10 eine Saison-Bestleistung. Als die Olympiasiegerin Maren Kirkeeide ins Ziel kam, lief Tandrevold gleich zu der Mannschaftskameradin, um ihr zu gratulieren. Nur wenige Momente später sagte Tandrevold unter Tränen: „Ich bin stolz auf das, was ich geleistet habe ... ich weiß nicht, warum mir die Tränen kommen ... ich bin einfach nur dankbar. Ich habe gar kein Selbstvertrauen und glaube nicht an mich, aber ich habe ein unglaubliches Team. Sie haben mir diese Chance gegeben. Sie versuchen jeden Tag, mich zum Lachen zu bringen und Spaß zu haben. Sie wissen, dass ich in letzter Zeit ziemlich traurig bin und neben mir stehe. Es ist eine schwierige Zeit. Ich musste mich im Januar zwei Wochen lang in meinem Zimmer isolieren, weil ich so krank war, also bin ich besonders dankbar, dass sie an mich geglaubt und mir die Chance gegeben haben! Es war so ein toller Tag für (die Olympiasiegerin) Maren und die ganze Mannschaft.“

Die Winterspiele von Mailand/Cortina haben wieder einmal bewiesen, dass es nicht immer nur um Medaillen geht. Es geht um die Menschen, und darum, was die Spiele ihnen bedeuten.

Fotos: IBU/Vianney Thibaut, Ola Wizor, Nordic Focus

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