Kampf um die Gesamtwertung: Machen Eric Perrot und Lou Jeanmonnot alles klar?
Jedes Jahr im März das gleiche Spiel: In den letzten Wettkämpfen der Saison geht es um den Gesamtweltcup und die Große Kristallkugel. Doch wie alle vier Jahre ist 2026 alles ein wenig anders. Bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina standen alle Athletinnen und Athleten unter enormem Druck. Während einige die Erwartungen erfüllten und olympisches Edelmetall gewannen, blieben andere etwas enttäuscht zurück. Was alle eint: Die Wettbewerbe in Antholz haben sehr viel Kraft und Energie gekostet.
Machen Eric Perrot und Lou Jeanmonnot alles klar?
Wie in jedem Olympiajahr stellt sich auch 2026 ein besonderes Phänomen ein: Mit Abschluss der Spiele weicht die große Anspannung. Bleibt nur eine Frage: Haben Eric Perrot und Lou Jeanmonnot noch genügend Energie, um jeweils ihre erste Große Kristallkugel zu gewinnen?
Duell Norwegen gegen Frankreich
Bei den Wettkämpfen im März läuft alles auf das Duell Norwegen gegen Frankreich hinaus, wobei das schwedische Team den anderen noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Bei den Olympischen Spielen gewann Frankreich sechsmal Gold, darunter alle drei Staffeln. Norwegen holte in drei Einzelwettbewerben Olympiagold und feierte insgesamt fünf Silbermedaillen. Schweden gewann einmal Gold und zwei Staffelmedaillen.
Beim Weltcup in dieser Woche in Kontiolahti stehen nun die letzten Staffelrennen der Saison auf dem Plan. Bei den Frauen dürften die Französinnen die besten Chancen auf den Gewinn der Disziplinwertung haben, auch wenn die Norwegerinnen nur zwölf Punkte hinter ihnen liegen. Bei den Männern liegen die Norweger hingegen in Führung. Auch wenn sie sich bei den Spielen den Franzosen geschlagen geben mussten, haben sie genügend Tiefe im Kader, um sich die Staffelwertung zu sichern. In der Mixed-Wertung hat Frankreich hingegen 55 Zähler Vorsprung.
Pole Position für Perrot
Bei den Männern geht Eric Perrot am Freitag aus der Pole Position heraus ins letzte Trimester. Nachdem Verfolger Tommaso Giacomel aufgrund von Herzproblemen die Saison vorzeitig beenden musste, scheint der Franzose mit 834 gegenüber den 668 Punkten seines nunmehr ärgsten Verfolgers Sebastian Samuelsson fast uneinholbar in Führung. Nach drei Einzelsiegen in dieser Saison kam Perrot bei den Olympischen Spielen nicht immer an die Top-Ergebnisse heran. Er feierte Silber im Einzel über 20 km und Olympiagold mit der Mixed-Staffel, landete im Sprint auf Platz neun und in der spannenden Verfolgung auf Platz vier, während er im Massenstart nur 20. wurde. Doch 90 % Trefferquote und die Aussicht auf die begehrte Kristallkugel dürften in beflügeln.
Samuelsson, Botn und Dale-Skjevdal in Lauerstellung
Bei Olympia feierte Samuelsson sein bestes Ergebnis mit Platz fünf im Sprint nach fehlerfreiem Schießen. Dazu gewann er Bronze mit der Staffel. Nach dem Saisonaus für Giacomel führt der Schwede die Disziplinwertung im Sprint an. Mit einem Sieg in Otepää oder Oslo käme er der kleinen Kristallkugel einen großen Schritt näher und könnte Perrot in der Gesamtwertung noch einmal etwas unter Druck setzen.
Auch andere Biathleten werden nach persönlichen Erfolgen eifern. Johan-Olav Botn, Olympiasieger im Einzel über 20 km, liegt in dieser Disziplinwertung nur drei Zähler hinter Perrot. Mit einem Sieg in Kontiolahti würde sich der junge Norweger seine erste kleine Kristallkugel sichern.
Johannes Dale-Skjevdal, Olympiasieger im Massenstart, könnte im letzten Trimester noch die meisten Körner haben. Dank zusätzlichem Höhentraining und einem überaus erfolgreichen Wettkampf könnte er voller Energie im Kampf um die Disziplinwertung in der Verfolgung eingreifen. Quentin Fillon Maillet ist vielleicht nicht mehr so frisch wie Dale-Skjevdal, doch nach seinem Olympiasieg im Sprint und seiner fantastischen Bronzemedaille im Massenstart dürfte auch er zum Saisonende voll motiviert sein.
Jeanmonnots Mission
Für Lou Jeanmonnot stehen die Chancen auf die Große Kristallkugel ähnlich gut wie für Perrot. Sie liegt aktuell nahezu uneinholbare 202 Zähler vor der Zweitplatzierten Suvi Minkkinen. Mit zweimal Staffel-Gold, Silber im Einzel und Bronze im Sprint dürfte die Französin mit Olympia nicht unzufrieden gewesen sein, wenngleich ihre Ergebnisse in Verfolgung und Massenstart eher enttäuschend waren. Nachdem sie im vergangenen Jahr im spannenden Duell mit Franziska Preuß kurz vor dem Ziel dramatisch zu Fall gekommen war, hat Jeanmonnot in diesem Jahr eine klare Mission: die Große Kristallkugel.
Minkkinen, die Schwedinnen und Julia Simon
Suvi Minkkinen gewann in Antholz eine Bronzemedaille und verfehlte in ihren Wettkämpfen nur vier von insgesamt 80 Scheiben. Neben ihrer Konstanz dürfte sie auch das heimische Publikum in Kontiolahti motivieren, ihre Führung in der Disziplinwertung der Verfolgung zu verteidigen. Die 23-jährige Norwegerin Maren Kirkeeide, die in Antholz Gold im Sprint, Silber in der Verfolgung und Bronze mit der Staffel gewann, könnte in der Gesamtwertung noch den zweiten Platz übernehmen.
Mit Ausnahme der Frauenstaffel, wo sie eine erstklassige Leistung ablieferten, schienen die Öberg-Schwestern bei Olympia nicht in allerbester Verfassung gewesen zu sein. Da der Druck der Olympischen Spiele nun vorbei ist, zählen sie bei den verbleibenden Wettkämpfen aber durchaus zu den aussichtsreichen Kandidatinnen.
Und dann ist da noch Julia Simon: Zwar hat sie keine Chance mehr auf die Gesamtwertung, doch mit 91 % Trefferquote und Top-Form im Laufen dürfte sie genauso wie Oceane Michelon auf Podestplatzierungen schielen. Wahrscheinlich konzentriert sie sich auf den Massenstart, wo sie in der Disziplinwertung aktuell auf Platz zwei hinter Jeanmonnot liegt.
Bis Saisonende stehen noch 14 Einzelwettkämpfe, eine Männer- und eine Frauenstaffel sowie eine Mixed- und eine Single-Mixed-Staffel auf dem Programm. Wir dürfen gespannt sein, ob die Besten der Olympischen Spiele die nächsten Titel abräumen, die Kräfte bei den favorisierten Stars ausreichen oder ob es wieder einige Überraschungen geben wird. Genießen wir die letzten drei Wochen der Saison 2025/26!
Fotos: IBU/Vianney Thibaut, Dmitry Yevenko, Ola Wizor, Nordic Focus