Erster Sprintsieg für Julia Simon

Die Französin Julia Simon meisterte heute Nachmittag beim 7,5 km Sprint der Frauen in Otepää den tückischen Wind, verfehlte nur einmal und flog förmlich über die letzte Runde zu ihrem ersten Sprintsieg im BMW IBU Weltcup in 20:45,8. Die Deutsche Vanessa Voigt traf mit immer noch sensationeller Treffsicherheit alle ihre Scheiben und schaffte es mit 11 Sekunden Rückstand zum ersten Mal in ihrer Karriere im Weltcup aufs Podest. Die Norwegerin Karoline Offigstad Knotten kam ebenfalls ohne Fehler durch und wiederholte ihre Bestleistung mit einem dritten Platz bei 12,8 Sekunden Rückstand.

Header icon2022 BMW IBU World Cup Otepaeae Women's Sprint

Simons „große Leistung“

Simon war mit ihrem ersten Sprintsieg fast durchgehend zufrieden. „Ich bin mit meiner Leistung heute sehr zufrieden. Ich fühle mich richtig gut. Ich glaube, das war einer meiner besten Auftritte in dieser Saison. Nachdem die letzte Scheibe stehengeblieben war, habe ich mich ein bisschen geärgert und musste mich konzentrieren, um die letzte Runde nicht zu schnell anzugehen, weil das ein langer Anstieg ist. Ich habe versucht, ruhig loszulaufen, um zum Schluss noch Körner zu haben.“ Über den ersten Sprintsieg sagte sie: „Ich bin sehr glücklich. Das ist so ein gutes Gefühl. Es ist eine große Leistung. Das werde ich genießen!“

„Heute war ein guter Tag“

Für die vier verbleibenden Einzelrennen in dieser Saison gab die heutige Siegerin ein klares Ziel aus: „Mein Bestes geben“ Das wird spannend mit zwei Massenstarts, einem Sprint und einem Verfolger. Ich will einfach den besten Biathlon abliefern, der in mir steckt. Heute war ein guter Tag, und das muss ich wiederholen“

Die Frauen auf den Plätzen vier bis sechs mussten alle eine Strafrunde laufen, und auf Platz vier schaffte es Voigts Mannschaftskameradin und Einzel-Olympiasiegerin Denise Herrmann mit 16,1 Sekunden Rückstand. Fünfte wurde die Norwegerin Ingrid Landmark Tandrevold mit 21,9 Sekunden Rückstand, die Schwedin Hanna Öberg mit 23 Sekunden Rückstand Sechste.

Windiger Sprint bei den Frauen

Bei bedecktem Himmel und +3 °C wehte heute Nachmittag beim ersten BMW IBU Weltcup-Sprint aller Zeiten in Otepää wie erwartet der Wind quer über den Schießstand und den 86 Schützinnen ins Gesicht. Anais Chevalier-Bouchet mit Startnummer 8 war die Erste, die ohne Fehler durchs Liegendschießen kam und in Führung ging. Voigt tat es ihr wie erwartet gleich, war aber 16 Sekunden langsamer. Tandrevold warf mit fünf Treffern und 6 Sekunden Rückstand ebenfalls ihren Hut in den Ring. Wierer ließ mühelos fünf Scheiben zuklappen und schob sich auf Rang drei. Simon mit Startnummer 38 verdrängte mit einer Null-Fehler-Serie ihre Mannschaftskameradin vom ersten Rang.

Voigt in Perfektion

Voigt, die scheinbar nicht verschießen kann, kam als Zweite ohne Fehler durchs Stehendschießen und schob sich vor auf Rang eins, nachdem Chevalier-Bouchet einmal verfehlt hatte. Auch Hanna Öberg kam kurz vor ihr ohne Fehler durch, während bei Tandrevold eine Scheibe stehenblieb. Sie lagen auf zwei und vier, aber nur mit 5,7 und 7,7 Sekunden Rückstand. Wierer schoss sich mit zwei Fehlern vom Podest. Die laufstarke Deutsche Herrmann, die im Liegendanschlag einmal gepatzt hatte, kam ohne Fehler durchs Stehendschießen und lag nun nur 15 Sekunden hinter der jungen Mannschaftskameradin. Simon kam mit fünf Sekunden Vorsprung zum Stehendschießen, setzte vier flotte Treffer und ließ dann die letzte Scheibe stehen, kam aber trotzdem mit zwei Sekunden Vorsprung auf Voigt aus der Runde. Knotten, die nach fehlerfreiem Liegendschießen auf Rang vier zum Stehendschießen kam, traf schnell und ging mit 11 Sekunden Vorsprung auf Simon auf die Strecke.

