Herrmann-Wick holt Sprintsieg in Hochfilzen

Beim heutigen Sprint über 7,5 km in Hochfilzen lieferte Olympiasiegerin Denise Herrmann-Wick zwei tadellose Schießeinlagen ab. Auf der Schlussrunde zündete sie ihren berüchtigten Turbo und sicherte sich so in 20:07,1 Minuten ihren ersten Saisonerfolg. Die Tschechin Marketa Davidova leistete sich eine Strafrunde und landete 18,2 Sekunden hinter der DSV-Athletin auf Platz zwei. Dritte wurde die Französin Julia Simon mit 20,1 Sekunden Rückstand.

Hermann-Wick zufrieden und stolz

Denise Herrmann-Wick stand erstmals in Hochfilzen auf dem Podium, das bis dato nicht unbedingt zu ihren Lieblingsstrecken zählte. Auf ihren Erfolg war sie extrem stolz: „Das kam schon überraschend für mich, weil ich in den letzten Jahren immer ein paar Probleme hier hatte. Doch die Erfahrung hat sich jetzt ausgezahlt. Es fühlt sich fast ein bisschen wie bei meinem Olympiasieg in Peking an, denn Hochfilzen war bisher nicht unbedingt meine Lieblingsstrecke. Heute wollte ich einfach ein gutes Rennen abliefern, ruhig in der Loipe bleiben und nicht zu schnell schießen. Der Schießstand hat es nämlich ganz schön in sich. In den letzten Jahren wollte ich oft zu viel. Die Strecke war heute ziemlich vereist und rutschig. Im Vorfeld hatte ich ein bisschen Angst vor den Bedingungen, daher wollte ich ruhig bleiben und einfach ein gutes Rennen zeigen. Ich bin super zufrieden und stolz auf diesen Erfolg.“

Auf dem Weg zur Heim-WM

Die Siegerin ergänzte später, dass sie sich in den kommenden Wochen weiter verbessern möchte: „Heute war wirklich ein gutes Rennen. Aber ich hoffe, dass ich meine Laufleistung vor der WM in Oberhof Woche für Woche weiter verbessern kann. Dieser Sieg stärkt auf jeden Fall mein Selbstvertrauen. Jedes Rennen ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Heim-WM im Februar.“

Die Schwedin Elvira Öberg holte nach einer Strafrunde mit 32,4 Sekunden Rückstand den vierten Rang, ihre Schwester Hanna landete nach zwei Schießfehlern 37,2 Sekunden hinter der Siegerin auf dem sechsten Platz.

Lampič zum Debüt auf Rang fünf

Zwischen den beiden Öberg-Schwestern kam Anamarija Lampič (Slowenien) bei ihrem Debüt im BMW IBU-Weltcup nach drei Strafrunden auf Position fünf (35,8 Sekunden zurück). Die ehemalige Gesamtsiegerin im Skilanglauf-Sprintweltcup zeigte schon vergangene Woche in Idre einen beeindruckenden Auftritt, wo sie bei ihrem ersten internationalen Biathlonwettkampf im IBU-Cup gleich Sechste wurde. Lampič konnte das heutige Ergebnis kaum glauben: „Mir fehlen die Worte. Das ist verrückt. Ich wollte das Rennen einfach genießen und Spaß haben. Nach dem Liegendschießen dachte ich: ‚Wow! Jetzt geh ich in die Vollen!‘. Beim Stehendanschlag sind mir drei Patronen danebengegangen, aber es hätten auch fünf sein können. Daher bin ich zufrieden. Ricco Groß wird sich sicher geärgert haben. Er sagt immer, ich soll einen Atemzug mehr machen. Als ich dreimal daneben geschossen hatte, wollte ich mich neu fokussieren, um die letzten beiden Patronen zu versenken. Das ist mir geglückt. Also bin ich dreimal durch die Strafrunde gekreiselt und dann ging es ab in Richtung Ziel.“

