Zwar hatten die eisigen Temperaturen etwas nachgelassen, doch vor dem längsten Wettkampf der Woche, dem Einzel über 12,5 km, standen die Athletinnen und Athleten vor einer neuen Herausforderung: Plusgrade und anhaltender Regen. Bei vier Schießeinlagen und einer Strafminute pro Fehlschuss kam es beim Einzel neben Ausdauer auch auf Präzision am Abzug an.
Aaron Pike revanchierte sich für seine Niederlage im Sprint gegen Collin Cameron und baute seine Führung in der Gesamtwertung bei den Männern in der sitzenden Klasse aus. Der US-Amerikaner traf alle Scheiben, während sich Cameron im ersten Schießen einen Fehler leistete. Taras Rad wurde zum dritten Mal in Serie Dritter und lag am Ende weniger als zwei Minuten hinter Pike.
Bei den Frauen untermauerte Kendall Gretsch ihre herausragende Form und feierte in Canmore ihren dritten Sieg in Folge. Die US-Amerikanerin bleibt weiterhin das Maß aller Dinge, vor allem am Schießstand. Von ihren letzten 200 Schuss brachte sie 196 im Ziel unter (98 % Genauigkeit). Obwohl sie im Einzel eine Scheibe verfehlte, sicherte sie sich mit mehr als anderthalb Minuten Vorsprung auf die Südkoreanerin Yunji Kim souverän den Sieg. Dritte wurde die Deutsche Anja Wicker, die sich wie Kim vier Fehler leistete. Oksana Masters, die am Ende sieben Scheiben verfehlte, landete auf dem vierten Platz.
Gretsch war indes nicht die einzige mit drei Siegen bei den ersten drei Rennen der neuen Saison. Team Kanada feierte in der stehenden Klasse ebenfalls eine lupenreine Vorstellung. Mark Arendz, Lokalmatador in Canmore, zeigte einmal mehr eine überragende Leistung. Mit nur einem Fehlschuss sicherte er sich den Sieg 46 Sekunden vor Grygorii Vovchynskyi, der sich wiederum über sein erstes Podium seit den Weltmeisterschaften auf der Pokljuka freute. Karl Tabouret aus Frankreich wurde nach zwei Fehlern Dritter und lag im Ziel über drei Minuten hinter dem Sieger.
Starke Leistungen gab es auch bei den Frauen in der stehenden Klasse zu bewundern. Nathalie Wilkie erwies sich einmal mehr als unantastbar und landete in der Endabrechnung nach tadelloser Schießleistung 1:02 Minuten vor der Ukrainerin Oleksandra Kononova, die sich eine Strafminute einhandelte. Der dritte Platz ging an Bohdana Konashuk, die damit erstmals seit zwei Jahren wieder auf dem Podest stand.
Auch Johanna Recktenwald hat ihren Status als Spezialistin für den Einzelwettkampf untermauert. Die DSV-Athletin mit Seheinschränkung (Klasse VI) siegte bereits bei den Weltmeisterschaften auf der Pokljuka sowie beim Weltcup-Finale in Torsby im Einzel und wiederholte dieses Kunststück nun auch in Canmore. Durch eine starke Leistung in der Loipe und nur einen Fehlschuss hatte sie im Ziel mehr als eine Minute Vorsprung auf die Tschechin Carina Edlingerova. Leonie Maria Walter, die bei den beiden vorherigen Rennen in Canmore gesiegt hatte, musste sich im Einzel mit dem dritten Rang begnügen. Die amtierende Weltmeisterin erlebte einen schwierigen Tag am Schießstand und verfehlte gleich sechs Mal.
Zum Wochenabschluss zeigte Deutschland starke Leistungen und hatte in der Klasse VI mit Lennart Volkert einen weiteren Athleten ganz oben auf dem Treppchen, der seinen ersten Weltcupsieg feierte. Der 22-Jährige schoss einmal daneben und lag im Ziel 13 Sekunden vor dem Ukrainer Oleksandr Kazik (zwei Fehler). Dritter wurde der Franzose Anthony Chalencon (ebenfalls zwei Fehler), der damit als einziger in allen drei Rennen in Canmore auf dem Treppchen stand.
Nächste Station im IBU Para Biathlon Weltcup ist vom 5. bis 11. Januar 2026 Notschrei im Schwarzwald (Deutschland).
Fotos: Doyle | IBU