Sprint von Pokljuka geht an norwegisches Dreigestirn unter JT Bö

Der Norweger Johannes Thingnes Bö glich heute Nachmittag im 10 km Sprint der Männer von Pokljuka eine Strafrunde mit brillanter Laufleistung im weichen Schnee aus und siegte vor seinem Bruder Tarjei und Mannschaftskamerad Sturla Holm Lägreid auf den Plätzen 2 und 3. Nach einer spektakulär schnellen, fehlerfreien Schießeinlage im Stehendanschlag lief JT eine scheinbar mühelose Schlussrunde und sicherte sich den Sieg in 23:55,9. Tarjei landete ohne Fehler mit 48,1 Sekunden Rückstand auf Platz zwei. Lägreid lief ebenfalls eine Strafrunde und kam mit 55,6 Sekunden Rückstand ins Ziel.

„Im Stehendanschlag sicher gefühlt“

JTs vierter Sprintsieg in Folge und sechster Sieg der Saison war sowohl am Schießstand als auch auf der Strecke eine Meisterleistung. „Ich glaube, das war das perfekte Rennen. Im Liegendanschlag wäre ich fast ohne Fehler durchgekommen. In dieser Trainingswoche ist es am Schießstand gut gelaufen, vor allem im Stehendanschlag, als habe ich mich auf dem Weg zum Stehendschießen sicher gefühlt. Aber dann sah ich Sturla ohne Fehler durchkommen, der hat mich ganz schön unter Druck gesetzt! Gute Ski, schnelles Schießen, zufrieden.“

„Ski unter den Top drei“

Zu seiner überragenden Laufleistung auf der Strecke und auf die Frage hin, ob er sich auf Skiern je besser gefühlt hat, sagte er: „Ich weiß es nicht. Ich glaube, ich habe heute das richtige Tempo gefunden. Wenn man es hier zu schnell angeht, dann brennen die Beine. Nach der ersten Warnung auf der Strecke hab ich den Fuß vom Gas genommen. Ich bin auf der ersten Runde zu schnell gelaufen. Ich glaube, die Ski, die die Wachser heute präpariert haben, waren unter den besten drei meiner Karriere.“

Vierter wurde der Deutsche Benedikt Doll mit einem Fehler und 1:03,3 Rückstand. Der Tscheche Michal Krcmar schaffte mit fehlerfreiem Schießen und 1:03,9 Rückstand eine Saison-Bestleistung auf Platz fünf. Tommaso Giacomel aus Italien glich zwei Schießfehler mit konstant schnellem Tempo aus und bestätigte mit Platz sechs seine persönliche Bestleistung mit 1:09,5 Rückstand.

Liegendfehler bei JT und Lägreid

Die Männer traten bei den gleichen Bedingungen an wie die Frauen im ersten Rennen von 2023: +4 °C, Sonne und Windstille am Schießstand, aber erneut auf einer herausfordernden Strecke, die weich und stellenweise tief zerfurcht war. Überraschend übernahm Giacomel früh die Führung nach dem Liegendschießen mit einer Null-Fehler-Serie, bevor die Favoriten zum Schießstand kamen. Erst patzte Lägreid einmal, dann JT, aber der Mann in Gelbrot kam besser davon. Er ging nach einer schnelleren ersten Runde mit nur 8,2 Sekunden Rückstand wieder auf die Strecke.

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Lägreid erklärte den Schießfehler: „Der Anlauf zum Schießstand ist sehr einfach und man hat viel Zeit zum Atmen, aber wir sind hier mit 1300 Metern auch relativ hoch. Da denkt man schnell, dass man schon treffen wird und konzentriert sich nicht auf die richtigen Dinge. Für mich war das im Liegendanschlag so. Ich hatte mich vielleicht schon zu sehr auf die weiße Weste eingestellt. Ich habe in dieser Saison liegend noch gar nicht verschossen, also habe ich das vielleicht für selbstverständlich genommen und prompt einen Fehler gemacht.“

Vetle Sjaastad Christiansen übertrumpfte seine Mannschaftskameraden mit einem fehlerfreien Schießen und ging in Führung, und auch Tarjei kam ohne Fehler durch.