Vereiste Strecke im sonnigen Hochfilzen

Nach einer Woche in der finnischen Finsternis zeigte sich Hochfilzen am ersten Wettkampftag ausgesprochen sonnig bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und nur schwachem Wind am Schießstand. Obwohl die Strecke schnell war, gab es immer wieder vereiste Stellen, was in den Abfahrten und Kurven zur Vorsicht mahnte. Mit etwas Zurückhaltung in der Loipe verschaffte sich Frühstarterin Davidova nach ihrem fehlerfreiem Liegendanschlag einen Vorteil, gab aber zu: „Heute habe ich mich auf den Ski nicht so wohlgefühlt. Es war sehr eisig und daher schwierig. In den Abfahrten war ich richtig schlecht, aber ich glaube, heute hatten alle ein paar Probleme.“

Unterdessen verfehlten beide Öberg-Schwestern eine Scheibe im Liegendschießen. Julia Simon schloss ihre Serie schneller als gewohnt ab und reihte sich nach fünf Treffern nur 0,4 Sekunden hinter Davidova ein. Herrmann-Wick blieb ebenfalls ohne Fehler und 4,4 Sekunden zurück. Lampič, die nur ein Wochenende im IBU-Cup als Biathlon-Erfahrung vorweisen kann, war schneller beim ersten Schießen als alle anderen Athletinnen und überraschte die gesamte Konkurrenz mit fünf Treffern und 11,4 Sekunden Vorsprung auf Davidova.

Header iconBMW IBU World Cup 2 Hochfilzen Women's Sprint

Herrmann-Wick ruhig und konzentriert

Davidova zeigte auch im Stehendanschlag eine gute Leistung und ging mit deutlichem Vorsprung auf ihre Schlussrunde. Nachdem Elvira Öberg eine gute zweite Runde in den Schnee zauberte, hatte sie beim zweiten Schießen die Chance auf die Führung, verfehlte allerdings ihren zweiten Schuss und ging 18 Sekunden hinter ihrer tschechischen Rivalin zurück auf die Strecke. Simon handelte sich auch eine Strafrunde ein, zeigte sich läuferisch aber in herausragender Verfassung und hatte nur 2,6 Sekunden Rückstand auf Davidova.

Herrmann-Wick schoss überzeugend, zügig und vor allem tadellos. Damit war die schnelle Läuferin mit ihren 6,8 Sekunden Rückstand auf den letzten 2,5 km in absoluter Schlagdistanz zur Spitze. „Ich habe gestern im Training versucht, etwas langsamer an den Schießstand zu laufen. Das hat sich heute wirklich ausgezahlt. Ich wollte ruhig und konzentriert bleiben und meine Patronen ins Ziel bringen. Wenn du mit null Fehlern auf die Schlussrunde gehst, fühlt sich das super an.“

Simon ging mit 23 Sekunden Rückstand als Dritte auf ihre letzte Runde. Lampičs Führung schmolz dahin, als sie sich drei Strafrunden einhandelte.

Alles für den Sieg

Zur Zwischenzeit bei Kilometer 6,1 lag Hermann-Wick vor Davidova. Sie zog weiter mächtig an und lief bis zum Ziel 18 Sekunden heraus. Julia Simon verlor auf dem letzten Umlauf etwas Zeit, sicherte sich aber den dritten Rang.

Podium und Gelbes Trikot machen Simon glücklich

Durch ihren dritten Platz durfte sich Julia Simon zum ersten Mal in ihrer Karriere das Gelbe Trikot überstreifen. Dabei war sie einfach nur glücklich, nach wieder einmal gutem Schießen auf dem Treppchen zu landen: „Es war toll, wieder auf dem Podium zu stehen. Das Rennen war ganz schön hart, dafür lief das Schießen richtig gut. Läuferisch war ich nicht in Bestform, aber ich habe gut gekämpft. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Ich habe in den letzten beiden Jahren viel an meiner Schießleistung gearbeitet. Das dauert seine Zeit. Ich kann es nicht richtig erklären, aber ich glaube, in Sachen Liegendschießen hat es jetzt ‚Klick‘ bei mir gemacht. Wenn der Liegendanschlag wie gewünscht funktioniert, macht es alles andere leichter. Wenn es stehend dann auch noch passt, kann man bis zum Schluss vorn dabei sein. Mein Liegendschießen hat mir in diesem Jahr sehr viel geholfen. Ich bin einfach nur happy, dass ich wieder die Null geschossen habe!“

Fotos: IBU/Christian Manzoni, Igor Stancik

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