Herrmann fliegt zu Sprintsieg in Kontiolahti

Die deutsche Olympiasiegerin im Einzel über 15 km, Denise Herrmann, schoss einen Fehler und sicherte sich dank ihrer phänomenalen Laufleistung im Sprint der Damen über 7,5 km in Kontiolahti ihren ersten BMW IBU Weltcupsieg der Saison in 20:08,6. Die Norwegerin Tiril Eckhoff ließ ebenfalls eine Scheibe stehen und wurde 5 Sekunden hinter Herrmann Zweite. Platz drei ging an die Schwedin Stina Nilsson mit einem Fehler und einem Rückstand von 5,2 Sekunden. Sie stand zum ersten Mal in ihrer Karriere auf dem Weltcup-Podest.

Header icon2022 BMW IBU World Cup Kontiolahti Women's Sprint

Herrmann: „Erholt und frisch nach Olympia“

Herrmann schaffte ihren neunten Karrieresieg. Frisch und erholt sicherte sie sich den zweiten Triumph in Kontiolahti. „Ich habe meine Batterien zu Hause wieder aufgeladen und kam frisch und erholt nach Olympia hier her. Ich war heute konzentriert, aber auch entspannt. Die Staffel lief gut und mein Ziel war es, heute wieder das gleiche Gefühl im Rennen zu haben. Wir hatten tolle Skier, die die Leistung erst möglich gemacht haben. Es war etwas windig und man musste vorsichtig schießen… Kontiolahti ist nicht der einfachste Schießstand auf der Welt… Ich hatte Glück, dass liegend nur einer daneben ging. Alles hat geklappt und ich bin sehr froh. Und mit dem Duell der Ex-Langläuferinnen am Ende.“

Glückwunsch an Nilsson

Über Nilssons dritten Platz sagte Herrmann: „Es war toll. Ich habe sie vor dem Rennen getroffen und sie sagte, sie hätte seit Ruhpolding kein richtiges Rennen mehr absolviert. Man weiß nicht, wie der Körper nach so einer langen Pause reagiert. Ich freue mich, dass sie diese tolle Platzierung geschafft hat.“

Nilssons Teamkollegin Hannah Oeberg schoss einen Fehler und kam auf Rang vier, 6,8 Sekunden hinter Herrmann. Fünfte wurde die Französin Anais Chevalier Bouchet, ebenfalls mit einer Strafrunde und einem Rückstand von 15,5 Sekunden. Vanessa Voigt aus Deutschland blieb fehlerfrei und schob sich 16,7 Sekunden hinter Herrmann auf Platz sechs.

Sonniger Sprinttag

Am ersten Sprint nach Olympia strahlte erneut die Sonne. Der Wind wehte zeitweise böig und erschwerte das Schießen bei -3°C an diesem Samstagnachmittag. Braisaz-Bouchet gab nach ihren Problemen in der Staffel heute mit einem schnellen und fehlerfreien Liegendschießen den Ton an. Sie lag 11 Sekunden vor den vor ihr gestarteten. Eckhoff sah erneut gut aus, traf ebenfalls und war nur eine Sekunde langsamer als Braisaz-Bouchet. Olsbu Roeiseland wollte einen weiteren Sieg einfahren, verfehlte aber eine Scheibe und fiel 21 Sekunden zurück. Herrmann ging mit einer Sekunde Vorsprung vor der Französin in Führung. Nilsson ging erst spät ins Rennen und schob sich dank eines fehlerfreien Schießens in die Topränge, nur zwei Sekunden hinter der Deutschen.