JT dominiert Stehendschießen

Doll verfehlte nach fehlerfreiem Liegendschießen einmal im Stehendanschlag, was ihn zurückwarf. Krcmar war der erste, der mit 10 Treffern durchkam. Giacomel patzte im Stehen gleich zweimal, ließ aber Krcmar hinter sich, bis Timofey Lapshin alles traf und vorübergehend in Führung ging. Dann blieb Lägreid ohne Fehler und kam bis auf 2 Sekunden an den Koreaner heran. JT folgte mit einer Bilderbuch-Schießeinlage und ging mit 35 Sekunden Vorsprung auf die Strecke.

Sprintrekord: „Ich dachte, die letzte Scheibe sei stehengeblieben“

Johannes ist nun der erste Biathlet aller Zeiten, der mit seiner überragenden Form vier Sprintrennen in Folge gewonnen hat. Trotzdem bangte er bei seinem sensationell guten Stehendschießen kurz um den Sieg. „Es war einer dieser besonderen Tage. Ich glaube, ich habe auf der Strecke heute viele gute Entscheidungen getroffen, und mit den Skiern, die wir hatten, konnte man eine gute Laufzeit abliefern, aber man muss ja auch noch schießen. ... Im Stehendanschlag hab ich mir Zeit genommen und hatte einen guten Rhythmus, es lief gut, und dann dachte ich, die letzte Scheibe sei stehengeblieben. Ich schaute über mein Gewehr und sah, dass sie gefallen war. Dann dachte ich: ‚Okay! Nehm ich.‘ Auch wenn es perfekt aussieht, ist es manchmal wirklich knapp.“

Christiansens drei Fehler warfen ihn aus dem Rennen, aber Tarjei traf seine fünf Stehendscheiben fast so schnell wie sein Bruder, sodass er auf Rang zwei vorrückte.

Norwegisches Podest

1800 Meter vor dem Ziel hatte JT 48 Sekunden Vorsprung vor Lägreid, während Lapshin zurückfiel. Lägreid lief eine gute letzte Runde, konnte JT aber nicht das Wasser reichen, der förmlich über die tiefe Strecke flog. JT lief die letzte Runde so schnell, dass er Lägreid fast einholte, der eine Minute vor ihm gestartet war. Lägreid sagte zu JTs Lauftempo und 55,8 Sekunden Vorsprung: „Er war stärker auf der Strecke, wie ein Hai, der langsam meinen Vorsprung wegfrisst. Das war ganz schön nervenaufreibend, ihn auf der letzten Runde hinter mir zu haben.“

Tarjei lag bei der 8,2-km-Zwischenzeit 10 Sekunden vor Lägreid und verteidigte den zweiten Platz, womit alle drei Podestplätze norwegisch besetzt waren.

„Man muss an sich glauben“

Tarjei strahlte nach seinem ersten Podestplatz der Saison bis über beide Ohren. „Das ist wirklich klasse. Es ist schon ein seltsamer Sport, den wir da betreiben. So viele Sachen können komplett schiefgehen. Im Dezember war mein Schießen nicht gerade gut. Wir sind hier nicht beim Langlauf und das Niveau ist so hoch, dass man alle Aspekte des Rennens absolut beherrschen muss. Ich wusste, dass es irgendwann so weit sein würde. ... Man muss an einem Tag einfach alles zusammenbringen. Das ist mir heute gelungen. ... Man muss an sich glauben, darauf kommt es an.“

„Ich bin stolz auf ihn!“

Es war heute das siebte „Bödium“ mit den beiden Brüdern auf eins und zwei, und der stolze große Bruder Tarjei scherzte: „Johannes stand bei sechs davon ganz oben, also hab ich es immerhin einmal geschafft. Ich mache Witze darüber. Er hätte einfach nie geboren werden sollen und dann hätte ich sechs Weltcupsiege mehr. Ich muss genauso mit ihm fertigwerden wie der Rest der Welt! Er ist eine Klasse für sich. Ich hoffe einfach, dass ich ein bisschen näher herankommen kann. Auf dem Weg zur Siegerehrung hat Johannes gesagt: ‚Behalt das gut in Erinnerung. Vielleicht ist es das letzte Mal. Man weiß ja nie. Wir müssen das genießen.‘ Ich bin sehr stolz auf ihn!“

Fotos: IBU/ Christian Manzoni, Svoboda

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