Von den Spielen zurück auf die Schulbank: Wie der 17-Jährige Rihards Lozbers die Balance findet
Besser hätte die Saison 2025/26 für Rihards Lozbers kaum laufen können. Mit gerade einmal 16 Jahren qualifizierte er sich für die Olympischen Winterspiele, erreichte mit Platz 21 das beste Weltcup-Ergebnis seiner noch jungen Karriere und avancierte zum jüngsten Biathleten überhaupt, der je bei einem Massenstart im Weltcup antreten durfte. Darüber hinaus holte er vier Medaillen bei den Weltmeisterschaften der Jugend und Junioren. Wie geht er mit all dem um?
Biathlonworld (BW): Rihards, im abgelaufenen Winter hast du die gesamte Biathlon-Familie schwer beeindruckt. Du warst bei Olympia dabei und hast mit Platz 21 dein bestes Weltcup-Ergebnis gefeiert. Zudem bist du der jüngste Biathlet, der je an einem Massenstartrennen im Weltcup teilgenommen hat. Als I-Tüpfelchen hast du vier Medaillen bei den Weltmeisterschaften der Jugend und Junioren gewonnen. Wie würdest du deine letzte Saison selbst beschreiben?
Rihards Lozbers (RL): Der Winter war absolut unglaublich. Mein Saisonziel in der Vorbereitung lautete, bei den Weltmeisterschaften der Jugend und Junioren am Arber gut in Form zu sein. Ich wollte dort meine erste internationale Medaille gewinnen. Ich hätte nie gedacht, dass ich am Ende bei Olympia, im Weltcup und beim IBU-Junior-Cup in Madona dabei sein würde – ganz zu schweigen von den großartigen Ergebnissen. Ich durfte so viele fantastische Momente erleben, die konnte ich noch gar nicht alle richtig verarbeiten.
BW: Wie hast du die ersten Wochen nach Saisonende verbracht? Konntest du etwas abschalten?
RL: Wenn ich ehrlich bin, war es genau das Gegenteil. Ich habe gerade die zehnte Klasse abgeschlossen, seit Saisonende also fleißig die Schulbank gedrückt. Ich musste ziemlich viel Stoff nacharbeiten und Prüfungen nachholen, an denen ich in den Wintermonaten nicht teilnehmen konnte. Es ist nicht leicht, Schule und Sport unter einen Hut zu bekommen, aber ich bin meinen Lehrern sehr dankbar, dass sie mich so toll unterstützt haben. Jetzt liegen noch zwei Schuljahre vor mir, bis ich meinen Abschluss mache. Wenn ich doch mal etwas Freizeit hatte, habe ich mich mit meinen Freunden getroffen. Wir haben nichts Besonderes gemacht. Nur Dinge, die Teenager eben gern tun.
BW: Gab es neben all den Höhepunkten auch Momente, die nicht so gut verlaufen sind?
RL: Im Sport gibt es immer Höhen und Tiefen, das ist völlig normal. Ich habe in der letzten Saison gemerkt, dass es in meinem Alter nicht leicht ist, konstant auf einem so hohen Niveau abzuliefern. Das hat sich dann in meinem Einzel in Antholz gezeigt, in dem ich gleich achtmal danebengeschossen habe.
BW: Neben Olympia, dem Weltcup-Debüt, deiner Teilnahme an den Weltmeisterschaften der Jugend und Junioren war sicherlich auch der IBU-Junior-Cup in deiner lettischen Heimat Madona ein Highlight für dich. Welche Erfahrungen hast du dort gesammelt?
RL: Die Atmosphäre war großartig. Es sind viele Familienangehörige und Freunde von mir ins Stadion gekommen. Mein Vater hat zum ersten Mal einen internationalen Biathlonwettkampf live miterlebt. Im Anschluss sagte er: „Ich hätte nie gedacht, dass Biathlon so viel Spaß macht.“ Jetzt will er öfters bei den Wettkämpfen dabei sein. Das macht mich stolz. Seine Leidenschaft gilt eigentlich dem Radsport. Er hat mich mit Sport in Berührung gebracht. Er hat mich als Vierjährigen aufs Rad gesetzt. Der Radsport war auch meine große Leidenschaft, bis ich 2022 zum Biathlon gewechselt bin.
BW: Mit deinen Erfolgen steigt auch die Begeisterung um deine Person – Fans, Medien und Sponsoren nehmen zunehmend Notiz von dir. Wie gehst du damit um?
RL: Das gehört zum Sport dazu. Ich muss mich daran gewöhnen. Aber ich bin kein anderer Mensch, nur weil ich sportliche Erfolge feiere. Interviews vor laufender Kamera sind etwas Neues für mich, aber ich nehme das mit und lerne dabei.
BW: Verspürst du mentalen Druck?
RL: Ich stelle hohe Erwartungen an mich selbst. Manchmal gehe ich zu hart mit mir ins Gericht. Um diese Herausforderung besser zu meistern, hat mich mein Coach im vergangenen Sommer mit einer Sportpsychologin bekannt gemacht. Sie hilft mir, mit dem Druck umzugehen.
BW: Was sind deine Ziele für die neue Saison?
RL: Ich möchte konstanter schießen, damit ich weniger Strafrunden absolvieren muss. Darauf liegt aktuell mein Fokus. Dafür habe ich auch ein neues Gewehr, das extra für mich angefertigt wurde. Im kommenden Winter möchte ich bei den Junioren-Weltmeisterschaften wieder Medaillen holen. Weiterhin will ich mich für das Europäische Olympische Jugendfestival 2027 qualifizieren und beim Junior-Cup in Madona aufs Podium kommen. Das ist mir letztes Jahr nicht gelungen.
Fotos: IBU I Archiv