Simon spurtet zum Sieg

600 Meter vor dem Ziel hatte Voigt schon neun Sekunden Vorsprung. Tandrevold versuchte die Deutsche noch einzuholen, verlor aber bis zur Zwischenzeit bei 6,9 km noch ein paar Sekunden und konnte den zweiten Platz trotzdem ins Ziel retten. Herrmann flog über die letzte Runde und lag bei 6,2 km knapp hinter Voigt. Das Kraftpaket Simon witterte allerdings ihre Siegchance und holte bis dort schon einige Sekunden heraus. Bei 6,9 km lag sie 9,7 Sekunden vorn und war auf dem Weg zum Sieg. Knotten, die ihre Führung nach dem Stehendschießen nicht verteidigen konnte, hatte auf den letzten 100 m scheinbar keine Reserven mehr, rettete sich aber noch knapp vor Herrmann ins Ziel und wurde Dritte.

Knotten: „Ich konnte nicht mehr in die Hocke“

Knotten sah ihren Vorsprung dahinschmelzen und konnte nichts dagegen tun, freute sich aber über den dritten Platz und den zweiten Podestplatz ihrer Karriere. „Am ersten Anstieg hörte ich, dass ich 10 Sekunden Vorsprung habe, was mit Startnummer 53 völlig surreal war. Ich wusste, wenn ich das halten kann, dann hab ich das. Julia kam immer näher. Dann hörte ich elf, dann sechs und drei, und dachte: ‚Nein!‘ Ich hatte auf der zweiten Runde gesehen, wie schnell sie ist, und wusste: ‚Da kann ich nicht mithalten.‘ Die Jungs hatten mir gestern gesagt, dass man es von Anfang an hart angehen muss und sich in den Abfahrten erholen muss. Das habe ich versucht, und meine zweite Runde war echt gut. Damit war ich zufrieden. Auf der letzten konnte ich nicht mehr in die Hocke gehen. Ich habe versucht, noch mehr herauszuholen, aber heute hat es nicht gereicht. Ein bisschen enttäuscht war ich im Ziel auf Platz drei, aber dann auch gleich froh, das ist ja wirklich gut.“

Mit der starken letzten Runde schnappte Simon Voigt den Sieg weg, aber für Voigt war es immer noch eine persönliche Bestleistung mit Platz zwei.

Erster Podestplatz, „die Kirsche auf dem Kuchen“

Die Gesamtsiegerin im IBU Cup 2020/21 Voigt hatte im Gefühl gehabt, dass mit ein bisschen Arbeit und ein bisschen mehr Power ein Podestplatz möglich sein könnte. „Ein großartiges Gefühl, und eine tolle Saison für mich. Das heute ist für mich die Kirsche auf dem Kuchen ... Ich hätte (vor der Saison) nicht gedacht, dass ich es dieses Jahr aufs Podest schaffen kann. Ich wusste, dass ich am Schießstand sehr stark bin, aber in Kontiolahti war ich mit Null-Null Sechste, also wusste ich, dass ich an meinen Schießzeiten und meinen Laufzeiten arbeiten muss, und habe hiermit nicht gerechnet. ... Vielleicht habe ich auf der letzten Runde noch mal Reserven freimachen können, als ich gehört hab, dass ich heute sehr gut im Rennen liege. Keine Ahnung, woher die zusätzliche Kraft kam. Es ist der Wahnsinn, ich habe alles gegeben.“

Fotos: IBU/Hendrik Osula

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