Einzelne Fehler im Stehendschießen

Stehend verfehlte Braisaz-Bouchet zwei Scheiben und fiel aus den vorderen Plätzen heraus. Chevalier-Bouchet ging mit einem sauberen Schießdurchgang in Führung. Eckhoff setzte den ersten Stehendschuss daneben, lag aber nach der Strafrunde dennoch in Führung. Die Trägerin des Gelben Trikots verfehlte auch stehend wieder eine Scheibe und musste alle Hoffnungen auf einen Treppchenplatz begraben. Herrmann traf stehend ebenfalls einmal nicht, flog allerdings über den Schnee und verließ 4,8 Sekunden schneller als Eckhoff das Stadion. Nun lagen noch 2,5 km vor ihr. Nilsson kam mit einem großen Vorsprung zum Stehendschießen, traf drei Scheiben, verfehlte die nächste, zögerte dann und traf die letzte. Nach ihrer Strafrunde lag sie 11 Sekunden zurück.

Herrmann fährt zum Sieg

Eckhoff sah auf der Schlussrunde extrem stark aus und war viel schneller als Chevalier-Bouchet. Im Ziel lag sie 12 Sekunden vor der Französin. Hannah Oeberg gab alles und wollte Eckhoff unbedingt einholen, war aber 1,8 Sekunden langsamer. Herrmann gab weiter Vollgas und lag 700 Meter vor dem Ziel 6,1 Sekunden in Führung. Vor dem Ziel wurde sie ein bisschen langsamer, sicherte sich aber unangefochten den Sieg. Sie war 5 Sekunden schneller als Eckhoff und schob Oeberg auf Platz drei zurück.

Nilsson fliegt auf Platz drei

Bei Kilometerpunkt 6 lag Nilsson auf Rang drei, nur sechs Sekunden hinter Herrmann. Als sie die Wand überwunden hatte, waren es noch 700 Meter bis zum Ziel. Nilssons war auf Platz zwei, 5,7 Sekunden hinter der Führenden. Die Olympiasiegerin im Langlauf 2018 sprintete mit all ihrer verbliebenen Kraft über die letzten hundert Meter. Es reichte aber nicht. Sie stieß Hannah Oeberg von Rang drei und holte ihren ersten Podestplatz in einem BMW IBU Weltcuprennen.

Überwältigt“

Nilsson war „überwältigt“ von ihrem ersten Treppchenplatz. „Es ist so irreal. Ich hatte ein gutes Gefühl während der letzten Tage, aber ich habe nicht erwartet, heute auf dem Podest zu landen. Deshalb bin ich einfach überwältigt.“ Sie fügte hinzu: „Ich bin überrascht, denn wenn man nur ein Jahr zurückblickt auf den IBU Cup in Arber, dann habe ich einen langen Weg zurückgelegt. Das macht mich sehr stolz.“

Keine Zwischenzeit bis Runde 3

Über ihre Schlussrunde sagte sie: „Ich habe den Trainern gesagt, dass ich auf der ersten und zweiten Runde keine Zwischenzeiten hören will. Ich hatte gehört, dass einige Mädels das Rennen sehr schnell angehen und ich wollte ihre Zeiten nicht wissen. Mein Plan war es, auf den ersten beiden Runden etwas Energie zu sparen, um noch Kraft auf der Schlussrunde zu haben. In der dritten Runde habe ich zum ersten Mal Zwischenzeiten gehört und das hat mich beflügelt.“

Eckhoff: „Schön, wieder auf dem Podest zu stehen“

Eckhoff schaffte ihr bestes Ergebnis der Saison, einmal abgesehen von den Olympischen Spielen. Sie war sehr zufrieden mit ihrer Schießleistung. „Ich bin wirklich zufrieden, denn heute habe ich schnell geschossen und konnte auch wieder ein gutes Stehendschießen zeigen. Es ist sehr schön, wieder auf dem Podium zu stehen… Um ehrlich zu sein, war meine Form vor Weihnachten sehr schlecht. Ich denke, ich habe einige große Fehler begangen. Ich bin stolz, dass ich aus dem Loch herausgeklettert bin und meine zu Olympia in Bestform war. Das war das wichtigste Ereignis in dieser Saison. Aber ich bin froh, auch im Weltcup wieder auf dem Treppchen zu stehen.“

Fotos: IBU/Christian Manzoni

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