„Zu viele Entscheidungen, um es anderen recht zu machen“ – Iva Moric über ihren Neustart im kroatischen Team
Bei den Nachwuchs-Weltmeisterschaften 2022 holte Iva Moric drei Medaillen und galt als großes Talent im deutschen Team. Doch gesundheitliche Probleme bremsten sie aus. Nun startet sie im Weltcup für Kroatien. Ihre Story zeigt, warum es lohnt, weiterzumachen.
Als Iva acht Jahre alt war, schenkten ihr zwei kroatische Biathletinnen in Ruhpolding einen Rennanzug. Damals konnte sie nicht ahnen, dass sie eines Tages selbst Biathletin werden, geschweige denn für das Heimatland ihrer Eltern starten würde. In ihren ersten Jugendrennen trug sie das kroatische Outfit – und nun wird sie es im Weltcup wieder überstreifen. Doch dazwischen ist viel passiert.
Iva Moric hat kroatische Wurzeln, denen sie sich schon seit jeher sehr verbunden fühlt. Sie spricht die Sprache, hat viele Ferien an der Adria verbracht und identifiziert sich mit der kroatischen Kultur. Die Liebe zum Sport hat sie von ihrem Vater. Schon mit fünf stand sie auf Langläufern. Doch das reichte ihr bald nicht mehr aus. Das Schießen machte ihr mehr Spaß und so nahm sie alsbald an Wettkämpfen teil. „Ich habe nie die großen Leistungssprünge gemacht. Meine Performance ist eher linear und stetig besser geworden“, so die heute 22-Jährige. Das erste große Ziel ihrer Reise im Biathlon waren die Nachwuchs-Weltmeisterschaften 2022 in Soldier Hollow.
Soldier Hollow als Wendepunkt
„Ich habe wirklich alles gegeben, um zur WM 2022 zu fahren. Es waren meine ersten internationalen Rennen und dann auch noch in den USA. Ich war aufgeregt und konnte es nicht glauben, bis ich tatsächlich aus dem Flugzeug gestiegen bin.“ Bei den Wettkämpfen ließ Iva Moric ihre Aufregung zu Hause und gewann insgesamt drei Medaillen.
„Ich wusste, was mich bei den Rennen erwarten würde. Aber ich wusste nicht, was im Ziel auf mich zukommt. Plötzlich Medaillen zu gewinnen, war eine komplett neue Situation für mich. Im Heimatdorf meiner Familie in Kroatien saßen alle vor dem Livestream und haben mich angefeuert.“
Moric blickt mit Freude auf die Titelkämpfe in den USA zurück, die ihr jedoch auch einen hohen Preis abverlangten: Sie infizierte sich mit COVID-19 und hatte bis zum Spätsommer mit den Folgen zu kämpfen. Im nächsten Winter konnte sie die WM der Juniorinnen nur vorm Bildschirm aus verfolgen und hatte zudem einen anderen schweren Schicksalsschlag zu verkraften: die Krebsdiagnose bei ihrer Mutter. „Ich bin überglücklich, dass es meiner Mutter heute besser geht. Als sie krank war, konnte ich mich nicht auf den Sport konzentrieren.“
Diese besondere familiäre Situation ließ sie daran zweifeln, ob der Leistungssport überhaupt der richtige Weg für sie sei. Sie dachte ans Aufhören, wohl auch, weil ihr die DSV-Teamkolleginnen enteilt waren.
Neustart für eine andere Nation
Im Jahr 2025 entschloss sich Moric für einen Nationenwechsel und startet seitdem für Kroatien. „Mir ist bewusst geworden, dass ich in den vergangenen Jahren viele Entscheidungen nur deshalb getroffen habe, um es anderen recht zu machen. Jetzt wollte ich etwas für mich selbst tun.“ Mit dem Nationenwechsel genießt sie neue Freiheiten, aber auch eine andere Art der Verantwortung. „Ich organisiere mein Training selbst. Ich plane meine Trainingscamps, habe keine feste Basis mehr und sehe meine Teamkolleginnen nur sehr selten. Doch das passt zu mir, ich war schon immer eher Einzelkämpferin.“
Iva Moric hat gelernt, sich auf sich selbst zu verlassen und sich wieder auf ihre Stärken zu besinnen. Ihr Neustart im kroatischen Team hat ihr neue Motivation verliehen, um sich wieder voll und ganz dem Biathlon zu widmen. „Die letzten drei Jahre waren hart für mich. Ich hatte Angst davor, Fehler zu machen und nicht gut genug zu sein. Jetzt habe ich wieder Spaß am Biathlon und freue mich jedes Mal, wenn ich die Ziellinie überquere.“
Besonders emotional wurde es für sie im Januar 2026 bei ihrem Weltcup-Debüt in Ruhpolding. „Es war unglaublich schön, mein Weltcup-Debüt in Ruhpolding zu feiern. Dort bin ich aufgewachsen. Vor so einem tollen Publikum zu laufen, war unbeschreiblich. Alle haben mich mit Respekt behandelt, auch wenn ich nicht mehr für Deutschland starte. Ich habe jeden Selfie-Wunsch erfüllt.“
Diese positiven Erlebnisse geben Iva Moric einen zusätzlichen Motivationsschub in jedem Training. Ihr Fokus ist klar auf das nächste große Ziel gerichtet: die Weltmeisterschaften 2028 in Hochfilzen.
Fotos: IBU I Archiv