Ein Jahr danach – in Erinnerung an Laura Dahlmeier
Der 28. Juli 2025 hat sich als Tag ins kollektive Gedächtnis der Biathlon-Familie eingebrannt, an dem Laura Dahlmeier am Laila Peak in den Bergen Pakistans für immer die Augen schloss. Ihr Tod hat nicht nur den Biathlon, sondern die gesamte Sportwelt bis ins Mark erschüttert. Doch ihr Vermächtnis, ihre einzigartige Persönlichkeit und ihr strahlendes Lächeln werden uns für immer begleiten.
Laura Dahlmeier hat ihr Leben in vollen Zügen genossen. Die Garmisch-Partenkirchenerin, die ihrer Heimat stets treu blieb, war ein Kind der Berge. Sie liebte es, von den hohen Gipfeln umgeben zu sein, denen sie in ihrer Biathlon-Karriere nur kurz „Auf Wiedersehen“ sagte, um in jeder freien Minute zu ihnen zurückzukehren. Nach ihrem Rücktritt vom Leistungssport rückten die Berge in den Mittelpunkt ihres Lebens und Laura Dahlmeier brachte ihre Leidenschaft und Professionalität in den Bergsport ein. Vor einem Jahr ging sie an einem Ort von dieser Welt, den sie über alles liebte.
Obwohl sie ein wenig medienscheu war und mit ihrer Tätigkeit als TV-Expertin für das ZDF so manche überraschte, war diese Rolle für sie wie geschaffen. Laura ging die Aufgabe mit der gleichen Professionalität und Hingabe an, die sie schon als Leistungssportlerin ausgezeichnet hatte. Zu ihrem Tod sagte ihr ehemaliger Kollege Sven Fischer, der zusammen mit ihr für das ZDF auf der Strecke und am Mikrofon arbeitete, mit bewegter Stimme gegenüber Welt.de: „Laura war unser Sonnenschein. Die Arbeit wird nicht mehr so schön sein.“
In Gedenken an Laura Dahlmeier richten wir heute einen Blick zurück auf ihre überragende Saison 2016/17. In jenem Winter feierte die damals 23-Jährige zehn Siege, holte bei den IBU-Weltmeisterschaften bei fünf ihrer sechs Starts die Goldmedaille (allein im Sprint musste sie sich Gabriela Soukalova um 4 Sekunden geschlagen geben) und sicherte sich neben der Großen Kristallkugel für die Sieg in der Weltcup-Gesamtwertung auch die kleinen Kugeln für die Disziplinwertungen in Einzel und Verfolgung.
Obwohl auch andere Biathlon-Stars fünfmal WM-Gold gewannen, stehen Lauras fünf Goldmedaillen und einmal Silber bei den Titelkämpfen in Hochfilzen für sich. Nachdem sich die Aufregung in jener Saison etwas gelegt hatte, zeigte sie sich ein wenig verblüfft, doch zweifellos stolz auf ihre WM-Erfolge: „Mit fünf Goldmedaillen in sechs Rennen ist es perfekt für mich gelaufen. Ich bin megahappy. Hochfilzen ist ein besonderer Ort. Es liegt in den Alpen, man sieht die Berge und es ist nicht weit in meine Heimat. Mein Ziel war eine Einzelmedaille und eine Medaille mit der Mannschaft. Nach der Medaille im Sprint dachte ich, dass ich die Verfolgung gewinnen könnte. Danach habe ich einfach von Rennen zu Rennen geschaut. Es war wie ein Traum. Doch das letzte Rennen, der Massenstart, war einfach perfekt – viermal Null.“
Zu Saisonbeginn schienen der Gesamt-Weltcup und das Gelbe Trikot für sie noch in weiter Ferne: „Daran habe ich nie gedacht. Aber die gesamte Saison war gut. Ich war immer in den Top Ten. Das Gelbe Trikot war nicht mein Ziel. Vielleicht war es das Beste, dass ich immer von Rennen zu Rennen geschaut habe.“
Den Medienrummel nahm sie mit ihrem berühmten Lächeln zur Kenntnis und verriet, was während der Saison am wichtigsten für sie war: „Für mich zählen gute Rennen, nicht gute Interviews!“
Nach einer spektakulären Saison mit vielen großen Siegen, Medaillen und drei Kristallkugeln sprach Laura Dahlmeier über ihre Liebe zu den Bergen, in denen sie ihre Zukunft sah. „Am Ende der Saison freue ich mich darauf, nach Hause zu kommen und klettern zu gehen. In den Bergen ist jeder Mensch gleich. Da ist egal, wo man herkommt oder was man auf dem Konto hat. In den Bergen arbeitet man zusammen. Dort ist jeder gleich und man vergisst schnell die Zeit. Materielle Dinge spielen keine Rolle, das finde ich cool.“
Vielleicht sagt das mehr über Laura Dahlmeier als all ihre Siege und Medaillen. Die Berge waren ihr Ein und Alles.
Heute gedenken wir Laura mit einem liebevollen Lächeln – so, wie sie es sich wahrscheinlich gewünscht hätte.
Fotos: IBU/Christian Manzoni, Archive